Martinstag-Aktion

Auferstehungskirche: Armen Kindern Wünsche erfüllen

Jugenddiakonin Ines Hombach und Pastor Torsten Kelm packen den neuen Wünschebaum aus.

Jugenddiakonin Ines Hombach und Pastor Torsten Kelm packen den neuen Wünschebaum aus.

Foto: Susanne Tamm

Den eigenen Reichtum teilen und kleine Oststeinbeker beschenken und eine Freude machen – Darum geht es bei der Aktion der Auferstehungskirche.

Oststeinbek. Es geht ums Teilen und darum, anderen Menschen eine Freude zu machen: „Wobei die Frage ist, wer eigentlich am meisten Freude dabei empfindet, der Beschenkte oder der Martin“, sagt Pastor Torsten Kelm. Gemeinsam mit Jugenddiakonin Ines Hombach überlegte er, was die Gemeinde am Martinstag tun könnte. „Da kam mir die Idee mit dem Wünschebaum“, erzählt sie. „Ich kenne diese Aktion aus Thüringen, wo die Tafel an dem Projekt beteiligt ist.“

Die Idee dahinter ist, dass Familien, die etwa Kunden der Tafel sind oder auch sonst Probleme haben, über die Runden zu kommen, sich an die Jugendberatung Oststeinbek wenden. Beraterin Ellen Marx koordiniert alles und gibt die Kinderwünsche anonym an die Kirchengemeinde weiter. „Wir schreiben dann den Wunsch, das Alter des Kindes und eine Nummer auf einem runden Zettel und hängen ihn in unseren Baum im Gemeindehaus“, erläutert Ines Hombach. „Da steht dann beispielsweise: ‘Bagger; 8 Jahre’. Wer dieses Geschenk für das Kind besorgen will, nimmt sich den Zettel aus dem Baum, kauft es und packte es schön ein.“ Ines Hombach hat es in Thüringen schon erlebt, dass ein Kind sich einen Schokoladenweihnachtsmann gewünscht hat. Bevor sie 2014 nach Oststeinbek kam, hat sie 24 Jahre als Gemeindepädagogin im Kirchenkreis Rudolstadt-Saalfeld in Thüringen gearbeitet. „So etwas ist doch herzzerreißend“, sagt sie.

Auch im reichen Oststeinbek gibt es bedürftige Kinder

Oststeinbek ist zwar eine reiche Gemeinde, aber auch hier hat der Deutsche Kinderschutzbund Stormarn festgestellt, dass 9,4 Prozent der Oststeinbeker Kinder arm sind. Das sind immerhin 121 von insgesamt 1293 kleinen Oststeinbekern.

„Dass es in unserer reichen Gemeinde überhaupt Kinderarmut gibt, kann doch eigentlich nicht sein“, stellt Torsten Kelm fest. „Dass Familien unverschuldet in die Armut rutschen, kann ganz schnell gehen – etwa wenn eine Beziehung zerbricht.“ Dies liege auch an den teuren Mieten. „Die Gesellschaft muss sich überlegen, ob sie das will“, sagt der Pastor. In Oststeinbek hingegen wolle eine politische Mehrheit, dass keine neue Wohnungen für Familien gebaut werden.

Viele Kinder wissen nicht, war ihr Wunsch kostet

Für Kinder, deren Klassen- oder Hortkameraden mit Geschenken überschüttet werden, ist es besonders hart, wenn sie nur kleine Geschenke bekommen können. Viele kleine Kinder hätten auch keine Vorstellung von den Kosten eines Geschenks. „Aber wenn so ein Wunsch die eigenen Möglichkeiten übersteigt, kann man sich vielleicht mit zwei anderen zusammentun, um ihn zu erfüllen“, schlägt Ines Hombach vor. So hat sie es gehalten, als sich ein kleiner Junge einmal einen Duplo-Bauernhof gewünscht hatte. „Die Großmutter hat sich dafür geschämt und sagte, sie hätten doch nur zwei Tiere gemeint“, erzählt die Gemeindepädagogin.

Da das Thema tabu behaftet ist, kennt allein Jugendberaterin Ellen Marx die Adressen der Kinder, die durch die Nummern zugeordnet werden. Sie kann im Zweifel auch mit der Familie klären, das Geschenk auch persönlich überreicht werden kann. „Für uns ist es auch nur wichtig, diesen Impuls zu geben und wir freuen uns, wenn wir andere Einrichtungen und Vereine, etwa die Kitas, die Schule, den Hort und die Flüchtlingshilfe, vernetzen können“, erklärt Torsten Kelm. „Das Projekt soll nicht daran scheitern, dass es von der Kirche ausgeht.“

Wünsche werden anonym erfüllt

Bis zum 6. Dezember können Kinderwünsche an Ellen Marx (Telefon 01 52-01 68 60 41 oder per E-Mail unter beratung@jugend-oststeinbek.de) gemeldet werden. Am 2. Dezember wandert der Baum außerdem ins Rathaus, damit ihn dort auch Menschen entdecken, die nicht in die Kirche gehen.

Der Gemeinde wollen Ines Hombach und Torsten Kelm das Projekt an diesem Sonntag ab 10 Uhr im Familiengottesdienst näher vorstellen. „Während des Gottesdienstes gibt es frische Martinshörnchen gestiftet von der Bäckerei Meyns, die wir miteinander teilen“, erzählt die Gemeindepädagogin. „Die mögen besonders die Kinder.“ Im Anschluss an den Gottesdienst können die Besucher noch zur Gemeindeversammlung ihre Wünsche und Ideen für ihre Auferstehungskirche loswerden.