Illegaler Tierhandel

Polizei fasst Welpen-Verkäuferin in Glinde

Die in Glinde festgenommene Frau ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Sie war auf eine Mitarbeiterin des Hamburger Tierschutzvereins losgegangen.

Die in Glinde festgenommene Frau ist inzwischen wieder auf freiem Fuß. Sie war auf eine Mitarbeiterin des Hamburger Tierschutzvereins losgegangen.

Foto: Michael Arning

Tierschützer geben sich als Käufer aus und werden dabei von Amtsveterinärin und Glinder Polizisten unterstützt. Die Fälle häufen sich.

Glinde.  Diese Fahrt nach Glinde hätte sich die 25 Jahre alte Hamburgerin besser verkniffen: Als sie einen über E-Bay-Kleinanzeigen angebotenen Welpen an die angebliche Käuferin übergeben wollte, nahm die zwar den Hund, rückte aber kein Geld heraus. Als die Hamburgerin tätlich wurde, sah sie sich mehreren Frauen gegenüber. Die Mitarbeiterin des Hamburger Tierschutzvereins hatte Kolleginnen zur Verstärkung mitgebracht, eine Stormarner Amtstierärztin und Glinder Polizisten eilten zur Hilfe.

„Als ich sagte, der Hund bleibt hier, gefror der Frau ihr Lächeln“, berichtet die Amtstierärztin Verena Schneider (Name geändert). Die Frau habe um sich geschlagen und versucht, den Hund wieder an sich zu bringen, scheiterte jedoch. Ob der Übermacht flüchtete sie ohne Welpen. Nach kurzer Verfolgungsjagd konnte sie in der Glinder Postannahme festgenommen werden.

Illegaler Welpenhandel in Glinde – Frau wieder auf freiem Fuß

Sie ist nach Feststellung der Personalien wieder auf freiem Fuß. Dabei soll sie bei der Polizei falsche Angaben gemacht haben. Ihr ist kein allzu lukratives Geschäft durch die Lappen gegangen. Nach Kenntnis des Hamburger Tierschutzvereins arbeiten etwa 15 meist junge Menschen als Verkäufer für den in Billstedt ansässigen Hundehändler, der selbst keine Tiere halten darf. Sie sollen für den Verkauf jeweils 50 Euro erhalten. Die Käufer dagegen zahlen 800 bis 1000 Euro für Welpen, von denen die Mehrzahl krank ist, mehr als die Hälfte nach wenigen Tagen qualvoll stirbt. Die kranken Welpen, die Amtstierärzte, Polizei und Hamburgs Hundekontrolldienst beschlagnahmen, füllen längst Tierkliniken und Arztpraxen.

„Für das in Glinde beschlagnahmte Tier konnten wir einfach keinen Platz finden in einer Tierklinik“, bestätigt Sina Hanke vom Hamburger Tierschutzverein. Viele hätten bereits Welpen aufgenommen und behandelt. „Der nächste freie Platz wäre in der Tiermedizin Hannover gewesen, bis dahin wäre der Welpe tot gewesen.“ Er hat dank rascher Behandlung überlebt.

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Dass so viele der meist aus Polen stammenden Welpen krank sind, hat mehrere Gründe. Viele sind gar nicht oder unzureichend geimpft. Nach deutschem Tierschutzrecht dürften sie zudem frühestens nach acht Wochen von der Mutter getrennt werden, nicht schon nach fünf bis sechs Wochen. Ein Grund: Je jünger die Welpen bei der Trennung sind, desto schwächer ist ihr eigenes Immunsystem entwickelt.

Extrem junge Hunde haben ein nur schwach entwickeltes Immunsystem

Hunde aus Polen dürften sogar erst drei Monate nach ihrer Geburt nach Deutschland eingeführt werden,

sagt Verena Schneider: „Die für sie vorgeschriebene Tollwutimpfung darf frühestens nach zwölf Wochen erfolgen.“ Die Amtsveterinärin stellt sich dem Kampf gegen die Qualen dieses Hundehandels. Obwohl sie und die Tierschützer wissen, dass sie auch gemeinsam das Übel nicht werden abstellen können. Hanke: „Solang es Käufer gibt, die Hunde ungeklärter Herkunft auf E-Bay kaufen, wird diese Quälerei nicht enden.“

Weil der Händler seinen Wohnsitz in Billstedt hat, sind die Polizei Hamburg beziehungsweise das Bezirksamt-Mitte zuständig. „Wir sind nur für die Verfolgung von Straftaten zuständig. Das Halteverbot durchzusetzen, ist Aufgabe des Bezirksamtes“, sagt Polizeisprecher Daniel Ritterskamp. Immerhin liegen zur Causa Welpenhandel inzwischen ein gutes halbes Dutzend Fälle bei der Staatsanwaltschaft Hamburg – allein aus dem Jahr 2020.

Lesen Sie hier die Hauptgeschichte "Illegaler Handel mit todkranken Welpen boomt".