Betreuung

Wohin mit dem kleinen Luca?

Melanie Haecks kämpft wie eine Löwin für die bestmögliche Betreuung von Luca (3).

Melanie Haecks kämpft wie eine Löwin für die bestmögliche Betreuung von Luca (3).

Foto: dörte hoffmann / Dörte Hoffmann

Kita Tannenweg muss Offenem Ganztag weichen.

Glinde. Immer noch ist es für junge Mütter nicht einfach, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Erst recht nicht, wenn der Wunschkindergarten geschlossen wird. Die Stadt Glinde will von August 2020 an die Räume des Kindergartens Tannenweg selbst nutzen. An der dortigen Grundschule wird nämlich ein Offener Ganztag eingerichtet. Die Elementargruppe der Awo-Kita wird aufgelöst.

Für Melanie Haecks (41) ist das eine Katastrophe. Sie arbeitete vor der Elternzeit als Kauffrau im Vertrieb eines Unternehmens für Schiffsbauteile. „Die halten mir den Arbeitsplatz frei, und ich möchte möglichst bald zumindest in Teilzeit wieder arbeiten“, sagt sie. Das ist die eine Seite der Geschichte. Andererseits sei sie eine Vollblutmutter, der das Wohl ihrer Kinder am Herzen liegt.

Kampf um die bestmögliche Betreuung

Luca (3) hat vor einem Jahr mit Alexander noch ein Brüderchen bekommen. Noch ist die junge Mutter zu Hause, kämpft aber wie eine Löwin um die bestmögliche Betreuung ihrer Söhne. Luca habe schon schlechte Erfahrungen in einer Kita gesammelt. Melanie Haecks hat ihren Sohn aus einer städtischen Einrichtung in Glinde wieder herausgenommen. „Die Kinder hatten dort ständig Verletzungen, von denen keiner wusste, wie sie passiert sind“, sagt die Glinderin. Plötzlich benötigte Luca wieder eine Windel, obwohl er schon trocken gewesen war. Er hatte Alpträume und wurde aggressiv. Mit Händen und Füßen habe sich der Kleine gewehrt, wenn seine Mutter ihn dort morgens abgab. Auch andere unzufriedene Mütter und Väter hätten sich an sie als Elternvertreterin gewandt.

Ein kurzes Gastspiel in einem kirchlichen Kindergarten wurde beendet, „weil eine alleinerziehende Mutter Vorrang hatte“, erzählt Melanie Haecks enttäuscht. Dort sei er schon nach einem Tag aufgeblüht und gern hingegangen.

Die Rettung bot die Awo-Kita Tannenweg. Obwohl Melanie Haecks wusste, dass die Gruppe bald geschlossen werden sollte, nahm sie in ihrer Not an. Ihre Hoffnung war allerdings, dass Erzieher und Kinder in die künftige Kita in Wiesenfeld wechseln könnten. „Dann wären die Bezugspersonen und Spielkameraden die gleichen geblieben“, erläutert Melanie Haecks. Erst jetzt habe sie erfahren, dass die meisten Erzieher gekündigt hätten.

Kinder sollen zusammenbleiben

Zwölf Kinder hätten nun ab August 2020 keine Betreuung mehr, berichtet die 41-Jährige. Die Eltern wollen, dass ihre Kinder zusammenbleiben und sich möglichst nicht an viele neue Betreuer gewöhnen müssen.

Bernd Mahns, Leiter des Ordnungsamtes, sagt: „Die Sorgen der Eltern sind unbegründet: Jedes Kind bekommt einen Betreuungsplatz, darauf haben die Familien einen gesetzlichen Anspruch.“ Er bittet um Geduld: Die Plätze werden Ende Februar vergeben. Bis dahin prüfe die Verwaltung alle Wünsche der Eltern, um möglichst viele zu erfüllen. Sein Team versuche auch, sieben der Kinder zusammen unterzubringen. „Es kann aber sein, dass es einen Erzieherwechsel gibt“, sagt Mahns. „Wir versuchen, die Wünsche zu berücksichtigen, so weit es möglich ist.“