Tierdrama

Viele Hundert Fische sterben in abgelassenem Löschteich

Janine Gotthardt und Jörn Rohkam von Einhorn versuchen, zu retten, was noch zu retten ist und sammeln die Fische aus dem flachen Wasser des leer gelaufenen Beckens.

Janine Gotthardt und Jörn Rohkam von Einhorn versuchen, zu retten, was noch zu retten ist und sammeln die Fische aus dem flachen Wasser des leer gelaufenen Beckens.

Foto: Susanne Tamm

Glinde. Der Teich soll erneuert werden. Dass sich inzwischen Fische angesiedelt haben könnten, war den Verantwortlichen offenbar nicht klar.

Glinde.  Der Löschteich Am Alten Lokschuppen macht der Stadt seit Jahren Kummer. Am Dienstag sollte die endlose Geschichte ein Ende finden, weil die Herstellerfirma laut Gerichtsbeschluss nun die Anlange erneuern muss. Doch offenbar ließ sie das Wasser ab, ohne sich zu vergewissern, ob es darin inzwischen Leben gab: Am Ende zappelten Hunderte Fische im Restwasser im tiefsten Teil des Beckens.

„Es war furchtbar“, berichtet Karen Schönbrodt von der Tierrechtsorganisation Einhorn. „Das Restbecken brodelte nur so vor zappelnden Fischen, die nicht mehr ausreichend Sauerstoff bekamen. Das ist ein qualvoller Tod.“ Sie war zufällig mit dem Einhorn-Wagen beim Tierarzt in Glinde, als sie von einem aufge­lösten Fahrradfahrer auf das
Drama aufmerksam gemacht wurde.

Fischretter treffen auf große Schwierigkeiten

Karen Schönbrodt versuchte erst das Ordnungsamt, dann die Feuerwehr zu alarmieren. Im Rathaus hieß es, die zuständige Kollegin sei gerade in der Mittagspause, und die Feuerwehr wollte erst mit dem zuständigen Ordnungsamt sprechen. Daher schnappte sie sich zwei Mitstreiter, jede Menge Behälter und Frischwasser – und schritt zur Tat.

Doch als die Fischretter am Gewässer ankamen, war der Zaun abgeschlossen. Daher kletterte das Trio über den Zaun. „Die vollen Bottiche konnten wir dann aber nicht über den Zaun wuchten“, erläutert Karen Schönbrodt. „Deshalb haben wir versucht, die Tiere in der benachbarten Wasserfläche auszusetzen, weil wir gehofft hatten, die Feuerwehr könnte sie weiter fluten. Viele waren aber schon tot.“

„Fische haben in Löschteich nichts zu suchen“

Doch diese Idee erwies sich als technisch unmöglich: Die Fläche ist als Sickerfläche gedacht. Laut Ordnungsamt wäre der Trinkwasserverbrauch viel zu groß gewesen, um sie zu fluten.

Ordnungsamtsleiter Bernd Mahns berichtet, dass seine Mitarbeiterin ihn kurz nach 13 Uhr angerufen und die Lage geschildert habe. „Fische haben in einem Löschteich aber nichts zu suchen“, sagt er. Sie würden Löscharbeiten nur behindern, wenn das Wasser mit starkem Sog in die Schläuche gepumpt würde. „Wir wussten überhaupt nicht, dass in dem Becken Fische leben“, sagt Mahns. Er habe seiner Kollegin geraten, sich an den Angelsportverein zu wenden, damit die Tiere in den Mühlenteich umgesetzt werden könnten. Über Zierfische sollte sie das Tierheim in Großhansdorf informieren.

Überlebende Fische in Teich am Togohof umgesetzt

„Wir haben nachher gemeinsam mit dem Ordnungsamt die Fische wieder aus dem flachen Gewässer herausgepult und in einen Behälter mit Frischwasser gesetzt“, erzählt Karen Schönbrodt. „Fischlaich verbreitet sich über Enten und Gänse schnell. Hätte uns die Stadt doch vorher gefragt, wir wären sofort zum Helfen gekommen. Ein Anruf hätte genügt.“

Markus Berg, Erster Vorsitzender des Angelsportvereins Glinde, bestätigt, dass es keine zwei Jahre dauere, bis sich Fische in einem Gewässer ausbreiten. „Ich habe dem Ordnungsamt geraten, die Fische mit einer großen Maurerbütt und einem Kescher in den Teich am Togohof umzusetzen“, sagt er. „Auch wenn die Fische mitgenommen wirken, geht das meist recht problemlos.“