Upcycling in Geesthacht

Thomas Kujawa haucht alten Dingen neues Leben ein

Den kleinen Kellerraum seiner Wohnung hat Thomas Kujawa zur Werkstatt umfunktioniert. Hier zieht er sich in seiner Freizeit zurück und macht aus alten Dingen etwas ganz Neues.

Den kleinen Kellerraum seiner Wohnung hat Thomas Kujawa zur Werkstatt umfunktioniert. Hier zieht er sich in seiner Freizeit zurück und macht aus alten Dingen etwas ganz Neues.

Foto: Frauke Mass / BGZ

Aus Gebrauchsgegenständen, die in den Müll sollten, schafft Thomas Kujawa aus Geesthacht sehenswerte Unikate. Wir haben ihn besucht.

Geesthacht.  Es ist eine kleine Werkstatt, nur ein winziger Raum im Keller. Die Luft ist stickig. Auf rund sechs Quadratmetern stapeln sich Arbeitsgeräte, Kisten, Kartons. Hier verbringt Thomas Kujawa einen Großteil seiner Freizeit. Wobei – viel Freizeit hat der Geesthachter nicht. Erst kommt der Job, dann die Familie und zum Schluss sein Hobby: Upcycling. Der 45-Jährige macht aus alten Dingen etwas Neues. Im Fachjargon: Gegenstände beziehungsweise Rohstoffe, die nach ihrem eigentlichem Produktlebenszyklus zweckentfremdet werden: Ohrringe und Uhren aus Schallplatten. Gürtel aus Fahrradschläuchen. Mützen aus alten Jutesäcken.

Seit vielen Jahren schon beschäftigt er sich mit dem Thema Upcycling. Und es ist für ihn auch mehr als ein kreatives Hobby, mehr als ein Trend, auf den er aufgesprungen ist. „ Upcycling ist eine Art Lebenseinstellung“, sagt er. Wegschmeißen von wertvollen Rohstoffen? Das kommt für ihn nicht infrage: „Alles ist wiederverwendbar, aus allem kann Neues entstehen.“

Aus dem Kellerraum wurde eine Werkstatt

Seit 2017 betreibt Kujawa Upcycling nebenberuflich. Hauptberuflich ist der gelernte Kfz-Mechaniker seit einem Bandscheibenvorfall in der stationären Kinder- und Jugendhilfe tätig. Als Quereinsteiger, wie er erzählt. Und weil ihm eine qualifizierte Ausbildung fehlt, kann er nur projektbezogen arbeiten, weiß nie, ob sein Vertrag verlängert wird. Eine unsichere Situation für den Familienvater. Immer wieder überlegte er, womit er sich ein zweites Standbein schaffen kann – und kam auf die Idee, Upcycling zu professionalisieren.

Kurzerhand wurde der Kellerraum der Familienwohnung umfunktioniert zur Werkstatt. Längst reicht der Platz nicht für alle seine Werkstoffe. Zig alte Schallplatten, die er sich auf Flohmärkten für ein paar Cent besorgt, lagern mittlerweile im Wohnzimmer der Wohnung. Was früher zum Beispiel mit Operettenarien die Zuhörer erfreute, schmückt heute mit den Böhse Onkelz als individuelle Uhr die Wand.

Beim Upcycling werden Ressourcen geschont

Motive hat Thomas Kujawa so einige in der Schublade. In viel Kleinarbeit hat er am Computer Silhouetten erstellt, die dann auf die Platten übertragen und sorgfältig ausgefräst werden. Die Motive reichen von Kermit dem Frosch aus Sesamstraße und Muppet Show über Rockgruppen wie Led Zeppelin bis zu Sängern wie Bob Marley oder Elvis Presley. Je nach Wunsch des Kunden. „Ich arbeite nur nach Auftrag. Jedes Stück ist ein Unikat und wird erst nach der Bestellung angefertigt“, sagt er. Aus Platzgründen. „Ich kann nichts lagern.“ Und auf Halde produzieren sei nicht lukrativ.

Es ist eine Arbeit, die ihn entspannt. Hier im kleinen Keller kann er abschalten, Job und Familie hinter sich lassen. Konzentriert fräst er Motive aus dem Vinyl. Schneidet Fahrradschläuche auseinander, die seine Frau dann mit buntem Gurtband zu Gürteln näht. Die Reste davon finden in Tabaktaschen ein neues Leben. „Beim Upcycling entstehen nicht nur coole und individuelle Objekte, es werden auch Ressourcen geschont“, betont er.

Geesthachter wünscht sich eine größere Werkstatt

Zeit zum Ideensammeln hat Thomas Kujawa während seiner Nachtdienste. Seine jüngste Idee: aus alten Skateboards Topfuntersetzer, Hocker oder Garderoben bauen. „Die Form eines Boards ist so besonders, die Bretter haben viel erlebt und sind immer interessant beklebt. Ich bin gespannt, was daraus so alles werden kann!“ Der Holzkörper soll dabei seinen gebrauchten Charme behalten. Nichts wird geschliffen oder gerade gebogen.

Eine größere Werkstatt wäre sein Traum,: Ein Ort, an dem er arbeiten und auch Materialien lagern kann, um dann irgendwann einmal sein Hobby zum Beruf zu machen und davon leben zu können. Ein erster Schritt zu mehr Bekanntheit ist bereits gemacht: Es gibt Pläne für Kooperationen mit Upcycling-Betrieben aus Berlin und Straubing sowie Kontakte mit einem österreichischen Museum, die Interesse an seiner Arbeit bekundet haben.

Wer ein altes Skateboard loswerden möchte, kann sich gern an Thomas Kujawa wenden. Infos zu seinen Produkten auf der Homepage unter www.2chance-upcycling.de.