Ausnahmezustand

Bombenfund: Evakuierung in Glinde - 5800 Menschen betroffen

Die 250-Kilo-Bombe wurde am Dienstagnachmittag bei Tiefbauarbeiten neben einer Halle auf dem ehemaligen Gelände von Gies-Kerzen in der Straße Am Zeughaus gefunden.

Die 250-Kilo-Bombe wurde am Dienstagnachmittag bei Tiefbauarbeiten neben einer Halle auf dem ehemaligen Gelände von Gies-Kerzen in der Straße Am Zeughaus gefunden.

Foto: Leimig

Glinde. Am Mittwochmittag soll ein Bombenblindgänger entschärft werden. Dafür müssen ab 9 Uhr große Teile des Stadtgebiets evakuiert werden.

Glinde. Heute Am Mittwochmittag soll in Glinde ein Bombenblindgänger aus dem zweiten Weltkrieg entschärft werden. Dafür müssen ab 9 Uhr große Teile des Stadtgebiets und Teile Neu-Schönningstedts evakuiert werden. Zahlreiche Straßen – darunter auch der Autobahnzubringer K 80 – werden gesperrt. Etwa 5800 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen. Der Schulunterricht in allen Glinder Schulen fällt aus, auch viele Kindertagesstätten bleiben heute geschlossen. Die Stadt hat ein Bürgertelefon eingerichtet: (040) 710 91 151 .


Die 250 Kilogramm schwere Bombe war am Dienstagnachmittag bei Tiefbauarbeiten auf dem ehemaligen Gelände von Gies-Kerzen an der Straße Am Zeughaus entdeckt worden. Der Sprengkörper hat zwei Zünder und soll heute ab 12 Uhr von Spezialisten des Kampfmittelräumdienstes aus Kiel vor Ort entschärft werden.


Nach dem Bombenfund ist umgehend ein Krisenstab bei der Feuerwehr Glinde zusammengetreten. „Die Spezialisten haben einen Evakuierungsradius von 1000 Meter um den Fundort angeordnet, also einen recht großen Bereich“, sagte Glindes Bürgermeister Rainhard Zug: „Für die Evakuierung haben wir drei Stunden Zeit. Auch ein Alten- und Pflegeheim ist betroffen. Es wird sehr große Beeinträchtigungen geben.“ An der Schule Tannenweg wird ein Krisenzentrum für die Bürger eingerichtet, Busse fahren dort hin. Für Menschen ab 60 gibt es einen eigenen Betreuungsraum im Festsaal des Bürgerhauses im Bereich Mitte.“Auch die Buslinien 133, 333, 137 und 237 sind betroffen und werden nur teilweise oder mit Umleitungen verkehren.


„Wir haben alle Vorsorgemaßnahmen getroffen auch für die Versorgung der Bürger“, gibt Bürgermeister Zug sich optimistisch: „Glinde hat ja bislang keine Erfahrungen mit der Entschärfung von Fliegerbomben gemacht. Aber wir werden hervorragend unterstützt durch den Rettungsdienst und die Technische Einsatzleitung des Kreises sowie Experten des Kampfmittelräumdienstes.“ Wenn alles nach Plan läuft, können die Sperrungen am Nachmittag, spätestens bis 16 Uhr, aufgehoben werden.


Glinde hat eine lange militärische Geschichte: 1936 hatte Hitler in Glinde ein Kurbelwellenwerk für Flugzeugmotoren und ein Heereszeugamt bauen lassen. Am 6. Oktober 1944 hatten 100 amerikanische Langstreckenbomber die Stadt als Ziel. Rund 300 schwere Bomben von 250 bis 1000 Kilogramm und etwa 3500 Stabbrandbomben sollen damals abgeworfen worden sein