Schweinezucht

Seinen Delikatessen auf vier Beinen geht es saugut

Wenn Michael Lüders seinen Zuchteber krault, lässt der sich das entspannt gefallen. Tamm

Wenn Michael Lüders seinen Zuchteber krault, lässt der sich das entspannt gefallen. Tamm

Foto: Susanne Tamm

Michael Lüders, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Havighorst, und seine Familie züchten die schmackhaften Vierbeiner für den Eigenbedarf.

Havighorst. Seine Schweine fühlen sich wohl bei Michael Lüders – auch wenn sie kein Streichelzoo, sondern eher Delikatessen auf vier Beinen für ihn sind. „Da kommt er ja“, stellt der 35-Jährige Hobbyzüchter seinen Zuchteber vor. Mangels Namen fällt dies allerdings anonym aus. Keines seiner zurzeit vier Schweine hat einen Namen. „Das käme mir doch seltsam vor, wenn sie wegkommen“, sagt der 35-Jährige, den viele als Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr kennen oder als Hausmeister der Gemeinde, seinem Hauptberuf.

Mit „wegkommen“ meint er, dass sie am Ende ihres kurzen Schweinelebens mit etwa neun Monaten zur Landschlachterei nach Schönberg kommen. Dort werden sie fachgerecht geschlachtet, zerteilt und dann kommt alles zurück auf den Hof Lüders an der Ziegeleistraße. Die Schweine züchte die Familie allein für den Eigenbedarf. Auch Lüders’ Schwiegereltern betreiben im Nebenerwerb Landwirtschaft. Früher haben sie auch hauptberuflich Schweine gezüchtet.

Niedriger Elektrodraht als Zaun

Der bald 300 Kilogramm schwere Eber hebt während unseres Gesprächs aufmerksam den Kopf, streckt die beringte Nase hoch, was ihn nicht daran hindert, sich hingebungsvoll an dem kleinen Baum im Gehege zu schubbern. Das wird auf zwei Seiten allein von einem niedrigen Elektrodraht begrenzt.

„Das lernen sie schon als Ferkel“, erläutert Michael Lüders’ Frau Yvonne. „Zuerst rennen sie noch drunter durch, aber wenn sie wachsen und mit dem Rücken das Metall berühren, brizzelt es. Danach bleiben sie lieber hinter dem Draht.“ Ansonsten dürfen die Schweine in ihren Stall hinein- und wieder herauslaufen, wie sie mögen.

Zuerst an Galloway-Zucht gedacht

Vor gut drei Jahren hatte Michael Lüders überlegt, in die Tierhaltung einzusteigen. Seine Schwiegereltern züchten Geflügel für den Eigenbedarf, seine Frau Yvonne hält ihre eigenen Reitpferde. „Zuerst hatte ich an Galloways gedacht, aber meine Frau hatte Angst um ihre Pferde“, erzählt der 35-Jährige. Sie räumt ein: „Ich mag keine Kühe. Die sind so unberechenbar. Schweine tun nichts.“ So kaufte er sich vor dreieinhalb Jahre zuerst zwei Sauen und einen Börge, einen kastrierten Eber. „Als ich die Sauen besamen lassen wollte, stellte sich heraus, dass das in unserer Gegend nicht so einfach ist“, berichtet Michael Lüders. So kaufte er vor knapp zwei Jahren den Eber im Alter von acht Monaten. „Sein Rallye-Streifen gefiel mir sofort“, erinnert sich der Hobby-Züchter. Die hellen, breiten Streifen um den Bauch sind typisch für die Angler Sattelschweine.

„Die Sau ist eine Bentheimerin“, erzählt Lüders. Zurzeit laufen noch zwei „Halbstarke“ an ihrer Seite. Sie dürfen noch mindestens bis August bleiben und sich nach Herzenslust im Matsch und in den Pfützen suhlen. „Das finden sie klasse“, sagt Lüders. Etwa jedes dreiviertel Jahr wirft die Sau Ferkel, nicht öfter. „Sie soll keine Maschine sein.“ Wenn er Filme über Buchtenhaltung sieht, wird ihm ganz anders. „Die stehen dort nur auf Plastikmatten, unsere haben es doch sehr gut.“

„Männerfleisch“ für Freunde an Grillabenden

Er ist überzeugt, dass sich das geschmacklich auszahlt. „Unsere Freunde kommen gern zu uns zum Grillen“, sagt er grinsend. „Denn bei uns gibt es gut durchwachsenes ‘Männerfleisch’.“ Einige Gäste, die ihre Koteletts schon als Ferkel kennengelernt haben, rühren das Fleisch allerdings nicht an, erzählt das Paar. Bei den ersten Ferkeln sei dies auch für ihn komisch gewesen, sagt ihr Züchter. „Mir wurde nachgesagt, ich würde sie verhätscheln. Ich hätte am liebsten jeden Tag ausgemistet und nicht mehr aufgehört, Kartoffeln zu kochen, weil die die rohen noch nicht kannten.“ Fest steht für ihn: Seine Schweine sollen es saugut haben.