Gemeinschaftsschule

Vermülltes Biotop wird jetzt zum Schulwald

Vladimir (14, v.l.), Acib (15), Timo (15) und Jano (13) schleppen Reifen und Müll, den sie im Schulwald gefunden haben, zum Container, den die Stadt bereitgestellt hatte. Jochen Bloch (BUND) begleitet die Aktion und freut sich über den Eifer der Schüler.

Vladimir (14, v.l.), Acib (15), Timo (15) und Jano (13) schleppen Reifen und Müll, den sie im Schulwald gefunden haben, zum Container, den die Stadt bereitgestellt hatte. Jochen Bloch (BUND) begleitet die Aktion und freut sich über den Eifer der Schüler.

Foto: Katrin Bluhm

24 Schüler der Sönke-Nissen-Schule haben ihren neuen Schulwald in Besitz genommen. Bei einer Aufräumaktion förderten sie Erstaunliches zu Tage.

Glinde.  „Herr Dr. Lebender hätte sich riesig gefreut“, davon ist Ulrike Kindervater, Konrektorin der Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule, überzeugt. Gestern haben die ersten ihrer Schüler den von Lebender initiierten Schulwald „An der Trift“ mit einer Aufräumaktion in Besitz genommen und das hat sich gelohnt.

Doch vor dem Start ins Grün erläuterte BUND-Chef Jochen Bloch den jungen Glindern, ausstaffiert mit gelben Schuljacken, Handschuhen und Müllsäcken, dass ihr Schulwald eigentlich ein Biotop sei. „Ein Biotop bleibt wie es ist und eures ist Teil des längsten Biotopverbunds in Europa. Es reicht von Mecklenburg-Vorpommern bis nach Bayern“, erklärte er. „In ein Biotop trägt man nichts rein und nimmt auch nichts raus – abgesehen von Müll“, sagte er, schnappte sich einige der 24 Schüler und los ging’s. Allerdings erst nachdem definitiv geklärt war, dass in diesem Wäldchen keine Schlangen zu erwarten seien.

Fünf Reifen gefunden

Schnell waren in dem 5000 Quadratmeter großen Gelände viele gelbe Gestalten unterwegs und förderten Unglaubliches zu Tage. Da staunten sogar die Kinder nicht schlecht. „Wir haben fünf eigentlich gute Reifen gefunden“, sagte Jano (13). „Wer wirft so etwas weg? Und dann noch in den Wald?“ Er und sein Kumpel Vladimir (14) stöberten gleich noch einen riesigen Fußballsitzsack, eine große Kinderklaviertastatur und ein Bobbycar im Gebüsch auf. Lisa (12) wurde mit einem Fußbänkchen und einem Metallregal fündig. Viel Papier, Plastik, Schleifen und alte Zeitungen trugen Sophie (12) und Jessica (13) zusammen. „Wir wollen einfach was für die Umwelt tun“, waren sich die Freundinnen aus der sechsten Klasse einig. Das sahen ihre Schulkameraden genauso.

„Ich war sehr positiv überrascht. Es haben sich 85 Schüler freiwillig zum Aufräumen im Schulwald gemeldet“, berichtet Kindervater. Überhaupt sei dies eine Aktion, die sie einfach glücklich mache. Auch Kollegin und Fachleiterin Henrike Höhle zeigte sich begeistert: „Wir werden den Schulwald häufig nutzen und in Doppelstunden gern herkommen. Wir gehen von der Schule nicht einmal zehn Minuten.“ Vorstellen könne sie sich das Bestimmen der Pflanzen und Tiere. „Jetzt geht es bald mit den Frühblühern los. Dann kommen auch die Insekten, die natürlich sofort nach der Bestimmung freigelassen werden“, betonte sie. Herbarien zu erstellen, die Geologie und auch eine Ausstellung über die Entwicklung des Waldes seien durchaus interessant, sagte sie.

Zaun erst im Herbst

Andreas Gostomczyk, Leiter des Gartenbauamtes, gab zu, dass er zunächst skeptisch gewesen sei: „Aber wenn die Schüler so dranbleiben, ist das eine tolle Sache.“ Der angedachte Zaun werde aber wohl aus Naturschutzgründen erst im Herbst aufgestellt werden, sagte er und freute sich, dass die CDU ihre dortige Garage an Stadt und Schule gegeben hat. Übrigens im Gegenzug zu deren Entrümpelung.

Richtig zufrieden war Jochen Bloch: „Das ist toll. Wir werden das Projekt auf jeden Fall unterstützen. Vielleicht kommen einige Kinder sogar zum BUND“, hofft er.