Campus-Schule

Gemeinschaftsschüler werden eingeschleust

Schulleiter Dirk Böckmann zeigt eine der „Eingangsschleusen“ mit Waschbecken für die Schüler.

Schulleiter Dirk Böckmann zeigt eine der „Eingangsschleusen“ mit Waschbecken für die Schüler.

Foto: Susanne Tamm

Die Räume der Campus-Schule sind beengt – Doch alles ist durchorganisiert, damit sich das Infektionsrisiko gegen Null geht.

Reinbek. Zuerst fühlte es sich für die meisten Eltern mit Kindern an der Gemeinschaftschule an wie ein Déjà-vu, erinnert sich die Schulelternbeiratsvorsitzende Melanie Koss. „Die Schule ist ab heute geschlossen“, hieß es am 13. März. Das hatten die Familien doch schon einmal Anfang Dezember 2018 gehört, nachdem eine hohe Asbestbelastung in der Raumluft im Schulzentrum gefunden worden war. Bis der Schulneubau fertig ist, sollten die 742 Schüler nun vorübergehend die Campus-Schule in 350 Containern besuchen. Doch vor zwei Monaten kam Corona.

„Das fühlte sich im ersten Moment sehr ähnlich an“, erzählt Melanie Koss, deren 17-jährige Tochter ganz gut mit der Situation zurechtkommt. „Sie ist gut organisiert und zum Glück haben wir eine Schulleitung, die immer nach Lösungen strebt.“

Am 25. Mai kehren einige Klassen zurück

Schulleiter Dirk Böckmann und sein Team haben alles straff durchorganisiert: Sowohl die Aufgabenverteilung für den Unterricht zu Hause als auch die Abläufe in der Schule. Denn am Freitag liefen die letzten schriftlichen Prüfungen für die Schulabschlüsse ESA und MSA. Am 25. Mai kehren die achten bis zwölften Klassen in die Schule zurück. „Wir müssen sie in Gruppen mit bis zu acht Schülern aufteilen, um die Sicherheitsabstände einhalten zu können“, erläutert Dirk Böckmann. „Daher brauchen wir mehr Räume und mehr Lehrerinnen und Lehrer.“ Deshalb sollen sich die Jahrgänge nun tageweise mit dem Unterricht in der Schule abwechseln.

Schon für die Absolventen hat die Schule deshalb vier verschiedene Eingänge, „Schleusen“ genannt, eingerichtet. Zwei sind für die Schüler gedacht, eine für die Lehrer und eine vierte für Schüler, die oder deren Angehörige zur Risikogruppe zählen. „Sie werden einzeln unterrichtet mit einem Video-Chat Kontakt zu ihrer Klasse“, erklärt Böckmann.

Risikoärmer als einkaufen

Das Prozedere des Eintretens erklärt der Schulleiter auch mit einem Video auf der Homepage der Schule: Durch die Schleuse müssen die Schüler einzeln eintreten. Sie waschen und desinfizieren sich als erstes die Hände, dann wird bei jedem abgefragt, ob er Symptome hat und dies wird dokumentiert. Dann bringt ein Lehrer das Kind in seine Klasse, wo es seinen Platz nicht verlassen darf. Auf dem Boden sind für jedes ein Bereich und seine Wege mit Klebestreifen markiert. In jedem Klassenraum der Container-Schule ist Platz für maximal acht Schüler und den Lehrer. Die Türen zum Flur müssen offen stehen.

Muss jemand zur Toilette, wird dies ebenfalls dokumentiert und bei der Rückkehr in die Klasse müssen die Schüler erneut ihre Hände desinfizieren. Begegnungen auf dem Flur sollen vermieden werden. Bisher waren die Schüler für drei Zeitstunden in den Klassen. Ab 25. Mai soll es aber auch wieder Pausen geben. „Das werden wir nur zeitversetzt regeln können“ stellt Dirk Böckmann mit Blick auf den engen Schulhof fest. „Außerdem müssen wir auf dem Boden getrennte Bereiche für die Lerngruppen markieren.“ Sein Stellvertreter Thomas Diedrich erklärt: Unter diesen Bedingungen zur Schule zu gehen, ist viel risikoärmer als einzukaufen.“

Eltern sollen Lehrer nicht ersetzen

Doch das alles kostet viel Zeit und Arbeit. „Ich bin stolz auf mein Team, Lehrer, Hausmeister, Schulbüro und Offene Ganztagsschule: was die alles wuppen“, lobt Dirk Böckmann. Schon jetzt würden die Lehrer ihre Schüler sehr intensiv betreuen, meist per E-Mail, aber auch über das Telefon. „Eine Familie hat mir geschrieben, ihr Sohn habe noch nie so intensiv für die Schule gearbeitet wie jetzt.“ Die positiven Rückmeldungen würden überwiegen. Aber die Situation sei für alle eine enorme Herausforderung. „Viele Eltern sind am Ende ihrer Kräfte“, hat der Schulleiter beobachtet. Dabei hat er ihnen geschrieben, dass es nicht das Ziel sei, dass sie die Lehrer ersetzen. Bei Fragen sollten die Schüler sich selbst an die Lehrer wenden. Das spiele sich jetzt langsam ein.

Jugendliche zeigen erstaunliche Geduld

Er geht davon aus, dass sich der Unterricht mit den Unterbrechungen bis weit in das nächste Schuljahr hinziehen werde, vielleicht bis zum Sommer 21. „Wir wollen danach den Leistungsstand der Schüler testen und entsprechende Förderprogramme entwickeln“, erklärt er. „Vor allem freuen wir uns auf die Schüler, dass wie wiederkommen.“

Melanie Koss lobt die Jugendlichen: „Wie geduldig sie morgens mit Abstand in der Schlange vor ihren Schleusen stehen, manchmal eine Viertelstunde im Regen und alles mitmachen, ist erstaunlich.“ Sie ist sicher: „Wer die Asbestkrise überstanden hat, schafft auch die Coronakrise.“