Hamburg.

Bankraub: 70-Jähriger festgenommen

Flucht mit dem Rad Er hatte drei Angestellte mit einer scharfen Schusswaffe bedroht und Bargeld gefordert

Hamburg..  Ein bewaffneter 70-Jähriger soll im Hamburger Stadtviertel St. Georg eine Bank überfallen haben ­– und ist kurz darauf festgenommen worden. Der Rentner Michael J. habe mit seiner Beute auf einem Fahrrad, das er wohl auch in die Filiale mitgenommen habe, fliehen wollen, sagte ein Sprecher des Lagezentrums in der Nacht zu Freitag. Der Senior habe bei dem Überfall am Donnerstagabend drei Angestellte mit einer scharfen Schusswaffe bedroht und Bargeld gefordert. Er wurde dank einer aufmerksamen Zeugin bereits kurz nach der Tat festgenommen. Die Frau hatte einen Streifenwagen, der zufällig vorbeifuhr, angehalten. Als der mutmaßliche Dieb auf sein Rad steigen wollte, konnten ihn die Beamten festnehmen. „Er war sichtlich überrascht“, sagte der Sprecher.

Haspa-Banker durch Schuss lebensgefährlich verletzt

Doch abgeschlossen sind die Ermittlungen damit noch nicht: Denn Informationen zufolge ist sich die Polizei nun sicher, dass der 70-Jährige auch für den äußerst brutalen und spektakulären Banküberfall aus dem Jahr 2017 verantwortlich ist, bei dem ein Haspa-Mitarbeiter an der Holstenstraße im Stadtteil Altona durch einen Schuss lebensgefährlich verletzt worden war.

Bereits nach der Tat am Donnerstagabend fielen den Ermittlern diverse Parallelen zu dem Raubüberfall in Altona auf. Der Verdacht lag schnell nahe, dass es sich bei dem gefassten Bankräuber um denselben Täter handelt. Zudem soll Michael J., der in Kiel wohnt, nach Medien-Informationen am 29. Dezember 2011 auch die Haspa-Filiale am Neuen Steinweg in der City überfallen haben. Der 70-Jährige bestreitet die zwei Banküberfälle aus den Jahren 2011 und 2017 jedoch. Er sollte noch am Freitag vor den Haftrichter kommen.

Fast auf den Tag vor zwei Jahren, am 12. Januar 2017, hatte ein maskierter, älterer Mann die Haspa-Filiale an der Holstenstraße in Altona überfallen. Er hatte an einem Schalter mit vorgehaltener Schusswaffe Bargeld gefordert. Obwohl er das Geld bekam, schoss der Täter einem 45-jährigen Haspa-Mitarbeiter ohne erkennbaren Grund in den Bauch. Anschließend flüchtete der Räuber ohne größere Eile per Fahrrad.

Schon damals war von der Kaltblütigkeit des Täters die Rede, die den Verdacht nährte, dass er ein Profi ist. So ging er bei dem Überfall kühl und berechnend vor und flüchtete auch ohne jede Hektik mit einem Fahrrad in Richtung des Bahnhofs Holstenstraße.

Nach dem Überfall wurde die ganze Bandbreite der Kriminaltechnik eingesetzt, um Spuren zu sichern. Auch Bilder einer Überwachungskamera wurden veröffentlicht, ein Fährtenhund eingesetzt, die Haspa setzte eine Belohnung in Höhe von 10.000 Euro aus. Doch der Räuber wurde nie gefasst. Auch eine Öffentlichkeitsfahndung bei Aktenzeichen XY verlief ergebnislos.

Pikant: Am Tag des Haspa-Überfalls an der Holstenstraße wurde in der Elbphilharmonie die Eröffnung des Kleinen Saals gefeiert. Unter den Gästen war damals auch Haspa-Chef Harald Vogelsang. Dieser verließ die Feierlichkeiten jedoch vorzeitig, als er den Anruf erhielt, dass einer seiner Angestellten bei einem Überfall angeschossen und lebensgefährlich verletzt wurde.

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