Adventskalender

Als Fernsehen zu Weihnachten noch kein Thema war

Otto Ninnemann zeigt das alte Fernsehgerät, das zu den ersten Museumsstücken des Heimat- und Bürgervereins gehört. Das Gerät hat die Inventarnummer 0024.

Otto Ninnemann zeigt das alte Fernsehgerät, das zu den ersten Museumsstücken des Heimat- und Bürgervereins gehört. Das Gerät hat die Inventarnummer 0024.

Foto: dörte hoffmann / Dörte Hoffmann

Glindes Heimat- und Bürgerverein sammelt Schätze aus der Vergangenheit. Die Inventarnummer 0024 trägt ein ganz besonderes Stück.

Glinde. Viele verbinden mit dem Weihnachten ihrer Kindheit auch das Warten auf die Bescherung vor dem Fernsehgerät. Dabei ist das sehnsüchtige Warten auch mit bestimmten Sendungen verknüpft – die alle Gleichaltrigen kennen. Für alle , die mit der digitalen Welt aufgewachsen sind und sich ihr Programm via Internet selbst zusammenstellen: Es gab einmal eine Zeit, in der zwei Fernsehsender die Programme für den Abend ihrer Zuschauer festlegten. Deshalb sind Klassiker aus dem Kinderprogramm wie „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, „Pan Tau“, „Timm Thaler“ oder „Anna“ gemeinschaftsstiftende Erinnerungen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang der kleine Holzkasten mit Mini-Bildschirm, der im Heimatmuseum auf dem Dachboden des Wagenschauers I ausgestellt ist. Technik und Aussehen der TV-Geräte haben sich seit den 1950er Jahren stark verändert. Das Objekt, ein altes Fernsehgerät aus dem Sachsenwerk Radeberg, das Model Rubens, trägt die Inventarnummer 0024. „Wie alt das Gerät genau ist, wissen wir nicht. Es muss so aus der Zeit Mitte der 1950er Jahre stammen“, vermutet Otto Ninnemann, der sich im Heimat- und Bürgerverein um die Inventarisierung der Objekte kümmert.

Sehgewohnheiten verändert

Mit den heutigen riesigen, hochauflösenden Flachbildschirmen, mit denen man aus dem Internet auch Sendungen und Serien von Netflix, Amazon Video oder YouTube herunterladen kann, haben sich auch die Sehgewohnheiten bedeutend geändert.

Der 76-jährigen Glinder erinnert sich noch gut an die Anfänge: „Meine Eltern kauften den ersten Fernseher, einen Saba Schauinsland, auf jeden Fall nach der Fußball-WM 1954. Das erinnere ich genau.“ Und er weiß noch, dass vorne ein Drehschlüssel war, der sich herausziehen ließ. „Den haben meine Eltern immer versteckt, damit der kleine Otto nicht heimlich fernsehen konnte, wenn sie nicht zu Hause waren“, erzählt er schmunzelnd. Ansonsten saß meistens die gesamte Familie gemeinsam vor dem Fernsehgerät, um etwa die Stücke des Ohnsorg-Theaters zu gucken.

Als erste ein Fernsehgerät

„Oft inklusive der Nachbarn“, erinnert sich Ninnemann. Schließlich seien sie die ersten in der Straße gewesen, die einen Fernsehgerät hatten. Da wurde das Fernsehen zum gesellschaftlichen Ereignis. An Weihnachten war das Fernsehen in seiner Familie allerdings kein großes Thema.

„Tja, als die ersten Geräte auf den Markt kamen, veränderte sich das tägliche Leben ganz schön“, sagt Heinz Juhre, Jahrgang 1947 und ebenfalls Mitglied im Verein. „Damals haben wir noch draußen gespielt, bis die Sonne unterging.“ Als 1960 die ersten Familien ein Fernsehgerät hatten, war jedoch stets um 17 Uhr Schluss damit. „Denn dann fing die Jugendstunde mit Klaus Havenstein an“, erinnert er sich. Er habe den Einzug des Fernsehens in die Wohnzimmer nur grausam gefunden. „Die anderen liefen nach Hause, ich wollte lieber weiter draußen spielen“, erzählt der Hobby-Chronist.

Fan von W.C. Fields

1962 schafften sich auch seine Großeltern ein Fernsehgerät an. „Aber meine Zuschauerkarriere begann erst Ende der 1960er Jahre, als die dritten Programme starteten.“ Denn diese zeigten Serien des Filmkomikers W.C. Fields, dessen Fan Heinz Juhre wurde, wie der Glinder verrät. Auch zu Weihnachten war TV zu seiner Zeit noch kein großes Thema. „Eher Silvester, weil wir dann immer nebenbei auf die Uhrzeit schauten“, erzählt er. Das änderte sich allerdings mit der Kindheit seiner Tochter, die 1977 geboren wurde. „Sie hat bei Freundinnen in der Vorweihnachtszeit gern Filme wie ,Drei Nüsse für Aschenbrödel’ angeschaut“, sagt Heinz Juhre. „Und auch mit meiner zwölfjährigen Enkelin guckt sie jetzt gern Märchenfilme.“