Ehrenamt

Gleichstellungsbeauftragte tritt Amt in Oststeinbek an

Die neue Gleichstellungsbeauftragte Michelle Mittmann (rechts) folgt Anje Schiffmann im Amt.

Die neue Gleichstellungsbeauftragte Michelle Mittmann (rechts) folgt Anje Schiffmann im Amt.

Foto: Susanne Tamm

Nachdem Anje Schiffmann nach 27 Jahren als Gleichstellungsbeauftragte in Oststeinbek aufhörte, tritt nun Michelle Mittmann die Nachfolge an.

Oststeinbek. Ihre Vorgängerin Anje Schiffmann hat in der Gleichstellung Pionierarbeit geleistet. Als sie vor 27 Jahren begann, waren viele Dinge noch nicht geregelt. Doch auch für Nachfolgerin Michelle Mittmann (33), die jetzt in Oststeinbek ihr Amt antritt, gibt es noch genug zu tun.

Bürgermeister Jürgen Hettwer hat einmal seine
19-jährige Tochter nach ihren Wünschen in Sachen Gleichberechtigung gefragt. „Sie nannte mir gleiches Gehalt, Gleichbehandlung, gleiche Beförderungschancen und fasste dann zusammen: Eigentlich sollte es doch egal sein, ob man Mann oder Frau ist“, berichtete der Verwaltungschef: „Das ist auch unser Ziel.“ Für die Einstellungsverfahren geht er davon aus, dass seine Gemeinde heute fehlerfrei arbeitet: „Aber es gibt ja noch viele weitere Aspekte.“

Anje Schiffmann erreichte viel in 27 Jahren

Anje Schiffmann (heute 74) hat das Amt 27 Jahre lang ehrenamtlich ausgefüllt. Sie hat die ersten Schritte Richtung Mammobil in der Frauengesundheit organisiert, hat Alleinerziehende beraten und im Gespräch gestärkt sowie sich gegen das Ehegattensplitting eingesetzt, das Frauen häufig direkt in die Altersarmut geführt habe.

In den Jahrzehnten habe sich nach ihrer Beobachtung die Akzeptanz verbessert. Gleichstellung sei in der Gesellschaft angekommen. „Bestimmte Fragen, beispielsweise nach Schwangerschaft oder Familienplanung, werden in Bewerbungsgesprächen heute nicht mehr gestellt“, stellt sie fest. Ob die Väter, die in Elternzeit gingen, an ihren Arbeitsplätzen die gleiche Akzeptanz und die gleichen Chancen wie zuvor erfahren würden, bleibe abzuwarten. „Das ist in der Berufswelt noch keine Selbstverständlichkeit“, sagt Anje Schiffmann.

Michelle Mittmann will einen Tag fürs Ehrenamt nutzen

Michelle Mittmann aus Aumühle hat sich schon vor ihrer Bewerbung bei Anje Schiffmann über das Ehrenamt informiert. „Ich gehe davon aus, dass keine Woche so aussehen wird wie die andere“, sagt sie. Mittmann steht gerade vor ihrem Studienabschluss im Fach Soziale Arbeit. Nebenbei arbeitet sie als Social-Media-Beauftragte für die Deutsche Gesellschaft für Soziale Arbeit. Sie ist Mutter einer Tochter (1) und möchte in Teilzeit im wissenschaftlichen Bereich arbeiten.

Wie schwierig es ist, Jobsuche und Familie als Frau zu vereinbaren, hat sie selbst erlebt: „Ich habe zuerst keine Stelle gefunden, weil ich meine kleine Tochter betreuen will und muss.“ Nun habe sie eine Stelle in Aussicht. Sie will aber etwa einen Tag in der Woche für ihr Ehrenamt aufwenden. Gemeinden mit weniger als 15.000 Einwohnern müssen keine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte einstellen. „Noch kann ich alles sehr flexibel gestalten“, erzählt sie. „Zuerst werde ich einmal im Monat, jeden ersten Dienstag von 8.30 bis 10 Uhr eine Sprechstunde anbieten. Aber ich möchte auch gern so etwas wie eine Standleitung zu den Bürgerinnen einrichten – über Facebook, Twitter und Instagram unter @gb­­­_oststeinbek. Das sind die drei Kanäle, die ich kann.“

Was wünschen sich die Oststeinbeker Frauen?

Vorerst möchte Michelle Mittmann aber möglichst viele Einrichtungen kennenlernen und nachfragen, was sich die Frauen von ihr wünschen. Auch in einigen politischen Sitzungen wird sie – je nach Tagesordnung – dabei sein. Der zweite Teil ihrer Arbeit betrifft die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung, für deren Gleichstellung sie auch zuständig ist. Bei einem ersten Bewerbungsgespräch war sie schon dabei.

Privat ist sie auf der Suche nach dem richtigen Zumba-Kursus und kocht gern. „Am faszinierendsten aber finde ich meine Tochter Pauline. Sie ist mit Abstand mein spannendstes Projekt“, stellt Michelle Mittmann mit einem Lächeln fest.

Die Gleichstellungsbeauftragte ist unter Telefon 040 /71 30 03 63 oder per E-Mail zu erreichen an gleichstellung@oststeinbek.de.