Frankreichreise

Jugendaustausch: Sardellen zum Frühstück

Freya (v.l.), Annika, Vicky und Nele waren beim Jugendaustausch in Saint-Sébastien-sur-Loire an der französischen Westküste dabei.

Freya (v.l.), Annika, Vicky und Nele waren beim Jugendaustausch in Saint-Sébastien-sur-Loire an der französischen Westküste dabei.

Foto: Franziska Klotz

Glinde. Redakteurin, Übersetzerin und Frankreichkennerin: Franziska Klotz hat Glinder Jugendliche nach Saint-Sébastien-sur-Loire begleitet.

Glinde/Saint-Sébastien-sur-Loire.  Warum wollen die Briten den Brexit? Wer hat die Europahymne komponiert? Nele, Vicky, Freya, Laurenz, Jonathan, den beiden Annikas und Amelia rauchen die Köpfe. Die acht Jugendlichen zwischen 13 und 16 Jahren aus Glinde sitzen mit ihren französischen Austauschpartnern – Jeanne, Aurélie, Eve, Emma, Emmy, Félix, Mehdi, Louis und Matteo – in der Mairie, dem Rathaus von Saint-Sébastien-sur-Loire, und tüfteln die Antworten aus. Bei einigen kann ich ihnen behilflich sein. Als Betreuerin habe ich sie auf ihrer einwöchigen Reise in die Partnerstadt an der Loire begleitet. Am vergangenen Sonntag sind wir zurück gekommen.

Ich liebe Frankreich, mag die Küche, die Mode, die Lebensart der Franzosen seit meiner Jugend. Ich habe Französisch studiert und viele Jahre als Journalistin im Elsass gearbeitet. Ich kenne die Kultur, die Sprache beherrsche ich aus dem FF. Das kam mir und den Teilnehmern der Reise zugute. Permanent habe ich hin und her übersetzt und zwischen den Deutschen und Franzosen für gute Kommunikation gesorgt. Sprache ist und bleibt ein Türöffner, das wurde mir wieder einmal bewusst.

Nicht geahnt hätte ich, wie viel die Loire-Region am Atlantik zu bieten hat. Den Rest Frankreichs kenne ich bereits, bin ein großer Fan der einsamen Bergregion in den Cevennen im Süden, doch an der französischen Westküste mit ihrem rauen ursprünglichen Charme war ich zuletzt in meiner Kindheit. Ich war überrascht, wie wenig sich die Küstendörfer und die Landschaft seither verändert haben.

Cornflakes und überschaubare Portionen

Sehr beeindruckt hat mich auch der Puy du Fou, historischer Themenpark und große Touristenattraktion in der Vendée. Dort sahen wir im gallo-romanischen Stadion Pferdewagenrennen, Tiger und Löwen und konnten verfolgen, wie gallische Gefangene vor den Augen des römischen Gouverneurs um ihr Leben kämpfen mussten.

Ebenfalls zusammen mit unseren französischen Betreuern Jérémy und Victorine fuhren wir in die benachbarte Großstadt Nantes, die sich in den vergangenen Jahren von einer verschlafenen Universitätsstadt mit Industriegeschichte zur Kunststadt mit vielen Museen, Galerien und Cafés gemausert hat. Begeistert waren wir von dem berühmten 40 Tonnen schweren Elefanten beim Kunstprojekt „Les Machines de l’île“. Dahinter verbirgt sich ein riesiges Ungetüm aus Holz und Metall, das per Hand gebaut wurde, laufen und Dampf ausstoßen kann. Es wurde in Anlehnung an die imaginäre Welt von Jules Verne erschaffen, dem berühmtesten Sohn der Stadt.

Auf der Reise sorgte das Essen in den Gastfamilien immer wieder für Diskussionsstoff. „Ich bin es gewohnt, herzhaft zu frühstücken“, sagt Nele (15). „Hier gibt es Cornflakes. Das ist nichts für mich.“ „Insgesamt sind die einzelnen Mahlzeiten nicht so üppig wie bei uns, sondern fallen kleiner aus“, resümiert Annika (13). Tatsächlich essen die Franzosen nicht mehr als wir, widmen den einzelnen Gängen aber mehr Aufmerksamkeit. Zwei Stunden für das Abendessen und überschaubare Portionen sind durchaus üblich. Nicht umsonst sind die französischen Frauen für ihre schlanke Linie bekannt.

Tränen zum Abschied

Auch meine Gastgeber Marie-Jo und Alain Branger sind Fans der französischen Küche und tischten mir regionale Spezialitäten auf. Besonders gern mochte ich die eingelegten Sardellen, die ich wie Alain auf einer Scheibe geröstetem Brot zum Frühstück aß.

Wir verstanden uns auf Anhieb. Kein Wunder, auch in meiner Heimat kennen sie sich gut aus, waren schon unzählige Male in Glinde zu Gast, kennen den Sachsenwald, die Elbe, die Billequelle in Trittau, die Elphi in Hamburg und sind große Fans der Stadt Schwerin und des kulturellen Austauschs. „Wir müssen uns verbrüdern, müssen zusammenhalten. Gegenseitig unsere Kultur kennen und schätzen lernen. Damit wir uns unter Nachbarn weiterhin gut verstehen“, sagen Marie-Jo und Alain. Da stimme ich voll und ganz zu. Leicht fällt es mir, den beiden morgens und abends die berühmten Bises – Küsschen links, Küsschen rechts auf die Wange – zu geben. Wie schnell man sich doch an andere Sitten gewöhnt.

Und wie schnell man sich näher kommen kann. Zum Abschied gibt es Tränen auf beiden Seiten. Wie gut, dass die Trennung nicht lange währt. Im August kommen die Franzosen zum Gegenbesuch nach Glinde. „Ich kann es kaum erwarten“, sagt Emmy (13). Auch ich freue mich auf ein Wiedersehen mit Marie-Jo und Alain. Einen Grillabend auf der Terrasse habe ich schon geplant.