Öffentlicher Nahverkehr

Gewerbegebiet Glinde: Andrang am neuen Busstopp

Philipp Maschmann, Adrian Heinrich, Florian Ahrendt, Franziska Piepke, Kerstin Bruns, Burkhard Feiks , Björn Schönefeld und Rainhard Zug (v.li.) treffen sich am neuen Bushalt.

Philipp Maschmann, Adrian Heinrich, Florian Ahrendt, Franziska Piepke, Kerstin Bruns, Burkhard Feiks , Björn Schönefeld und Rainhard Zug (v.li.) treffen sich am neuen Bushalt.

Foto: Susanne Tamm

Unternehmer und Stadt finanzieren Bushaltestelle an der Wilhelm-Bergner-Straße im Gewerbegebiet in der Pilotphase mit.

Glinde.  Die Nachbarstadt Reinbek hat es vorgemacht und eine Buslinie in ihrem Gewerbegebiet am Senefelder Ring in der „Probezeit“ von zwei Jahren mit Hilfe von Unternehmern finanziert. Die Stadt Glinde kopiert das Erfolgsmodell jetzt für ihren 536er an der Wilhelm-Bergner-Straße.

Die Linie führt vom S-Bahnhof Reinbek über die Innenstadt ins Reinbeker Gewerbegebiet am Senefelder Ring. Seit Dezember bindet sie auch die Wilhelm-Bergner-Straße mit zwei neuen Bushaltestellen an. Von dort aus fährt der Bus innerhalb von sechs Minuten zum Glinder Markt. Dort können die Fahrgäste umsteigen in Richtung U-Bahn Steinfurter Allee.

EU fördert die Buslinie mit 25.000 Euro

95.000 Euro kostet der 536er pro Jahr. Die Hälfte der Summe stemmt der Kreis Stormarn, die andere Hälfte sollten Stadt und Unternehmen aufbringen. Tatsächlich genehmigte die AktivRegion noch eine Förderung durch EU-Geld in Höhe von 25.000 Euro pro Jahr. „Das ist relativ neu, dass die AktivRegion auch den Öffentlichen Personennahverkehr bezuschusst“, lobte Björn Schönefeld, Ansprechpartner für den ÖPNV beim Kreis, am gestrigen Mittwoch bei einem Treffen.

So bleibt für die Unternehmen noch eine Summe über 10.500 Euro und für die Stadt noch 12.000 Euro. Bürgermeister Rainhard Zug ist dankbar für das finanzielle Engagement der Unternehmen Dabei sind: die Beos AG, der Reisswolf Archivserice, die Listan GmbH, Alfa Laval Mid Europe GmbH, die Volksbank Stormarn, Siegfried Jacob GmbH & Co. KG, Auto & Technik Zargari GmbH, Obi sowie die Jürgen Liebisch GmbH.

Facharbeitermangel motiviert die Firmen

Ihre Motivation liegt meist im Facharbeitermangel. „Den merken wir auch, selbst im Lager“, erzählte Kerstin Bruns, Personalleiterin bei der Jürgen Liebisch GmbH. Der Autozulieferer hat etwa 100 Mitarbeiter, die meisten im gewerblichen Bereich. „Die Bushaltestelle bedeutet für sie nach Feierabend einen bis zu 15 Minuten kürzeren Heimweg“, erklärte Bruns. Auch dem neuen Mieter, der Listan AG habe man ans Herz gelegt, sich zu beteiligen. Die Computerfirma mit etwa 50 Mitarbeitern ist ebenfalls dabei.

Adrian Heinrich, Geschäftsführer von Reisswolf, erzählte, dass die Busanbindung ein wichtiges Argument dabei gewesen sei, die etwa 170 Mitarbeiter beim Umzug im September von Oststeinbek nach Glinde zu halten. „Statt 30 haben wir so jetzt nur drei Mitarbeiter verloren“, berichtete er. Zusätzlich erhalten die Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber noch die Profi-Card der VHH.

Nach zwei Jahren finanziert der Kreis den Bus

Die Volksbank Stormarn ist sogar mit im Boot, obwohl sie keine Niederlassung an der Wilhelm-Bergner-Straße hat. Ähnlich wie der Obi-Baumarkt, dessen etwa 60 Mitarbeiter genauso gut die Bushaltestelle am Holstenkamp erreichen könnten.

Noch gibt es keine offiziellen Zahlen. Aber Björn Schönefeld ist zuversichtlich, dass es klappt. „Wir rechnen im Schnitt mit fünf Fahrgästen pro Busfahrt“, berichtete er. Kommt die neue Route an, werde der Kreis die Finanzierung übernehmen.

Gewerbegebiet hat etwa 1600 Arbeitsplätze

In den vergangenen Jahren ist das Gewerbegebiet gewachsen. Laut Bürgermeister Rainhard Zug arbeiten hier etwa 1600 Menschen. Franziska Piepke, Projektentwicklerin der Beos GmbH, die die Gewerbe-Immobilien betreut, berichtete, dass zurzeit nur noch ein Neubau für ein etwa 10.000 Quadratmeter großes Grundstück im Norden in Planung ist. „Wir suchen noch einen Mieter“, sagte sie. „Wir hoffen auf einen Baubeginn in den nächsten zwölf Monaten. Dank der beiden neuen Bushaltestellen könnte dies noch einfacher werden.