Mount Bental/Berlin.

Die iranische Herausforderung

Syrien Der Bürgerkrieg neigt sich dem Ende zu – Russland bietet an, den Einfluss von Teheran einzudämmen

Mount Bental/Berlin. Bis vor kurzem bot sich auf dem Mount Bental, der auf den von Israel besetzten Golanhöhen liegt, ein sonderbares Bild: Touristen und Ausflugsgäste beobachteten mit einer kalten Cola oder einem Eis in der Hand den Krieg. Explosionen, Rauchschwaden, zuletzt auch vorrückende Panzer oder bombardierende Jets – all dies spielte sich in wenigen Kilometern Entfernung ab.

Die Anhöhe westlich der Waffenstillstandslinie bietet einen unverstellten Blick auf Syrien. Bei klarem Himmel ist sogar Damaskus zu erkennen. Doch nun geht der Bürgerkrieg in diesem Teil des Landes zu Ende. Die Flagge der syrischen Regierung flattert seit vergangener Woche auch wieder in Quneitra, der Grenzstadt am Fuße des Mount Bental, die 2014 in die Hände der Rebellen gefallen war.

Etwa einen Monat nach Beginn der großen Südoffensive konnten Assads Verbände mit russischer Luftunterstützung den syrischen Teil der Golanhöhen wieder in Besitz nehmen. Die Widerstandskämpfer kapitulierten, viele wurden in die Region Idlib im Norden Syriens evakuiert. Geblieben ist nun nur noch ein kleines Widerstandsnest des lokalen Ablegers der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), der Armee Khalid ibn al-Walid, in der Nähe des Yarmouk-Flusses vor der jordanischen Grenze. Experten rechnen auch hier mit einem baldigen Ende der Kämpfe.

Erst in den vergangenen Wochen häuften sich die Zwischenfälle. Auf internationalen Druck hin evakuierte die israelische Armee Hunderte Zivilschutzaktivisten der syrischen Weißhelme vom Golan über israelisches Gebiet nach Jordanien. Gegen eine verirrte Rakete der Assad-Armee setzten die Israelis ihre Luftabwehr ein. Einen Sukhoi SU-24-Jet der syrischen Luftwaffe schossen sie vom Himmel, weil dieser zwei Kilometer weit in israelischen Luftraum eingedrungen war – angeblich ein Navigationsfehler. Dann landeten zwei Raketen im See Genezareth, abgeschossen von den Kämpfern eines Ablegers des „Islamischen Staates“. Israel bombardierte ihre Stellungen als Vergeltung.

Bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung setzen die Israelis nun vor allem auf Abschreckung. „Der Iran muss sich aus ganz Syrien zurückziehen“, fordert Netanjahu. Seine Regierung will nicht zulassen, dass der Mullah-Staat eine militärische Infrastruktur aufbaut, die weite Teile Israels bedrohen könnte. Experten gehen davon aus, dass rund 2000 Iraner und etwa 18 000 Mitglieder schiitischer Milizen in Syrien sind. In der israelischen Regierung wird betont, das Land dürfe kein zweiter Libanon werden.

Darüber hinaus drängen die Israelis Moskau, auf die Iraner einzuwirken. Deshalb reist Netanjahu immer wieder zu Putin. Am Montag der vergangenen Woche waren der russische Außenminister Sergej Lawrow und Generalstabschef Waleri Gerassimow in Jerusalem, um Netanjahus Regierung einen Deal anzubieten: Russland hält die Iraner – sowie Hisbollah und andere schiitische Milizen – 100 Kilometer von der Grenze fern, dafür akzeptiert Israel, dass Assad an der Macht bleibt. Zudem stoppt Jerusalem die Luftangriffe auf syrisches Gebiet.

Russlands Außenminister besuchte Kanzlerin Merkel

Lawrow und Gerassimow kamen am vergangenen Dienstag überraschend nach Berlin. Im Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) stellte das russische Duo den Plan einer Pufferzone zwischen Syrien und Israel vor. In deutschen Regierungskreisen hieß es, Moskau wolle offenbar den Einfluss der Iraner in Syrien begrenzen. Allerdings stelle man sich die Frage, wie weit der russische Einfluss tatsächlich reiche.

Nach Angaben des russischen Außenministeriums hatten Merkel und Lawrow auch darüber geredet, wie in Syrien die Bedingungen für die Rückkehr von Flüchtlingen geschaffen werden könnten. Israel lehnte das Angebot einer Pufferzone bereits ab. Begründung: Auch wenn die Russen Militärpolizisten auf den Golan schicken würden – wie angeboten –, bleibe ihre Verlässlichkeit zweifelhaft, hieß es in Jerusalem. Wie sollten sie iranische Kräfte oder schiitische Milizen überhaupt erkennen?