Heimat- und Bürgerverein

Alte Passagierkutsche erstrahlt jetzt in neuem Glanz

Peter Ostrowsky (v.l.), Roland Fritsche, Eddi Eck, Heiner Hass, Wolf-Dieter Bode und Peter Lembke vom Heimat- und Bürgerverein haben die Kutsche aufwendig restauriert.

Peter Ostrowsky (v.l.), Roland Fritsche, Eddi Eck, Heiner Hass, Wolf-Dieter Bode und Peter Lembke vom Heimat- und Bürgerverein haben die Kutsche aufwendig restauriert.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Glinde. Diese Kutsche ist mindestens 80 Jahre alt und wurde von den Ehrenamtlichen des HBV mit viel Zeit und Mühe aufgemöbelt.

Glinde. Löcher von Holzwürmern, zerschlissene Polster, etliche rostige Stellen – die mindestens 80 Jahre alte Kutsche hatte schon reichlich Patina angesetzt, als Familie Posewang sie als Geschenk an den Heimat- und Bürgerverein (HBV) übergab. Nun präsentieren die Restauratoren des HBV ein wahres Schmuckstück, an dem die Spuren der Zeit vorbeigezogen zu sein scheinen.

Restaurierung dauerte gut ein Jahr

Etliche Arbeitsstunden steckten zehn Aktive des Vereins über ein Jahr lang in die historische Pferdekutsche. Das Ergebnis der Arbeit ist nun als Ausstellungsstück im Museum an der Mühle zu sehen.

Die Eichenholzkutsche mit Radlagern aus Messing kam per Zufall in die Hände der Vereinsmitglieder. Während der Triglindeade im Februar vergangenen Jahres entdeckten sie die eingestaubte Kutsche auf dem Hof Posewang in Oststeinbek. Die Kutsche war schon auf Ebay zum Verkauf online, als Wolf-Dieter Bode, Ehrenvorsitzender des Vereins, Silke Posewang ansprach.

Kutsche stand bei E-bay zum Verkauf

Die Idee, das Erbstück von ihrem Vater an den Verein zu übergeben, gefiel ihr auf Anhieb. „Uns ging es nicht um Profit, wir wollten sie nur nicht wegschmeißen. Zeit, die Kutsche aufzuarbeiten, haben wir auch nicht“, sagt ihr Mann Timo Posewang.

Vor gut 20 Jahren erstand Silke Posewangs mittlerweile verstorbener Vater Johann Schröder die Kutsche aus Hammoor. Die Restauration sollte seine Aufgabe für den Ruhestand sein. Aufgrund einer Erkrankung kam es nie dazu.

Alles bis auf die Polster in Eigenregie

Und so fand die Kutsche ihren Weg von Oststeinbek nach Glinde – auf dem Kartoffeltransporter der Posewangs. „Dann fingen wir an, die Kutsche zu zerlegen“, sagt Wolf-Dieter Bode. „Die einzige Arbeit, die wir abgegeben haben, war die Polsterung der Sitze an die Firma Schärtl in Oststeinbek. Das kostete 1000 Euro.“

Die Räder wurden aufgemacht, Radkränze erneuert, alle Holzteile per Hand abgeschliffen. Jede Schraube wurde von Schmutz und Rost befreit. „Wir haben alles ordentlich mit der Drahtbürste bearbeitet“, berichtete Albert Stoller noch im Herbst vergangenen Jahres.

Jedes Holzteil abgeschliffen

Auch er war regelmäßig mittwochs dabei, als sich die Restauratoren zum Herrichten der Kutsche trafen. Viel Zeit und Mühe steckte er in das Projekt. Das Ergebnis konnte er bislang nicht erleben. Eine Erkrankung fesselt ihn zurzeit ans Bett.

Generell zählen die Aktiven des HBV zu den älteren Generationen und die Arbeit kann kraft- und nervenaufreibend sein. Deshalb ist „Nachwuchs“ immer gerngesehen. Wolf-Dieter Bode weiß, man sollte auch im Ruhestand aktiv bleiben und ein Ehrenamt sei eine prima Möglichkeit.

Neues Stück für das Museum

Interessante und vielfältige Aufgaben, wie die Restaurierung der Kutsche, warten regelmäßig auf die Engagierten. Bereits vor 20 Jahren arbeitete der Verein eine Verwalterkutsche vom Gut Glinde auf. Die Passagierkutsche wird nun einen Platz daneben im Museum finden.

„Mit dieser mindestens 80 Jahre alten Kutsche fuhr man damals sonntags zur Kirche oder auf Ausfahrten“, weiß Wolf-Dieter Bode. Er bedauert, dass die Kutsche über keine Bremsen verfügt.

Kutsche fehlen die Bremsen

„Ich kenne jemanden, der ein Kutschpferd hat. Man hätte schöne Kutschfahrten um den Mühlenteich anbieten können. Aber es wird ein Ausstellungsstück bleiben.“ Die Kutsche kann zu den Öffnungszeiten der Mühle besichtigt werden. Ab 4. August öffnen die Ehrenamtlichen nach der Sommerpause immer sonntags die Tore von 14 bis 18 Uhr.