Hof Posewang

2020 ist ein gutes Spargeljahr – auch in Oststeinbek

Timo Posewang freut sich über die hohe Nachfrage nach Spargel in seinem Hofladen.

Timo Posewang freut sich über die hohe Nachfrage nach Spargel in seinem Hofladen.

Foto: Susanne Tamm

Auch für Timo Posewang lief die Spargelsaison bisher gut. Dank dem starken Verkauf im Hofladen konnte er auch Gastro-Ausfälle auffangen.

Oststeinbek/Rendsburg. Die Landwirtschaftskammer in Schleswig-Holstein spricht von einem guten Spargeljahr – das kann der Oststeinbeker Timo Posewang genauso unterschreiben. Topwetter und tatkräftige Unterstützung seiner sieben Erntehelfer aus Rumänien und Polen sorgen für eine ergiebige Ernte. Und trotz der wochenlangen Schließung von Restaurants blieb Posewang nicht auf seinem Spargel sitzen. Pünktlich zur Sommersonnenwende – zwischen dem 20. und 22. Juni – und dem Johannistag setzen die Spargelbauern ihre letzten Stiche auf den Feldern.

Posewang hatte Glück, seine erfahrenen Erntehelfer aus Rumänien und Polen trotz Corona-Krise beschäftigen zu können. Für viele Landwirte sei der Saisonstart von der Sorge um die Helfer für die Ernte, Verarbeitung und Vermarktung überlagert gewesen, schildert die Landwirtschaftskammer. Die erlassenen Ausnahmeregelungen kamen für die meisten Betriebe noch rechtzeitig. So waren und sind aktuell zwar weniger ausländische Saisonarbeitskräfte auf vielen Betrieben, aber durch organisatorische und pflanzenbauliche Anpassungen haben es die Spargelbetriebe geschafft, einen nahezu geregelten Ablauf im Betrieb zu gewährleisten.

„Kein Spitzenjahr, aber die Erntemenge war gut“

Zudem hebt die Landwirtschaftskammer die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung hervor: Viele Helfer für die Ernte, Verarbeitung und den Verkauf hätten sich bei den Betrieben im Land gemeldet. Einige Landwirte wurden in der Krise kreativ: Hof Oelkers in Wenzendorf (Landkreis Harburg) vermietete beispielsweise Spargelreihen an Hobby-Spargelstecher. Sie zahlen eine Miete von 220 Euro pro Reihe plus 68 Euro für Werkzeug. 91 Reihen vermietete der Hof in dieser Saison.

„Auch ich habe anfangs diesen Gedanken gefasst“, sagt Timo Posewang. Den habe er jedoch wieder verworfen, als feststand, dass seine Stammerntehelfer nach Deutschland kommen können. Die meisten Betriebe hätten noch genügend Spargelflächen in der Ernte, sodass regionaler Spargel aus Schleswig-Holstein bis zum Ernteabschluss an Johanni zur Verfügung stehen werde, erklärt die Landwirtschaftskammer. Trotz der widrigen Witterung im Januar und Februar mit viel Regen und Wind konnten die Spargelbauern überwiegend früh in die Saison starten, so auch Posewang: „Bei mir ging es eine Woche früher als üblich los.“ Einige kühlere Tage im Mai konnte der Landwirt so ausgleichen. Auf vier Hektar baut er in Oststeinbek Spargel an. Wie viel er zum Saisonende geerntet haben wird, kann er noch nicht genau sagen. „Ich denke, sechs bis sieben Tonnen pro Hektar“, sagt er. „Für mich ist es kein Spitzenjahr, aber die Erntemenge war bisher gut.“

Treue Kunden im Hofladen

Dass auch der Verkauf so gut läuft, verdankt er seinen treuen Kunden im Hofladen (Heidstücken 1). Ein großer Teil des Oststeinbeker Spargels geht meist an die Gastronomie – doch die Corona-Krise sorgte für einen Einbruch. „Ausfälle fange ich durch den Hofladen auf. Der Verkauf dort ist auch lukrativer, ich kann ganz andere Preise erzielen“, erklärt Posewang.

Der Spargelabsatz in der Direktvermarktung wird von den meisten Betriebsleitern positiv beurteilt, so die Landwirtschaftskammer. In Schleswig-Holstein ist der Direktabsatz bei den Betrieben der Hauptvermarktungsbereich, und das ist aus Sicht der Kammer in dieser Krise ein struktureller Vorteil. Die Verbraucher haben Hofläden, Stände und Wochenmärkte spürbar mehr besucht und damit die Betriebe und die regionale Vermarktung gestärkt. Viele Betriebsleiter berichten von Rückmeldungen, die auf eine gestiegene Wertschätzung der landwirtschaftlichen Produkte bei den Kunden schließen lassen.

Unterm Strich eher Geld verloren

Timo Posewangs Resümee: „Der Spargel lief gut, dafür ist aber der Kartoffel- und Eierumsatz zurückgegangen“, sagt er. „Unterm Strich habe ich durch die Corona-Krise eher Geld verloren.“