Bovist

Reinhard Kiesel entdeckt Riesenpilz in Garten

Reinhard Kiesel hat einen Riesenbovist in seinem Garten entdeckt.

Reinhard Kiesel hat einen Riesenbovist in seinem Garten entdeckt.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Glinde. So etwas großes hat er noch nie gesehen: Bei Reinhard Kiesel wächst ein Riesenbovist mit einem Durchmesser von 37 cm.

Glinde.  So einen großen Pilz haben Romeo (10) und Marlon (7) noch nie gesehen. Die Nachbarsjungen von Reinhard Kiesel (70) staunen nicht schlecht, als sie den Bovist in seinem Garten sehen. „Ich habe zuerst gedacht, es sei der Fußball, den die Jungs rübergekickt haben“, sagt Kiesel.

Doch beim Beschneiden seines Kirschlorbeers kam immer mehr von dem weißen Riesen zum Vorschein. Und als auch ein Aufheben des vermeintlichen Balles nicht möglich war, fiel der Groschen. Das ist kein Fußball, das ist ein Pilz. Genauer: ein Riesenbovist (Fachbegriff: Calvatia gigantea). Wer das Exemplar anschaut, erkennt auch die kleinen Risse und Löcher auf der Oberfläche. „Von Vögeln oder anderen Tieren“, vermutet Kiesel. Der Durchmesser beträgt 37 cm und ist selbst für einen Riesenbovist sehr groß. „Die Fruchtkörper erreichen im Durchmesser für gewöhnlich 15 bis 40 cm. In seltenen Fällen können sie sogar noch größer werden“, erklärt Andreas Kunze, der die Pressearbeit bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM) übernimmt.

Kiesel bittet um Rezepte

Da der essbare Riese aus der Familie der Champignons sich auch gut auf dem Teller macht, möchte Reinhard Kiesel ihn demnächst ernten und gemeinsam mit seiner Frau Ingrid verspeisen. Eine Idee für ein Gericht hat er noch nicht und bittet die Leser der Bergedorfer Zeitung, ihm Rezepte zukommen zu lassen. „Wer Erfahrungen hat, wie man einen solchen Bovist zubereitet, der meldet sich gern bei mir unter der E-Mail-Adresse reinhard.kiesel@googlemail.com“, sagt er. Aber: Er und seine Frau ernähren sich seit 25 Jahren vegan. Pilzpfanne mit Speck oder Geschnetzeltem fallen also heraus.

Dass der Riesenbovist essbar ist, bestätigt auch Andreas Kunze: „Es gibt keinen anderen einheimischen Pilz, der Fußballgröße erreicht, er ist deshalb unverkennbar. Allerdings ist er nur essbar, solange die Fruchtmasse rein weiß ist.“ Er rät, den Bovist gut zu würzen oder in Scheiben geschnitten zu panieren, wie ein Schnitzel. „Einen großen Eigengeschmack hat er nicht.“

Riesenbovist kann bis zu 10 kg schwer werden

Der Pilz kommt in ganz Deutschland vor und kann 10 kg und mehr wiegen. „Man entdeckt ihn auf Weiden, in Parkanlagen oder Brennnesselgebüschen. Es handelt sich um keinen anspruchsvollen Pilz“, weiß Kunze. Gut möglich also, dass ein solcher Riesenbovist auch an anderen Stellen in Reinhard Kiesels Garten gedeihen würde. Ihm schwebt vor, einen Teil zu verspeisen und den anderen in Form von kleinen Würfeln im Garten zu verteilen. „Damit sich die Sporen des Bovistes verteilen. In meinem Garten hat er augenscheinlich gute Wachstumsbedingungen“, sagt Kiesel.

Pilzexperte Kunze weiß jedoch, dass das so nicht funktioniert. Die pulverartigen Sporen des Bovistes befinden sich im Inneren, bilden sich jedoch erst, wenn der Pilz überreif und nicht mehr zum Verzehr geeignet ist. Schneidet Reinhard Kiesel ein Stückchen zum Verzehr ab und lässt den restlichen Bovisten stehen, besteht die Gefahr, dass Schädlinge sich ausbreiten und der Pilz verkümmert. Reinhard Kiesel muss sich nun entscheiden: Entweder das groß gewachsene Exemplar kommt in den Kochtopf oder er setzt es darauf an, und versucht, eine Pilzlandschaft auf dem Hinterhof anzusiedeln.

Vorsicht beim Verzehr

Vorm Genuss einer der 12.000 heimischen und weltweit 5,1 Millionen Pilzarten muss sichergestellt werden, dass es sich um kein giftiges Exemplar handelt. In Deutschland gibt es diverse Arten, deren Verzehr lebensgefährlich ist. Wer sich nicht mit Pilzen auskennt, sollte einen Sachverständigen zurate ziehen. Hamburger Spezialisten sind online unter www.dgfm-ev.de zu finden.

Riesenbovist-Schnitzel

Die 2 – 3 mm dicke, ledrige Haut des Pilzes abziehen. Ist das Fruchtfleisch darunter weiß, ist der Bovist zum Verzehr geeignet. Nun Fraßstellen von Tieren großzügig wegschneiden und den Bovist in 2 cm dicke Scheiben schneiden, diese leicht salzen. Die Scheiben zuerst in Mehl, dann in verquirltem und nach Bedarf gewürztem Ei und schließlich in Semmelbröseln wälzen. In heißem Öl von beiden Seiten anbraten und servieren. Das Pilzschnitzel schmeckt zu Salaten. Guten Appetit!