Obduktionsergebnis

Totes Baby war ein Junge und eine Frühgeburt

Sechstklässler haben nahe dem Schulzentrum eine Babyleiche entdeckt. Der Ort ist sehr abgelegen, etwa 50 Meter vom Wanderweg im Gellhornpark entfernt (roter Kreis).

Sechstklässler haben nahe dem Schulzentrum eine Babyleiche entdeckt. Der Ort ist sehr abgelegen, etwa 50 Meter vom Wanderweg im Gellhornpark entfernt (roter Kreis).

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

Reinbek. Die Todesursache verraten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht. Sie haben Angst, ihre Ermittlungen zu gefährden.

Glinde.  Das tote Baby, das ein Gymnasiast (12), am Freitag beim Müllsammeln nahe seiner Schule im Gellhornpark gefunden hat, war ein Junge – vermutlich eine Frühgeburt im siebten Schwangerschaftsmonat. Das hat die Obduktion des Säuglings ergeben. Nach Einschätzung der Rechtsmediziner liegt der Tod des Babys einige Tage zurück. Ob es eine Totgeburt war, dazu wollte Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst gestern nichts sagen. „Zur Todesursache äußern wir uns nicht“, sagte sie. Weitere Ergebnisse will sie derzeit nicht veröffentlichen, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.

Der Fokus der weiteren Ermittlungen liegt auf der Klärung der Identität des Kindes und seiner Eltern. Dazu wird aktuell die DNA des Kindes molekulargenetisch untersucht und bestimmt.

Unbekannte haben Blumen in den Zaun gesteckt

Bisher sind erst weniger als zehn Zeugenhinweise bei der Polizei eingegangen. Ihnen wird nachgegangen. So fragten die Ermittler unter anderem nach einem blauen Handtuch der Marke „Castell“, in das der kleine Leichnam eingewickelt war. Der Fundort ist abgelegen, etwa 50 Meter entfernt vom Wanderweg durch den Gellhornpark. Dort erstreckt sich Richtung Norden bis zu den Sporthallen dichtes Unterholz (siehe Foto). Unbekannte haben gestern in der Nähe des Ablageorts Blumen in einen Zaun gesteckt.

„Wir brauchen weitere Hinweise“, sagt Oberstaatsanwältin Dr. Ulla Hingst. „Polizei und Staatsanwaltschaft bereiten aktuell noch eine Plakataktion vor, mit der wir uns noch diese Woche an die Öffentlichkeit wenden.“ Mit der Aktion soll die Identität des Kindes weiter geklärt werden.

Langsam kehrt wieder Normalität ein

Das Schulzentrum am Oher Weg stand gestern noch unter Schock. Doch die Lehrerkollegien bemühten sich, den Kindern den Weg zurück in den Alltag zu erleichtern. „Ich habe den Eindruck, dass langsam bei uns wieder Normalität einkehrt“, sagte Eva Kuhn, Schulleiterin des Gymnasiums Glinde. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Yvonne Pohle von der Gemeinschaftsschule Sönke Nissen wandte sie sich gestern erstmals in einer Mitteilung an die Öffentlichkeit. „Die Kinder waren durch diesen Fund sehr verstört“, sagte sie. Die Schulleitung und besonders vertraute Lehrer betreuten sie zuerst in einem extra Raum, bis Pastor Sören Neumann-Holbeck und sein Kollege Wolfgang Stahnke in ihrer Funktion als Notfall-Seelsorger zu ihnen in die Schule kamen. Etwa 24 Kinder hatten das Bedürfnis, mit ihnen über das Erlebte zu sprechen. 14 Sechstklässler wurden von ihren Eltern vorzeitig aus der Schule abgeholt.

Seelsorger betreuen die Kinder

Das Kriseninterventionsteam, bestehend aus beiden Schulleitungen, der Schulaufsicht, Notfallseelsorgern und Schulsozialarbeit stimmte das weitere Vorgehen ab. „Der Tenor war tatsächlich, dass die Unterrichtsstruktur den Kindern hilft. Neben der Möglichkeit, über das Erlebte zu sprechen, ist der Alltag wichtig, um den Kindern Sicherheit zurückzugeben“, erläutert Eva Kuhn.

Auch in den Telefonaten mit besorgten Eltern am Wochenende sei der Wunsch nach Normalität deutlich geworden. Daher begann mit der zweiten Stunde der Unterricht, während des Vormittags standen aber auch Notfallseelsorger bereit, um gemeinsam mit den Lehrern im Unterricht mit den Klassen zu sprechen. Bei Bedarf können einzelne Schüler sich auch in den folgenden Tagen an Seelsorger oder Schulsozialarbeiter vor Ort wenden.