Geesthacht

Heimunterricht als Dauerlösung? Eltern sind geschockt

Wie geht es nach den Sommerferien am Otto-Hahn-Gymnasium weiter? Das Kollegium stellt sich auf alle Eventualitäten ein.

Wie geht es nach den Sommerferien am Otto-Hahn-Gymnasium weiter? Das Kollegium stellt sich auf alle Eventualitäten ein.

Foto: Gerrit Pfennig / BGZ

Elternvertreter aus Geesthacht tagen per Videokonferenz. Mix aus Präsenz-und Digitalunterricht soll kommendes Schuljahr andauern.

Geesthacht. Eltern arbeiten im Homeoffice, Schüler aller Klassenstufen machen seit Wochen Homeschooling. Eine für alle Beteiligten anstrengende Situation. Wie lang wird dieser Ausnahmezustand an den Schulen noch andauern? Das fragen vor allem Eltern besorgt, die Kinder an verschiedenen Schulen haben. Und: Wird es nach den Sommerferien so weitergehen?

Vermutlich schon – und schlimmstenfalls bis zum Ende des kommenden Schuljahres. Das wurde während einer Videokonferenz von Elternvertretern des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG) geäußert, berichtet Katharina Richter, Elternvertreterin einer fünften Klassen. „Viele Eltern reagieren geschockt“, sagt sie. „Die Situation ist schon jetzt nicht mehr zumutbar“, klagt der Vater eines Fünftklässlers. „Wie sollen wir Eltern das noch ein Schuljahr durchhalten?“ Er habe bislang keine Informationen darüber, wann sein Sohn wieder Unterricht in der Klasse habe.

Seit dem 6. Mai haben erst einmal nur Sechstklässler sowie Kinder mit Deutsch als Zweitsprache wieder Unterricht am Otto-Hahn-Gymnasium. Jede Klasse ist gedrittelt, es werden nicht mehr als neun Kinder pro Raum zugelassen. Die Hygienemaßnahmen sind vom Land vorgegeben, die Schule setzt sie um.

Im Idealfall sollen die Kinder ohne Elternhilfe lernen

Derzeit laufe alles glatt, beobachtet Schulleiterin Kirsa Siegemund. Aber sobald mehr Schüler kommen, werde alles komplizierter. Um den geforderten Abstand unterein­ander zu gewährleisten, werde die Kombination aus Präsenzunterricht und Homeschooling bis zu den Ferien auf jeden Fall bleiben.

Was das kommende Schuljahr angeht, möchte Kirsa Siegemund keine Prognose abgeben. „Wir stellen uns auf alle Eventualitäten ein“, kündigt sie an. Aber auch sie vermutet, dass es mit dem Mix aus Präsenz- und digitalem Unterricht zu Hause weitergehen soll. Dass die Organisation für Familien schwierig ist, weiß sie. Aber, erinnert sie, „auch die Kollegen haben Kinder, müssen ihren Job machen und gleichzeitig ihre Kinder versorgen. Es ist eine Herausforderung für alle!“ Im Idealfall sollen die Kinder ohne Elternhilfe lernen.

Dafür jedoch ist eine gute Plattform wesentlich, die alles leistet, was benötigt wird: Chat- und Mailfunktion, mit der man Aufgaben verschicken und Videokonferenzen abhalten kann. „Wir haben eine Arbeitsgemeinschaft, die sich damit beschäftigt, wie Unterricht künftig aussehen kann.“

Unterricht in Kleingruppen ist eine organisatorische Herausforderung

Thomas Hillemann, Vorsitzender des Schulelternbeirats des OHG, ist froh, dass sich die Schule um eine moderne Plattform kümmert. Auch er geht davon aus, dass die jetzige Lernsituation bis weit ins kommende Schuljahr hinein reichen wird. Ein Problem sei, dass nicht alle Schüler einen Computer besitzen. „Zwei bis drei Kinder pro Klasse sind technisch nicht gut ausgestattet“, weiß er. Sein Wunsch: „Die Stadt sollte sich als Schulträger für die technische Ausstattung der Schüler verantwortlich fühlen, damit alle Kinder die gleichen Lernvoraussetzungen besitzen.“

Für Kai Nerger, Schulleiter der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule, ist der Unterricht in Kleingruppen derzeit eine organisatorische Herausforderung. Der digitale Unterricht hingegen laufe besser als gedacht. Auch er hat die unterschiedliche Ausstattung der Schüler beobachtet. „Das ist sicherlich etwas, was verändert werden sollte“, gibt er zu. An Spekulationen, wie es nach dem Sommer weitergehen könnte, möchte er sich nicht beteiligen, verweist aber auf die Homepage der Schule: Auf der steht, dass das neue Schuljahr gegebenenfalls wieder mit einer Präsenzbeschulung in kleineren Gruppen beginnen wird und Umschulungsfeiern entsprechend ausfallen werden.

Konkrete Verlautbarungen aus Kiel über den weiteren Fahrplan gibt es noch nicht. „Alles hängt davon ab, wie sich das Infektionsgeschehen weiter entwickelt“, erklärt Patricia Zimnik, Sprecherin des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur Schleswig-Holsteins. „Aber es ist nicht damit zu rechnen, dass ab August ein normaler Schulbetrieb wieder aufgenommen werden kann“, sagt sie: Bildungsministerin Karin Prien habe bereits inoffiziell angedeutet, dass der Schulunterricht erst einmal in anderer Form weitergehen

Hier gibt es Hilfe: Für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Erziehungsberechtigte mit Kümmernissen und Sorgen bietet die Schulsozialarbeit der Stadt Geesthacht unter der Nummer 04152/134 24 Beratung an. Zusätzliche, außerschulische Hilfe gibt es bei der schulpsychologischen Beratung des Kreises (04541/88 83 22). Lernunterstützung bieten u. a. fachportal.lernnetz.de und eltern@iqsh.landsh.de.werde.