Veterinäramt schreitet ein

Weißbüscheläffin Irene lebte jahrelang im Käfig in Glinde

Weißbüschelaffen wie Irene sind vor allem in Wäldern in Brasilien heimisch, leben in Gruppen von durchschnittlich neun Affen. Irene lebt sich jetzt im Tierpark Bad Pyrmont ein.

Weißbüschelaffen wie Irene sind vor allem in Wäldern in Brasilien heimisch, leben in Gruppen von durchschnittlich neun Affen. Irene lebt sich jetzt im Tierpark Bad Pyrmont ein.

Foto: PETA / BGZ

Die Tierschutzorganisation Peta meldete den Fall beim Kreisveterinäramt. Peta lobt nun die schnelle Beschlagnahmung des exotischen Affenweibchens.

Glinde. Mager und ängstlich war die Weißbüscheläffin Irene, als sie im Oktober durch das Veterinäramt des Kreises Stormarn aus einem Privathaushalt in Glinde abgeholt wurde. Der exotische Primat hatte hier über mehrere Jahre unangemeldet und ohne Artgenossen in einem Vogelkäfig gelebt, bis der Halter ihn über die Internetplattform Ebay Kleinanzeigen zum Verkauf anbot. Die Tierschutzorganisation Peta war auf den Verkauf aufmerksam geworden und alarmierte das Veterinäramt des Kreises. Wegen der „guten Zusammenarbeit“ sowie der schnellen Beschlagnahmung der Äffin aufgrund von nicht artgerechter Haltung ehrt Peta das Amt nun als eines der fünf tierfreundlichsten in Deutschland.

Peta habe Kontakt zum Verkäufer aufgenommen, der erklärte, er habe das Tier aus Zeitgründen verkaufen wollen, sagt Jana Hoger, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta. Zudem schilderte der Mann, die Äffin habe sich gut mit dem Kind der Familie verstanden, sei manchmal bissig gewesen. „Viele sind mit der Haltung von exotischen Tieren überfordert. Sie landen dann zum Verkauf im Internet“, bedauert Jana Hoger.

„Nachfrage nach exotischen Tieren nimmt zu“

„Die Nachfrage nach exotischen Tieren nimmt leider immer mehr zu“, sagt Hoger. Viele der Halter würden sich ein Tier wünschen, das „etwas Besonderes“ sei. Im Fall von Irene sei die Vermittlung über einen deutschen Züchter gelaufen. Doch viele Tiere würden in den Ursprungsländern illegal gefangen und importiert werden. „Der Handel in Deutschland ist dann wiederum legal – eine Gesetzeslücke, die es zu schließen gilt“, sagt Hoger. Besonders beliebt seien Reptilien: Pro Jahr werden mehr als eine Million Tiere legal in die EU importiert, die Dunkelziffer sei hoch.

Die Stormarner Behörde sowie das Ordnungsamt Glinde bestätigen den Fall Irene. Die Haltung eines Exoten habe das Ordnungsamt wohl nie zuvor beschäftigt, so Rolf Urban. „Normalerweise haben wir es mit Fundtieren zu tun.“

Bußgeld von bis zu 5000 Euro

Wie die nicht artgerechte Haltung von Tieren bestraft wird, das sei von Tat zu Tat unterschiedlich, sagt Frank Brinker, Fachdienstleiter des Veterinäramtes Stormarn. Verhalte der Halter sich kooperativ, so könne sich das positiv auf das Bußgeldverfahren auswirken. Die Stadt Glinde hat den Fall in Absprache mit dem Amt nicht weiter verfolgt, erklärt Rolf Urban.

Das Tierschutzgesetz sieht je nach Schwere des Vergehens gegen Tiere Bußgelder von bis zu 5000 Euro in Schleswig-Holstein vor. Bei der Tötung droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

Irene lebt nun mit Artgenossen zusammen

Nach der Konfiszierung durch die Behörde kam Irene ins Tierheim Hamburg und lebt mittlerweile im Tierpark in Bad Pyrmont, gemeinsam mit ihren Artgenossen.