Bergedorf

Hamburgs Musik-Herz schlägt auch ganz im Osten

Club-Kultur Über 300 Konzerte pro Jahr in Bergedorf

Bergedorf. . Spätestens seit Anfang der 60er, als die Beatles ihre legendären Auftritte an der Großen Freiheit hatten, ist Hamburg auch international für seine Clubszene bekannt – und deren Herz schlägt rund um den Kiez. Wer an Livemusik und Konzertkultur in der Elbme-tropole denkt, dem kommt St. Pauli in den Sinn, die Schanze oder Altona, aber nicht Bergedorf – zu Unrecht.

Denn der Konzertkalender in Hamburgs östlichstem Bezirk muss sich keineswegs vor dem Angebot der Szeneviertel verstecken. Den Stadtteil Bergedorf durchzieht ein dichtes Netz an Clubs, Musikkneipen und Kulturzentren: Mit dem BeLaMi, dem Café Chrysander (Sound Yard), dem Happy Billard (Club am Donnerstag), dem Jazzclub, der Klangbar, der Lola, dem SerrahnEins und dem White Cube gibt es hier gleich acht Anlaufstellen, an denen regelmäßig Konzerte stattfinden – insgesamt mehr als 300 pro Jahr. „Fast schon ein Überangebot“, meint Stephan Erdmann, der seit vier Jahren den Club am Donnerstag (CaD) mitorganisiert.

Immer wieder gelingt es dem CaD-Team, auch international erfolgreiche Künstler wie zum Beispiel Patricia Vonne, Toby Beard oder David Grissom nach Bergedorf zu locken – keine Selbstverständlichkeit für einen Verein und ausschließlich ehrenamtlich tätige Idealisten. Denn: „Unterkunft, Verpflegung und Gage sowie ein gewisses technisches Niveau, was etwa die Soundanlage angeht, muss man solchen Künstlern schon bieten“, sagt Stephan Erdmann. Dass diese Voraussetzungen in Bergedorf gegeben sind, habe sich auch bei den Künstleragenturen herumgesprochen. „Mittlerweile kommen die manchmal sogar auf uns zu“, berichtet Erdmann.

Ein Stadtteil mit vielenkreativen Machern

Auch Holger Zetzsche kann bestätigen, dass Bergedorf beileibe kein blinder Fleck auf den Landkarten der Künstleragenturen ist. „Man muss niemandem erklären, wo Bergedorf ist, und gerade die Lola kennt man natürlich“, sagt der Booker des Kulturzentrums, in dem die Band Deichkind einst ihre ersten Auftritte hatte. Die lebendige Musikkultur im Stadtteil erklärt er sich so: „Hier gibt es offenbar viele Leute, die Lust haben, etwas zu entwickeln, kreativ zu sein, Konzerte zu organisieren. Es kommt nicht von ungefähr, dass hier das Wutzrock-Festival aus der Taufe gehoben wurde. Ein zweiter Punkt ist sicherlich, dass es in Bergedorf und Umgebung, beispielsweise in Reinbek, eine große Musikerszene gibt“, so Zetzsche – und die möchte natürlich vor Publikum spielen.

„Das Angebot ist für einen Stadtteil wie Bergedorf sehr groß, die Nachfrage allerdings auch. Die Menschen hier wissen Livemusik offenbar sehr zu schätzen“, meint Heiko Papke, der in der Klangbar im Suhrhof jedes Wochenende zu Konzerten einlädt. „Wir konzentrieren uns dabei auf Bands aus Hamburg und der Umgebung. Eigentlich hat hier jeder Veranstalter so seine eigene Ausrichtung, das ergänzt sich meistens ganz gut“, sagt der Gastronom und DJ.

Noch bis Ende Juli locken die 16. Bergedorfer Musiktage in die Region. Bergedorf ist aber nicht nur während dieser Konzertreihe im Frühsommer ein Hotspot für Livemusik – sondern das ganze Jahr über. Auch in dieser Woche gibt’s wieder einige Konzerte. Was, wann, wo – das erfahren Sie wie immer hier im Bille Wochenblatt.