Glinde

Aktive Nachbarschaftshilfe leisten, wenn es nebenan kracht

Kerstin Schoneboom (links) und Julia Eckert werben am Stand in der Passage um Mitstreiterinnen gegen häusliche Gewalt.

Kerstin Schoneboom (links) und Julia Eckert werben am Stand in der Passage um Mitstreiterinnen gegen häusliche Gewalt.

Foto: Barbara Schult

Projekt „Stadt ohne Partnergewalt“ will Aufmerksamkeit schaffen und Betroffenen helfen. Info-Stand am 20. Juni in der Marktpassage.

Glinde. „Männer schlagen zu, wenn sie wollen. Da kann man sowieso nichts machen“, sagt eine Passantin zu dem Projekt „StoP Stadt ohne Partnergewalt“. Doch nicht alle, die am Stand, den Projektkoordinatorin Julia Eckert auf dem Glinder Wochenmarkt aufgebaut hat, vorbeigehen, reagieren so resigniert und negativ. „Ich wollte ohnehin gerade politisch aktiv werden“, sagt eine andere Frau und nimmt sich Informationsmaterial mit. Sie könnte eine der Nachbarschaftshelfer werden, von denen in Glinde noch viele gebraucht werden.

Gewalt in der Partnerschaft zu vermeiden oder zumindest aktiv zu werden, wenn man sie bemerkt, beispielsweise, wenn ein allzu lauter Streit zu hören ist – das ist das Ziel von StoP. Mit diesem Projekt will Julia Eckert Nachbarn zusammenbringen und darüber aufklären, was Betroffene tun könnten, wo es Hilfe gibt. Lange Zeit war aber auch StoP durch die Corona-Krise ausgebremst. Nun möchte Julia Eckert das Vorhaben wieder mehr in das Bewusstsein der Glinder und Glinderinnen rücken.

Unterstützung von Glindes Gleichstellungsbeauftragten

An ihrem Marktstand lud sie zudem zu einer Postkartenaktion ein. „Frauen stärken Frauen“ ist das Motto unter dem sich Interessierte eine – bereits frankierte – Karte aussuchen konnten. Die sollen sie an eine Bekannte, Freundin oder Verwandte schreiben, die sich über eine Aufmerksamkeit freut, vielleicht weil sie jetzt keinen Besuch bekommt. Die Motive auf den Karten stammen aus dem Buch „Good Night Stories for rebel Girls“. Julia Eckert legt es jedem ans Herz: „Das ist ein Buch, das ich empfehlen kann“, sagt sie. „Ich schätze es sehr.“ Die Idee zu der Aktion hat sie begeistert von einer anderen StoP-Koordinatorin übernommen.

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Unterstützung bekommt Julia Eckert von Glindes Gleichstellungsbeauftragten Kerstin Schoneboom. „Das ist ein wichtiger Schritt, um wieder Kontakt aufzunehmen“, lobt Schoneboom die Aktion. „Partnergewalt ist ein wichtiges Thema – gerade während der Corona-Krise.“ Es sei zu befürchten, dass gewalttätige Auseinandersetzungen in Partnerschaften während der Pandemie beträchtlich zugenommen haben, während die sozialen Kontakte außerhalb der Familie fehlten. „Es ist sicher erheblich mehr geworden – nur wir bekommen es nicht mit.“ Mit Zahlen lasse sich dies allerdings nicht belegen.

Info-Stand am 20. Juni in der Marktpassage

Die Zahl der hilfesuchenden Frauen ging zunächst sogar zurück, weil sich die Frauen noch weniger hinaustrauten. „Doch jetzt sind sie wieder so hoch wie vorher“, ergänzt Julia Eckert. „Deshalb hoffen wir immer auf Frauen, die StoP mitgestalten wollen.“ Sie können sich telefonisch bei Julia Eckert im Gutshaus (040/71 10 04 27) oder Kerstin Schoneboom (040/ 71 00 25 40) im Rathaus melden, oder am Sonnabend, 20. Juni, in der Zeit von 10 bis 13 Uhr zum Info-Stand in der Marktpassage kommen.