Berlin/Wiesbaden.

Ein großer Schlag gegen die Mafia

Berlin/Wiesbaden.. Die Aktion hieß „Styx“ – wie der Fluss in der Unterwelt. Und in die Unterwelt sind sie eingetaucht, die italienischen Ermittler. Ihr Erfolg am Dienstag: 169 Festnahmen in Italien – und Deutschland. Ihnen allen wird eine Verbindung zur kalabrischen Mafiavereinigung ’Ndrangheta vorgeworfen.

Haftbefehle in vierBundesländern vollstreckt

Unter den jetzt Festgenommenen sollen Mitglieder des Clans Farao-Marincola aus der kalabrischen Gemeinde Cirò sein, aber auch italienische Regionalpolitiker und Geschäftsleute, die mit der Mafia kooperiert haben. Versuchter Mord, Erpressung, Geldwäsche und unlauterer Wettbewerb gehören laut Bundeskriminalamt zu den Strafvorwürfen.

Die in Deutschland „auf der Grundlage von EU-Haftbefehlen“ in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen festgenommenen elf Männer waren im Alter von 36 bis 61 Jahren.

Die jüngsten Festnahmen seien als besonders bedeutend anzusehen, sagt Sandro Mattioli, Journalist, Mafia-Experte und Vorsitzende des Berliner Vereins „Mafia? Nein danke!“ „Es sind durchaus wichtige Vertreter des Clans festgenommen worden.“

Die ’Ndrangheta ist wie die sizilianische Cosa Nostra und Neapels Camorra längst international aktiv. Sie habe beschlossen, Deutschland „als Investitionsfeld, als Rückzugsort“ zu sehen, schildert Mattioli. „Das funktioniert auch perfekt, weil die deutschen Gesetze leider nicht so beschaffen sind, dass die Mafia hier viel zu befürchten hätte.“ Die Gesetzgebung hinke der Mafia-Realität hinterher.

Der Farao-Marincola-Clan hat der italienischen Polizei zufolge in Deutschland das Geschäft mit Wein, Molkereiprodukten und Öl aus mafiatreuen Betrieben organisiert – soll heißen, Gastwirten ihre Ware überteuert aufgedrängt.

„Das eigentliche Problem in Deutschland ist, dass die Mafia im großen Stil Gelder investiert“, so Mattioli. In Norditalien habe man das für ein süditalienisches Problem gehalten und heute habe man dort Wirtschaftszweige, aus denen die Mafia nicht mehr rauszukriegen sei. Optimistischer klang es beim Bundesinnenminister. Thomas de Maizière (CDU) sagte, die Verhaftungen seien „ein wichtiger Erfolg gegen die Unterwanderung unserer Wirtschaft“.

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