Holzhaus-Konzept

Flexibel und schnell Flüchtlings-Unterkünfte schaffen

Innerhalb von drei Monaten können die in Geesthacht entwickelten Holzhäuser auf jedem beliebigen Grundstück aufgebaut werden.

Innerhalb von drei Monaten können die in Geesthacht entwickelten Holzhäuser auf jedem beliebigen Grundstück aufgebaut werden.

Foto: Kai Gerullis / BGZ

Geesthacht.Fünf Unternehmen planen modulare Unterkünfte für Flüchtlinge. Die Holzhäuser sollen rasch verfügbar und nachhaltig nutzbar sein.

Geesthacht.  Sie sollen kostengünstig, flexibel und vor allem sofort verfügbar sein. Die Nachfrage nach Unterkunftsmöglichkeiten für Flüchtlinge ist groß – doch das Angebot wird knapper und die Preise für Container steigen. Eine Kooperation von fünf Geesthachter Firmen hat jetzt auf Initiative der Firma Krey Holzbau ein modulares Holzhaus-Konzept entwickelt, mit dem innerhalb von drei Monaten in Holzbauweise Flüchtlingsunterkünfte völlig flexibel auf jede Art von Grundstück gebaut werden können.

„Ein Grundgedanke war, die Flüchtlinge nicht zu stigmatisieren, wie es beispielsweise durch eine Unterbringung in Containern geschieht“, sagt der Geesthachter Architekt Attila Cinar, der das Konzept gemeinsam mit der Firma Krey, der Firma Rudeuco-Rudolz Heizungstechnik sowie einem Statiker und einem CAD-Konstrukteur entwickelt hat und es zuletzt im Sozialausschuss präsentierte. „Unsere Häuser erlauben eine flexible Fassadengestaltung mit Putz oder Plattenwerkstoffen. Auch bei den Dächern ist alles vom Flachdach bis zum Pultdach möglich. So können die Unterkünfte ohne zusätzlichen Aufwand der Umgebung angepasst werden“, sagt Cinar, der auch als Dozent an der HafenCity Universität arbeitet. Die Holzhäuser lassen sich ein- oder zweistöckig aufbauen, die Raumaufteilung kann dem Bedarf angepasst werden.

Herbergscharakter erlaubt Privatsphäre

„Wir verfolgen mit dem Konzept einen Herbergscharakter. Nur so können wir Privatsphäre bieten“, sagt Cinar. Da auch beim Schall- und Brandschutz hohe Anforderungen erfüllt werden, könnten die Gebäude später als Wohnungen oder Gemeinschaftseinrichtungen verwendet werden – bei Bedarf sogar an einem anderen Standort.

Derzeit warten die Firmen noch auf ein Zertifikat des Innenministeriums, das einen Wettbewerb für Unterkünfte aus Holz ausgeschrieben hatte. „Wir könnten bei einem Auftrag aber schon jetzt sofort loslegen“, sagt der Architekt.

Minge plädiert für Wohnraum-Ausschuss

„Ich halte das Konzept für sehr interessant, weil es uns Möglichkeiten der Nachnutzung von Unterkünften eröffnet – beispielsweise als Kita“, sagt der Vorsitzende des Sozialausschusses, Hartmuth Döpke (SPD). Er regte an, eine Arbeitsgruppe zu gründen, die einen Masterplan für die künftige Flüchtlingsunterbringung erarbeitet und weitere Angebote einholt. Seinem Stellvertreter Sven Minge (CDU) geht dies indes nicht schnell genug. „Das Problem ist so akut, da müssen wir die Entscheidungswege beschleunigen. Ich plädiere deshalb dafür, einen eigenen Wohnraum-Ausschuss zu gründen, in dem die Kompetenzen aus Bau-, Planungs- und Sozialausschuss gebündelt werden könnten.“

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