Großeinsatz

13 Feuerwehren verhindern Katastrophe in Barsbüttel

Ein Großfeuer hat in Barsbüttel eine große Halle und angrenzende Büros vernichtet.

Ein Großfeuer hat in Barsbüttel eine große Halle und angrenzende Büros vernichtet.

Foto: Christoph Leimig, / Christoph Leimig

In der Nacht zum Sonntag brach im Gewerbegebiet Barsbüttel aus. Die Schadenshöhe könnte in die Millionen gehen.

Barsbüttel. Ein Großfeuer hat im Gewerbegebiet an der Autobahn 1 in der Nacht auf Sonntag einen Schaden in voraussichtlich siebenstelliger Höhe verursacht. Trotz Einsatz von gut 200 Feuerwehrleuten aus 13 freiwilligen Wehren, des Löschzugs Gefahrgut des Kreises Stormarn sowie Unterstützung der Hamburger Berufsfeuerwehr wurden ein Hallen- und Gewerbetrakt durch den Brand weitgehend vernichtet.

Gut 200 Feuerwehrleute im Einsatz

Sonntagnachmittags liegt noch beißender Brandgeruch über dem Areal. 15 Stunden nach Auslösen des Alarms steigt weiter Rauch auf. Kräfte des Technischen Hilfswerks haben qualmendes Lagergut auseinandergezogen, Retter der Freiwilligen Feuerwehr Trittau übernehmen die Nachlöscharbeiten.

Von einem Dach und einem Seiteneingang aus pumpen sie Wasser in Büro- und Lagerräume. Die Wände sind vollkommen verrußt, im Löschwasser schwimmen Aktenordner und Mobiliar.

Ein Bild der Verwüstung

Auch draußen bietet sich ein Bild der Zerstörung. An der Straße geparkte Autos sind verrußt, manche durch die Hitze deformiert. Ein Stück weiter liegen Reste von verbranntem Dämmmaterial neben leeren Kaffeebechern.

Nach der Alarmierung um 22.24 Uhr waren die ersten Barsbütteler Feuerwehrleute schnell am Einsatzort. Da stand jedoch die große Lagerhalle bereits in hellen Flammen.

„Zu diesem Zeitpunkt schlugen die Flammen schon meterhoch aus dem Dach der 20 mal 40 Meter großen Halle“, berichtet Einsatzleiter Frank Becker, Gemeindewehrführer der FF Barsbüttel. Schnell ist klar, dass die vier Barsbütteler Ortswehren den Brand allein nicht unter Kontrolle bringen können.

Barsbütteler Feuerwehr ruft Verstärkung

Umgehend werden Einsatzkräfte nachalarmiert. „Am Ende waren insgesamt 13 Feuerwehren beteiligt“, so Jens Lahann von der Einsatzleitstelle Bad Oldesloe. Hinzukamen der Löschzug Gefahrgut des Kreises und der Umweltdienst der Berufsfeuerwehr Hamburg.

Am Morgen wurden Wehren durch nachalarmierte Feuerwehren ersetzt. Der langwierige Löscheinsatz unter schwerem Atemschutz forderte die Retter bis an ihre Grenzen.

Explosionen im Sielnetz

Explosionen durch in die Kanalisation geflossene Lösungsmittel gefährdeten Retter wie Polizisten. Wie wichtig der Atemschutz war, zeigten Schadstoffmessungen am Brandort. In den Hallen hatten Reinigungsmittel und Harze gelagert.

Der Rauch ist in der Nacht bis Rahlstedt, Wandsbek und Tonndorf gezogen. Die Menschen in dem Gebiet werden aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Fenster und Türen geschlossen halten

Nach derzeitigen Erkenntnissen sind fünf Unternehmen von dem Feuer betroffen. Über die Höhe des Gesamtschadens lasse sich derzeit nichts sagen, „das wird sich erst in den kommenden Tagen klären lassen“, sagt Jens Lahann, Einsatzleitstelle Bad Oldesloe.

Noch in der Nacht sind neben Polizeibeamten aus Südstormarn auch Kripobeamte aus Lübeck nach Barsbüttel geeilt. Sie können ihre Arbeit aber erst am Montag aufnehmen, so ein Polizeisprecher Einen Innenangriff auf das Flammenmeer hatte die Feuerwehr rasch verworfen: Die Halle galt als einsturzgefährdet, in der Nacht ist dann ein Teil des Daches eingebrochen.

Explosion verletzt zwei Retter

Bei dem Einsatz im Gewerbe- und Industriegebiet an der Autobahn 1 sind drei Retter verletzt worden. Eine Frau und ein Mann sind nach Augenzeugenberichten infolge einer Explosion „von Teilen eines herausgesprengten Außentores getroffen worden“. Sie erlitten zum Glück nur leichte Blessuren.

Bis Sonntagnachmittag waren fast 200 Feuerwehrleute aller Barsbütteler Wehren sowie von Nachbarwehren aus Großhansdorf, Glinde, Oststeinbek, selbst Ahrensburg und weiterer freiwilliger Feuerwehren im Einsatz gewesen.

Gefahrgutzug und Berufsfeuerwehr

Der Feuerschein war in der Nacht über mehr als zehn Kilometer zu sehen, die Rauchschwaden breiteten sich unter anderem über Rahlstedt, Tonndorf und Teile Wandsbeks aus. Der Brandgeruch war sogar in Norderstedt noch wahrzunehmen.

In Barsbüttel gelangte brennende Flüssigkeit in die Kanalisation. Einsatzkräfte gerieten in Gefahr, weil plötzlich Stichflammen aus dem Kanalnetz schossen.

Stichflammen aus dem Kanalnetz

Schließlich erreichte das Feuer auf diesem Weg auch ein Firmengelände in etwa 150 Meter Entfernung. Während die Feuerwehr die Situation hier in den Begriff bekam, bevor größerer Schaden entstand, bricht die in Flammen steheende große Halle in Teilen ein. Neben einem Elektrounternehmen zählt dazu auch ein Betrieb, der etwa Kfz mit Folien versieht.

Einen Sportwagen hatten die Retter in der Nacht noch aus der brennenden Halle ziehen können. Die Besitzerin wollte ihn diese Woche wieder abholen. Wie weit der Flitzer rußgeschwärzte Toyota Schaden genommen hat, ist noch ungewiss.

Kripo übernimmt die Ermittlungen

Auch zur Schadenshöhe und zur Brandursache gibt es derzeit keine sicheren Erkenntnisse. Neben Polizeibeamten aus Barsbüttel und Nachbarstädten sind auch Kripobeamte aus Lübeck nach Südstormarn geeilt.