Hamburg.

DAX steigt auf 12 400 Punkte

Börsenausblick 2017 Hamburger Banker sind überwiegend optimistisch – Evotec war 2016 beste Aktie

Hamburg..  Mitte Februar 2016 hätte wohl kaum jemand noch darauf gewettet, dass sich der Deutsche Aktienindex (DAX) bis Ende Dezember wieder in positives Terrain vorarbeiten könnte: In den ersten sechs Wochen des Jahres war der Leitindex um rund 2000 Punkte abgerutscht – der schlechteste Start in der Geschichte des Börsenbarometers. Sorgen über Chinas Konjunktur, der Ölpreisverfall und eine befürchtete Schwäche der Weltwirtschaft drückten die Kurse. Doch trotz des frühen Absturzes beschließt der DAX das Jahr im Plus – mittlerweile zum fünften Mal in Folge.

Zwar sei eine derartige Ballung von Jahren mit DAX-Gewinnen tatsächlich ungewöhnlich, sagt Bernd Schimmer, Chef-Investment-Stratege der Haspa, „aber man muss das in Relation zu den anderen Anlagemöglichkeiten sehen.“ Wie auch etliche seiner Kollegen in anderen Geldhäusern erwartet Schimmer, dass die Zinsen in Europa ultra-niedrig bleiben und Anleihen somit keine echte Alternative zu den Aktien darstellen. Anhand konservativer Bewertungsmodelle erachten die Haspa-Analysten ein DAX-Niveau von 11 500 Punkten für angemessen, zwischenzeitlich könnten aber im Jahr 2017 auch bis zu 12 400 Zähler erreicht werden.

Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse beim Bankhaus Donner & Reuschel, ist sogar besonders optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass der DAX zum Ende des kommenden Jahres 12 000 Punkte erreicht. Zwischenzeitlich kann es auch noch ein bisschen weiter nach oben gehen.“

Die Weltwirtschaft sei auf dem besten Weg, das stärkste Wachstum seit fünf Jahren zu erzielen, sagt Carsten Klude, Chefvolkswirt bei M.M.Warburg & CO. Und europäische Aktien seien im Unterschied zu vielen anderen Regionen vergleichsweise günstig bewertet: „Dies gilt insbesondere für den DAX mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa zwölf.“ Zudem verfügten gerade die deutschen Aktien über Aufholpotenzial, „denn die positiveren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der vergangenen Monate haben sich bislang noch nicht adäquat in den Kursen niedergeschlagen“, so Klude. Er hält zum Jahresende 2017 ein DAX-Niveau von 11 850 Punkten für erreichbar. Ganz ähnlich sieht es Dirk Wehmhöner, Co-Leiter Berenberg Wealth Management Deutschland: „Wir glauben, dass die europäischen Aktienmärkte immer noch Aufwärtspotenzial haben.“ Gemessen an den Bewertungen, die im langfristigen Durchschnitt lägen, seien keine Übertreibungen am Markt zu sehen. „Unsere DAX-Prognose zum Jahresende 2017 liegt bei 11 800 Punkten“, so Wehmhöner. Im Jahresverlauf seien aber auch Indexstände oberhalb von 12 000 Zählern wahrscheinlich.

Als Unsicherheitsfaktoren gelten mehrere Wahlen: In Frankreich findet am 23. April die Präsidentenwahl statt, in Italien wird möglicherweise ebenfalls eine neue Regierung gewählt, der 22. Oktober ist der Termin für die Bundestagswahl. Und im Januar wird US-Präsident Donald Trump ins Amt eingeführt. Ein Risiko könne sich zudem aus dem Bankensektor ergeben, sagte Wehmhöner: „Sollten einzelne Institute in eine Schieflage geraten – wie zuletzt in Italien –, kann das Probleme für andere Banken nach sich ziehen.“

Eher skeptisch für den Aktienmarkt ist Sönke Niefünd, Anlagestratege der Otto M. Schröder Bank. Er veranschlagt den DAX-Jahresendstand 2017 auf lediglich 11 300 bis 11 500 Punkte, was praktisch einer Seitwärtsbewegung entspräche. „Die Staatsverschuldung ist zwar derzeit nicht mehr das große Thema in den Medien, aber sie ist längst nicht überwunden“, sagt Niefünd. Nur: „Für Investoren, die eine Rendite erwirtschaften müssen, sind Aktien eigentlich alternativlos.“ Daher rät der Experte, jeweils in Schwächephasen des Marktes breit gestreut zuzukaufen. Auf seiner Kaufliste steht die Aktie des Versicherungskonzerns Allianz, die eine hervorragende Dividendenrendite von voraussichtlich 4,7 Prozent biete. Auch der Netzwerkausrüster Cisco Systems, Pharma-Anbieter Roche und Autobauer BMW seien interessante Werte für Anleger.

Im abgelaufenen Jahr zeigte unter den DAX-Titeln eindeutig die Aktie des Sportartikelkonzerns Adidas die auffälligste Entwicklung: Das Papier legte angesichts einer Folge sehr guter Quartalszahlen um mehr als 60 Prozent zu. Hingegen gehörten Titel der Deutschen Bank und der Commerzbank zu den Verlierern unter den Standardwerten: Beide Geldhäuser leiden unter der Nullzins-Politik der Europäischen Zentralbank, beide Aktien gaben um deutlich mehr als 20 Prozent nach.

Hamburger Börsenwerte schnitten diesmal deutlich schlechter ab als der Gesamtmarkt. So liegt der Haspax kurz vor dem Jahresultimo um gut drei Prozent im Minus. Dabei verloren Papiere des Windkraftanlagenbauers Nordex um fast 40 Prozent an Wert. Projektverzögerungen hatten dazu geführt, dass der Vorstand die Prognosen an das untere Ende der zuvor genannten Bandbreite anpassen musste, außerdem haben sich die politischen Rahmenbedingungen für die Windenergie nicht nur in Deutschland verschlechtert – Trump gilt als erklärter Gegner der Branche.

Die Aktie des Hamburger Brillenkönigs Fielmann, lange Zeit einer der Lieblinge der Anleger, hat auf Jahressicht um immerhin knapp neun Prozent nachgegeben. Eine Gewinnwarnung im Oktober schien Befürchtungen zu bestätigen, das Papier könne seinen bisherigen Status als „sicherer Hafen“ einbüßen.

Der Hafenkonzern HHLA legte zwar um 25 Prozent zu, unbestrittener Star unter den Hamburger Börsenwerten ist der Biotechnologie-Spezialist Evotec: Ein Plus von fast 80 Prozent auf Jahressicht ist selbst für ein Unternehmen aus dem TecDAX nicht an der Tagesordnung. Eine Kette guter Nachrichten, solide Zahlen und ein zuversichtlicher Ausblick auf 2017 hatten zu der außergewöhnlichen Wertentwicklung geführt. Daneben half Evotec – im Gegensatz zu Nordex – der Ausgang der US-Wahl: Trumps Gegnerin Hillary Clinton hatte sich für eine Deckelung der Medikamentenpreise in den USA stark gemacht.

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