AWSH

Aktion gegen Plastikmüll auf Glinder Markt

Nils Lünstroth „badete“ in der Marktpassage im Plastikmüll.

Nils Lünstroth „badete“ in der Marktpassage im Plastikmüll.

Foto: dörte hoffmann / BGZ

Mit einer Aktion auf dem Glinder Markt wies die AWSH auf den enorm hohen Plastikverbrauch hin. Zudem informierte sie über die neue Wertstofftonne.

Glinde. Schade, dass es am Sonnabend in Strömen goss, als die Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) in einer spektakulären Aktion auf die Plastikabfallflut in unserem täglichen Leben aufmerksam machte. „Oh Gott, der junge Mann ist ja echt und erstickt im Müll“, rief etwa Barbara Steinhoff erschrocken aus. Gerade hatte sie in der Glinder Marktpassage das Planschbecken, voll bis oben hin mit Plastikverpackungen, entdeckt. Und dazu den jungen Mann Nils Lünstroth, der bis zum Hals im Müll „badete“. Eine sehr anschauliche Demonstration der Müllabfuhr, was eine Person innerhalb von zwei Monaten so alles an Kunststoffabfall anhäuft, wie die Glinder Marktkundin fand. „Ich gehe immer mit Stoffbeuteln einkaufen“, erklärte sie. Wenn wirklich mal was in Plastik eingepackt sei, wie jetzt das Hähnchen, bekäme sie stets ein schlechtes Gewissen.

Auch Kathleen Ninnemann entdeckte beim Einkaufen am Sonnabend das Planschbecken, angefüllt mit Plastikmüll. „Wenn ich mal Plastikbeutel nehme, nutze ich sie immer mehrmals“, erklärte die Anwohnerin. Da sie seit Jahren auf Gehhilfen angewiesen sei, trage sie ihre Einkäufe stets im Rucksack. Da bleibe es oft nicht aus, einiges wasserdicht in Plastik zu verpacken.

„Wir produzieren einfach zu viel Plastikmüll“

Jeder Deutsche produziert jährlich 37 Kilogramm Plastikabfall – eine Zahl, die von der AWSH genannt wird. „Das ist einfach zu viel“, sagte Pressesprecher Olaf Stötefalke. Und hatte am Sonnabend noch ein paar weitere Zahlen parat: von 1950 bis 2015 wurden weltweit 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert, die Hälfte davon in den letzten 20 Jahren. 2016 fielen in Deutschland 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an, davon 50 Prozent in den Haushalten. Weil aber ganz viele Verpackungen und sonstige Kunststoffe im Restabfall landen, können sie nicht recycelt werden. Alles Gründe für die AWSH, ab Januar die gelbe Wertstofftonne einzuführen. Die Einführung ist im Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes verankert und bereits durch den Kreistag beschlossen. Sie ersetzt die gelben Säcke und nimmt auch alles auf, was nicht mit Verpackungen zutun hat. „In der Wertstofftonne werden noch viel mehr Stoffe erfasst“, sagt Stötefalke.

Zur Veranschaulichung hatten Mitarbeiter der AWSH ein ganzes Sammelsurium an Dingen wie Bratpfanne, Hammer, Plastikeimer, Übertöpfe und Blechgießkanne mitgebracht. „Denn in der Wertstofftonne können Haushalts- und Gebrauchsgegenstände aus Metall, Kunststoff und Verbundstoffen entsorgt werden“, erklärte Stötefalke. Im Januar werden Hauseigentümer schriftlich informiert, einen Monat später werden 55.000 Container und Tonnen mit gelben Deckeln im Kreis verteilt. Ab März erfolgt die zweiwöchentliche Leerung. Gelbe Säcke werden dann nicht mehr mitgenommen.

Klimaschutz-Initiative unterstützt Aktion

„Toll, was man dann alles in die neue Tonne werfen kann“, freute sich am Sonnabend Hannelore Hopf, als sie sich am Stand der AWSH auf dem Wochenmarkt informierte. Als sie aber hörte, dass es nur eine Größe mit 240 Litern gibt, war sie weniger begeistert. „Wo soll ich die dann noch hinstellen, das ist viel zu groß.“

Die AWSH-Aktion läutete die Europäischen Woche der Abfallvermeidung bis zum
24. November ein. Mit dabei waren auch Glinder Mitglieder der Klimaschutz-Initiative Sachsenwald wie etwa Dagmar Coordts, um Bürger darüber zu informieren, wie man Plastikabfall vermeiden kann.