Serverprobleme

Probleme bei Vodafone: Polizei nicht erreichbar

Kein Anschluss am Festnetz: Ahrensburgs Revierleiter Jörg Marienberg (l.) und Yannik Löbsack weichen auf Handy und Funkgerät aus.

Kein Anschluss am Festnetz: Ahrensburgs Revierleiter Jörg Marienberg (l.) und Yannik Löbsack weichen auf Handy und Funkgerät aus.

Foto: Elvira Nickmann

67 Dienststellen über mehrere Tage ganz oder zeitweise nicht erreichbar. Die Polizei wechselt seit Mai schrittweise zu Vodafone.

Glinde/Wentorf. Eine Störung bei Vodafone legt seit mehreren Tagen die Telefonanschlüsse von zahlreichen Polizeiwachen in Schleswig-Holstein lahm. Mal hören Anrufer das Besetzt-Zeichen, mal erhalten sie die Ansage, dass die angerufene Nummer unbekannt sei, manchmal kommen sie durch – meistens aber nicht. Betroffen waren bis Donnerstag insgesamt 67 Dienststellen der Polizei.

Ursache sei eine technische Störung, heißt es in einer Mitteilung der Polizei-Pressestelle in Ratzeburg. Vodafone-Sprecher Volker Petendorf bestätigt auf Anfrage den „Ausfall eines Servers für die Breitbandanschlüsse“. Betroffen waren drei Tage lang auch zwölf Polizeiwachen der Polizeidirektion Ratzeburg, zu der die Kreise Stormarn und Herzogtum Lauenburg gehören: Glinde, Wentorf, Aumühle, Schwarzenbek, Büchen, Lauenburg, Ahrensburg, Ammersbek, Bad Oldesloe, Bargteheide, Großhansdorf und Trittau.

Notruf 110 von Störung nicht betroffen

„Die Telefonie der Leitstellen, also der Notruf 110, ist glücklicherweise nicht betroffen“, sagt Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamtes in Kiel. Allerdings führe die Nicht-Erreichbarkeit vieler Dienststellen zu einer deutlichen Mehrbelastung der Leitstellen, da die Bürger dort anriefen, um den Kontakt zur Polizei zu suchen. Auf den Polizeiwachen wurde eine deutliche Zunahme des Publikumsverkehrs registriert.

Nach Auskunft von Torge Stelck werden in Schleswig-Holstein derzeit 95 der 250 Dienststellen der Landespolizei von Vodafone versorgt. Seit Mai dieses Jahres wechsele die Polizei schrittweise zu diesem Anbieter. Zudem werden derzeit Anschlüsse auf IP-Telefonie umgestellt, also auf das Telefonieren über Rechnernetze, die nach dem Internetstandard aufgebaut sind. Laut Vodafone-Sprecher Petendorf seien von der Störung allerdings nicht die neuen, sondern die herkömmlichen Anschlüsse betroffen.

Zwei Reparaturversuche brachten keine Besserung

Nach Angaben von Volker Petendorf werden am Freitag alle Polizeidienststellen wieder erreichbar sein. Nach zweimaligen Reparaturversuchen, die keine ausreichende Stabilität brachten, sollte der die Probleme bereitende Server eigentlich bereits in der Nacht zu Donnerstag ausgetauscht worden sein. „Das erwies sich jedoch als komplizierter als gedacht“, berichtet der Vodafone-Sprecher. Am Donnerstag seien die ersten Polizeidienststellen von 14 Uhr an wieder erreichbar gewesen, die anderen sollten folgen. Petendorf: „Die einzelnen Verbindungen werden nach und nach wieder an den Server angeschlossen.“

In Glinde gab es am Donnerstag zusätzlich die Situation, dass die Telefonanlage der Polizei auf Voice-over-IP umgerüstet wurde, die Station am Oher Weg 1 daher telefonisch nicht erreichbar war. Dieser Termin war allerdings seit Monaten geplant.

Polizei Reinbek nutzt bereits VoIP

Die Wache in Reinbek war von der landesweiten Störung nicht betroffen, wie der dortige Polizeichef, Polizeihauptkommissar Karsten Wagner, auf Anfrage sagte. Dort wird bereits über das Internet telefoniert. Allerdings fiel auch in dieser Wache am Mittwoch für eine Stunde ein Telefon aus. „Aber das hatte interne Gründe, die wir schnell beheben konnten“, berichtete Karsten Wagner. „Ein Verteiler war ausgefallen, wir konnten das selbst umstecken.“

Bei Vodafone ging es nicht so schnell: Die Polizei in Ahrensburg berichtete, dass es bereits „seit etwa einer Woche“ Probleme mit dem Festnetz gebe. „Wenn erforderlich, nimmt die Leitstelle über Funk oder Diensthandys Kontakt zu uns auf“, sagt er. Zwar seien die Diensthandys keine Smartphones und technisch nicht auf dem aktuellen Stand – aber es lasse sich immerhin zuverlässig damit telefonieren, so sein Kollege, Polizeikommissar Yannik Löbsack.