Radwegekonzept

So soll Glinde fahrradfreundlicher werden

Laut Brigitte Mattigkeit das größte Ärgernis in Glinde: die Mühlenstraße. Hier ist es ist viel zu eng.

Laut Brigitte Mattigkeit das größte Ärgernis in Glinde: die Mühlenstraße. Hier ist es ist viel zu eng.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Brigitte Mattigkeit vom ADFC benennt gefährliche Ecken. Die Stadt bereitet Verbesserungen vor, um fahrradfreundlicher zu werden.

Glinde. In Sachen Fahrradfreundlichkeit muss Glinde noch einige Hausaufgaben erledigen. Doch das ist der Verwaltung ebenso wie der Politik bewusst. Vor Kurzem wurde erst das Radwegekonzept beschlossen. Mehrere Zehntausend Euro ließ sich die Stadt die Erstellung des Konzeptes durch das Planungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp kosten.

In den kommenden zehn bis 15 Jahren will die Stadt von dem Konzept zehren, erklärte Bürgermeister Rainhard Zug jüngst. Aktuell bereiten die Mitarbeiter im Tiefbauamt erste Vorschläge für die Verbesserung des Radwegenetzes vor, die der Politik zum Beschluss vorgestellt werden. Dabei wird es sich wohl erst einmal um kleinere Maßnahmen handeln, wie Zug im Gespräch mit unserer Zeitung sagte.

Ein Problem in Glinde sind die Zweirichtungsradwege

Genau um diese vielen kleinen Schwachpunkte geht es auch, wie Brigitte Mattigkeit, Vorsitzende der ADFC-Gruppe Glinde, erläutert. Denn der war an dem Radwegekonzept, das als Ideenkatalog für Verwaltung und Politik dient, auch beteiligt. Sie kennt die Wege der Stadt in- und auswendig, macht alle Erledigungen nur mit dem Rad. Ein großes Problem, so Mattigkeit, sind in Glinde die Zweirichtungsradwege, die auch das Planungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp bemängelt.

An vielen Punkten müsste sofort etwas getan werden – und die wäre auch schnell erledigt, mahnt Brigitte Mattigkeit. Die wohl größte Schwachstelle in der Stadt sei aber wohl die Mühlenstraße. Hier ist es viel zu eng, findet sie. Und zudem parken auch noch Autos am Straßenrand. „Häufig drängen sich andere Autofahrer an den Parkenden vorbei, obwohl Radfahrer entgegenkommen und sie warten müssten“, ärgert sich die Glinderin. Eine Lösung könnte eine Fahrradzone sein, wie es sie beispielsweise in Bremen gibt. Radlern hätten dann Vorrang.

Während der Tour durch die Mühlenstraße kommt Rainer Aichele (78) aus Grömitz angeradelt und fragt nach dem Weg. Er ärgert sich über die Beschilderung für Radfahrer, steht immer wieder ratlos vor Kreuzungen, auch in Glinde. „Die Wegweisung müsste von Ortsfremden gemacht werden“, regt er an und radelt weiter.

Kreuzung Avenue/Oher Weg: Hier fehlt ein Schild für Radler

An der Kreuzung Avenue St. Sebastien/Oher Weg in Richtung Avenue fehlt ein Schild für Radfahrer. Brigitte Mattigkeit bemängelt, viele fahren hier kreuz und quer, auch gern auf der linken Seite. Sie selbst ist auf der Straße unterwegs. Und das ist auch erlaubt, da kein Schild die Radler anweist, auf die Seitenstreifen auszuweichen. „Viele Autofahrer wissen nicht, dass Radler auf der Straße fahren dürfen und hupen dann“, erklärt Mattigkeit. Dennoch fühlt die Vorsitzende der ADFC-Ortsgruppe sich sicherer auf der Straße. Sie ermutigt andere Radler, es ihr gleichzutun. So sei auch der Papendieker Redder bis zum Willinghusener Weg gut befahrbar. Auf dem benachbarten Gehweg ist Radeln aber auch erlaubt.

ADFC setzt auf das neue Ortsmittenkonzept

Für das Fahren auf der Straße rät sie, Radler sollten sich nicht an den rechten Fahrbahnrand drängen lassen. „Autofahrer unterschätzen die Entfernung zu Radfahrern oft. Ich fahre mitten auf der Fahrbahn“, so Mattigkeit. Zumal viele Radwege, beispielsweise am Oher Weg, ohnehin viel zu eng seien. Mattigkeit weist hier auf das Ortsmittenkonzept in Glinde hin, wonach diese Straße noch verschmälert werden soll. Vom Radfahren auf der Fahrbahn der Möllner Landstraße rät Mattigkeit allerdings eindringlich ab. Das sei dort zu gefährlich.

Beim Mühlencenter an der Möllner Landstraße hat es lange Zeit ein „Vorfahrt gewähren“-Schild für Autofahrer gegeben, die den Parkplatz verlassen wollen. Das ist jetzt weg. Ob das die Situation noch gefährlicher macht? Auch als das Schild noch dort gestanden hatte, war diese Stelle ein Ärgernis für Fußgänger und Radler. Der Glinder Wolfgang Rössing (74) hält an und erklärt: „Es ist ein Knotenpunkt, der gefährlich ist. Autofahrer setzen oft vor bis auf den Gehweg.“ Zu oft würden Autofahrer die Radler und Fußgänger erst spät sehen. Mattigkeit wünscht sich hier eine Haltelinie und ein Stopp-Schild für die Autofahrer und einen roten Streifen für Radler mit Piktogramm.

Zweirichtungswege sind in Glinde ein großes Problem

Ein großes Problem, so Mattigkeit, sind in Glinde Zweirichtungswege, die auch das Planungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp bemängelt hat. So am Holstenkamp. „Hier stehen an beiden Seiten ,Fahrrad frei’-Schilder. Das ist irritierend. Tatsächlich wird auch auf beiden Seiten und in beide Richtungen gefahren“, berichtet Mattigkeit. Doch für Gegenverkehr ist der Weg viel zu eng. Tatsächlich ist am Holstenkamp ohnehin die offizielle Planung, eine Tempo-30-Zone einzuführen. Die Geschwindigkeit ist bereits begrenzt, aber für die Zone muss noch der Parkstreifen bei der Schule ausgebaut werden. Auch die Straße wird verschwenkt. Die Radwege verschwinden dann und die Radler müssen ohnehin auf die Fahrbahn wechseln.

Ebenfalls am Holstenkamp, weiter hinunter in Richtung Avenue, kommt ein Straßenschild ganz unscheinbar daher. Brigitte Mattigkeit muss die Äste beiseite schieben, damit überhaupt etwas erkennbar ist. Das Schild, das Radler darauf hinweist, dass dort ihr Weg auf dem Seitenstreifen endet, ist komplett zugewachsen. „Ein Unding“, findet Mattigkeit: „Entweder die Radler sehen gar nicht, dass sie den Gehweg von dort an nicht mehr nutzen dürfen, oder sie sehen es zu spät.“

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