27 Jahre Ehrenamt

Oststeinbeks Gleichstellungsbeauftragte sagt Tschüs

Nach 27 Jahren verabschiedet sich Anje Schiffmann als Gleichstellungsbeauftragte.

Nach 27 Jahren verabschiedet sich Anje Schiffmann als Gleichstellungsbeauftragte.

Foto: Susanne Tamm

Anje Schiffmann zieht sich nach 27 Jahren als ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte im Oststeinbeker Rathaus zurück.

Oststeinbek. Sie hat viel erreicht in den vergangenen Jahren – und es gibt auch noch genug zu tun. Dennoch geht Anje Schiffmann jetzt zum Jahreswechsel endgültig in den Ruhestand: 27 Jahre lang war sie ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde. Offiziell hatte sie vier Stunden in der Woche Bürozeit.

„Da schafft man natürlich nichts, das meiste habe ich zu Hause gemacht“, erzählt die 74-Jährige. „Jüngere können vielleicht etwas mehr Zeit und Energie für dieses wichtige Amt einsetzen als ich jetzt.“ Bereut hat sie ihr Engagement nie. Im Gegenteil: „Ich fand das von Anfang an toll“, erinnert sie sich an den Beginn 1992. „Ich bin völlig naiv in das Amt hineingegangen. Ich hab’ gedacht, für Gleichstellung muss doch jeder Mensch sein“, sagt sie.

Echte Pionierarbeit im Rathaus

Nach einem ihrer ersten Texte im Gemeindeblatt, habe ein Gemeindevertreter bemängelt, wieso sie sich als Ehrenamtlerin denn politisch äußere? „Dabei ist mein Amt natürlich ein hochpolitisches“, betont sie resolut. „Nach wie vor geht es um die gleiche Bezahlung von Frauen, um Armut, von der gerade Alleinerziehende betroffen sind, oder Frauengesundheit. Frauenarmut heißt immer auch Kinderarmut.“

Zuvor war Anje Schiffmann mehr als zwölf Jahre Personalrätin im Rathaus. „Das hat die Arbeit sehr erleichtert, denn ich kannte bereits vieles“, sagt sie. Vorgaben hatte sie zuerst nicht. Ein Gleichstellungsgesetz war noch gar nicht verabschiedet. „Welche Möglichkeiten habe ich denn? Was darf ich und was nicht? Das waren die Fragen, die ich mir oft
gestellt habe“, berichtet sie.
Das war echte Pionierarbeit: „Meist habe ich dann bei meinen Kolleginnen im Kreis oder in Kiel nachgefragt.“

Kampf gegen das Ehegattensplitting

Später habe sie viel gemeinsam mit den Kolleginnen aus Glinde, Barsbüttel, Reinbek und Wentorf auf die Beine gestellt. „Wir haben beispielsweise gegen das Ehegattensplitting gekämpft. Das ist der Rentenkiller für die Frauen“, sagt sie. „Was passiert denn, wenn die Ehe nicht hält?“ Nicht durchsetzen konnten sie eine Möglichkeit zur Nachtbeförderung für Frauen oder eine Elternschule. Vieles sei heute selbstverständlich: etwa Frauen nach der Familienzeit zurück in die Berufswelt zu bringen. Aus dem Wunsch ein Brustkrebszentrum zu gründen, habe sich das Mammobil entwickelt.

In ihrem tatsächlichen Ruhestand möchte Anje Schiffmann versuchen, zwei Monate lang nichts zu machen. „Später möchte ich mich in meinem Wohnort Aumühle mehr politisch engagieren“, verrät sie. „Ich weiß noch nicht wie.“ Ihrer Nachfolgerin wünscht sie, dass sie Vieles umsetzen kann und dass sie offene Türen vorfinden möge.