Bergedorf

Heimatliebe und der Wunsch nach Zugehörigkeit

3. Hamburger Tage des Exils geben Einblicke

Bergedorf. . „Wo er so schnell und so gut Deutsch gelernt habe, ist die Frage, die ihm am häufigsten auf seinen Lesereisen gestellt wird“, erzählt Faisal Hamdo. Antwort: „Auf der Arbeit und mit Loriot.“

„Mein erster Minijob war auf dem Bau, da habe ich allerdings erstmal polnisch gelernt“, sagt Faisal lachend. „Aber ich habe natürlich mehrere Deutschkurse absolviert, danach haben mir Kollegen und deutsche Freunde sehr geholfen, mit dieser schweren Sprache vertraut zu werden.“ Geholfen haben ihm auch Loriot-Hörspielkassetten: „Ich habe am Anfang gar nicht so auf den lustigen Inhalt geachtet, sondern mit Loriots feiner Sprache Deutsch gelernt.“ Seit 2016 arbeitet der ausgebildete Physiotherapeut am Universitätsklinikum Eppendorf. 2018 veröffentlichte er sein erstes Buch „Fern von Aleppo“, mit dem der 28-Jährige (in seiner Freizeit) auf Lesereise geht.

Am 22. Oktober ist er in Bergedorf im Haus im Park zu Gast. In Leseproben und im Gespräch mit dem Moderator und den Zuschauern wird der Wahl-Hamburger berichten, wie er im Alltag mit dem Kleidungsstil und dem Alkoholkonsum der Deutschen und ihrer starken Liebe zu Haustieren umgeht. Wie er auch im Ramadan Einladungen zum Essen meistert und was er persönlich unter „Kulturschock“ versteht. Beginn ist am Gräpelweg 8 um 19 Uhr. Eintritt frei.

Die Lesung gehört zur Veranstaltungsreihe „Tage des Exils“ und ist eine von 60 Veranstaltungen, die an 48 Orten Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenbringen wird. Zum dritten Mal finden vom 15. Oktober bis 16. November die „Tage des Exils“ in Hamburg statt. Erstmals initiiert und organisiert die Körber-Stiftung diese Reihe zu Exil, Flucht und Heimat gemeinsam mit verschiedenen Partnern: Infos und Programm unter tagedesexils.de.

Ein Höhepunkt der Veranstaltungsreihe ist die „Hamburger Rede zum Exil“, die in diesem Jahr der türkische Exil-Journalist und ehemalige Chefredakteur der Tageszeitung Cumhuriyet, Can Dündar, halten wird. Den musikalischen Part des Abends am 29. Oktober um 19.30 Uhr in der Elbphilharmonie übernimmt das Syrian Expat Philharmonic Orchestra, ein Zusammenschluss geflüchteter Musiker.

Schirmherr Abbas Khider lebt seit 18 Jahren in Deutschland im Exil. Unter dem Motto: „Zum DORT verflucht“ wird er über die Zerrissenheit von Menschen erzählen, die zwischen der Liebe zur alten Heimat und dem Wunsch nach Zugehörigkeit im Ankunftsland schwanken.

Auch Faisal Hamdo ist froh, dass er endlich in Demokratie und Freiheit lebt und nicht mehr ständig Angst haben muss. Mit ein bisschen Kopf und Herz bleibt er aber in Syrien: „Wenn ich von meiner Kindheit und meinen Eltern träume, träume ich in Arabisch. Wenn ich von der Arbeit und meinen jetzigen Freunden träume, sprechen die Traumgestalten Deutsch.“ Er habe viel Glück gehabt im Leben und sei sehr vielen Menschen dafür dankbar, sagt Hamdo. „Deswegen bin ich ein Sonntagskind.“