Humanitäre Hilfe

Oststeinbeker Verein: Die Not in Afghanistan wächst

Ein alte Frau hat Lebensmittel bekommen, die der Verein auf dem Gelände des Bezirksgouverneurs in Andchoi verteilt.

Ein alte Frau hat Lebensmittel bekommen, die der Verein auf dem Gelände des Bezirksgouverneurs in Andchoi verteilt.

Foto: Afghanistan-Schulen e.V. / BGZ

Marga Flader und ihr Verein „Afghanistan-Schulen“ weisen auf die besondere Dramatik des Coronavirus in dem Land hin. Spenden helfen.

Oststeinbek. Bereits im April hatte der Verein Afghanistan-Schulen dazu aufgerufen, für die Menschen in der Region Andchoi im Norden des Landes zu spenden. Die Vereinsvorsitzende Marga Flader steht regelmäßig in Kontakt mit ihren Mitarbeitern und Bekannten vor Ort und berichtet: „Anfangs haben wir auf das Problem der drastisch steigenden Lebensmittelpreise hingewiesen, jetzt ist das Virus akut da. Es hat eine ganz andere Dramatik in einem Land, in dem es kein funktionierendes Gesundheitssystem gibt“, schildert Marga Flader. „Wenn wir weiter Spenden erhalten, können wir auch weiter helfen. Unsere Teams sind bereit dazu.“

An die 200 Familien konnte der Verein nach dem Spendenaufruf im April mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln versorgen. 27.000 Euro waren allein für die Corona-Nothilfe zusammengekommen. Das Team des Vereins verteilte im Mai und im Juni in Andchoi und Masar-e Scharif Mehl, Reis, Bohnen, Speiseöl, Tomatenmark, Nudeln, Suppenpulver und Vitamin-C-Getränkepulver sowie Masken und Seife.

Täglich gehen erschreckende Nachrichten in Oststeinbek ein

Den Kontakt zu den Menschen vor Ort hält Marga Flader per Videochat, per E-Mail und per Smartphone aufrecht. Erschreckende Nachrichten erreichen die engagierte Oststeinbekerin täglich. Von erkrankten Menschen, die sich Sauerstoffflaschen für eine Beatmung für Hunderte Euro selbst kaufen müssen, von fehlendem Fachpersonal und mangelndem Vertrauen in die Krankenhäuser, von Medikamentenpreisen, die in den Apotheken um 50 Prozent und mehr steigen, von steigender Armut und Kriminalität. „Ich mache mir große Sorgen um die Menschen in Afghanistan“, sagt Marga Flader. „Entweder sie bleiben gesund, oder sie sterben.“ Seit Ende des Fastenmonats Ramadan am 23. Mai steigen die Zahlen der Corona-Infizierten und der Toten drastisch an.

Flader wollte eigentlich im September an vorderster Front helfen. Eine Reise des Vereins in den Norden Afghanistans musste bereits im Frühjahr abgeblasen werden, nun strich der Verein auch den Flug im Herbst schweren Herzens. Glücklicherweise hat Flader in den vergangenen Jahrzehnten ein breites Netz an Unterstützern gesponnen, auf die sie sich verlassen kann.

Verein ist seit mehr als 30 Jahren aktiv

So laufen auch seit gut drei Wochen Bauarbeiten an einer Schule in Masar-e Scharif. „Seit 2017 versuchten wir, die Mittel für ein Schulgebäude für die Iman Hussain Schule in Masar-e Scharif zu erhalten. 1440 Jungen und Mädchen werden in gemieteten Räumen und im Freien unterrichtet“, erklärt Flader. Der Schulbau wird durch Spenden aus Deutschland und durch Fördermittel finanziert.

Der Verein Afghanistan-Schulen unterstützt seit mehr als 30 Jahren beim Bau von Schulen vor Ort und betreibt eigene Bildungseinrichtungen wie etwa Frauen- und Ausbildungszentren mit gut 2000 Schülern. Der Verein versucht, alle Mitarbeitenden weiter zu beschäftigen. „So etwas wie Kurzarbeit gibt es dort nicht“, sagt Flader. Einige Lehrer würden jetzt Videos produzieren oder per Smartphone Kontakt zu Schülern halten. 80 Prozent ihres Gehalts erhalten sie weiterhin, so Flader. Die Schulen in Afghanistan sind bis September geschlossen.

Spenden gehen an Afghanistan-Schulen e. V. (EthikBank, IBAN: DE71 8309 4495 0103 0410 50). Marga Flader weist darauf hin, dass im Verwendungszweck das Stichwort ,Corona’ auftauchen sollte. Nur so könne der Verein die Spende auch zweckgebunden für den Kauf von Nahrungsmitteln, Masken und Seife verwenden. „Weitere Hilfe ist nötig, es sind so viele Menschen in Not“, sagt Marga Flader.