Oststeinbek

Chaotische Senioren-WG op Plattdütsch

Laienspielgruppe probt die turbulente Komödie „Dree niege Froons för Johann“

Oststeinbek. . Ein wenig schusselig ist Rentner Johann (Jogi Wegner) im Alter geworden. Aber die Lebenszeit, in der man Menschen „rüstig“ nennt, wenn sie ohne Rollator durch die Welt turnen, liegt noch in weiter Zukunft: Johann kann noch, will noch. Nur seine Ehefrau Sylvia will nicht mehr, zumindest nicht mehr mit ihm.

Es gibt Gerüchte, sie sei mit einem chilenischen Flötenspieler abgedampft. Und weil Johann das Junggesellenleben irgendwie nicht so richtig hinbekommt – auf dem Essensplan stehen regelmäßig Fischstäbchen und Dosenbier –, besorgt Sohn Moritz (Peter Kolkmann) ihm eine neue Bleibe: ein Zimmer in einer Senio- ren-WG, 400 Euro kalt, mit „verhaltensorigineller Hausgemeinschaft“, wie Vermieter Schaller sagt, den Klaus Grünitz spielt, der seit 1979 bei den Oststeinbeker Laienspielern auf der Bühne steht.

Hier setzt „Dree niege Froons för Johann“ ein, die neue Komödie der Theatergruppe aus Stormarns Süden: im Aufenthaltsraum einer Wohngemeinschaft für den Lebensherbst. Am Sonnabend, 16. März, ist Premiere. Bis dahin ist noch Zeit – und so sind an diesem Abend zur Probe im Bürgersaal des Kratzmannschen Hofs noch Textbücher in den Händen der Darsteller. Die Bühne steht bereits. Ein Vorhang muss vor der Probe noch angebracht, Kostümteile anprobiert werden.

„Es ist ein frisches und freches Stück“, sagt Maik Höper, der mit seiner Frau Stephanie Regie führt, „wir haben schon beim Lesen viel gelacht“. Die schnelle Komödie sei indes gar nicht so leicht zu spielen, so Höper, der sonst bei der Laienspielgruppe auf der Bühne steht. Das liege vor allem an den „speziellen Charakteren“.

Die Hauptrolle spielt Jogi Wegner, erster Vorsitzender des Theatervereins, seine Ehefrau Gitti spielt Sylvia: die Frau, die ihn auf der Bühne verlässt. „Zum Glück nur im Stück“, sagt Wegner, grinst und geht auf die Bühne.

Dort stellen sich die drei betagten WG-Damen ihrem neuen Mitbewohner vor: die verführerische Emily, mit der Svea Peters (19) – mit grauer Perücke auf alt getrimmt – ihren Einstand in Oststeinbek gibt, die Alt-68erin Ella (Christina Teichmann) und Wiebke Steinfatt, die als Elke ihre kleine Rente als Medikamententesterin aufbessert – mit Nebenwirkungen wie extremer Schreckhaftigkeit. Die drei Frauen sorgen immer wieder für das totale Chaos auf der Bühne.

Schauspielerin Christina Teichmann arbeitet gerade noch an der richtigen Mischung aus Bühnenspannung und der Unaufgeregtheit, die in der Rolle mit regelmäßigem Cannabiskonsum einhergeht. „Ich muss Bewegungen und die Tonlage finden“, sagt sie. Aus Erfahrungen ihrer Jugend könne die 53 Jahre alte Beamtin nicht schöpfen. Als junge Frau Anfang der 80er-Jahre fühlte sie sich eher den Poppern zugehörig, mit den Hippies habe sie nicht zu tun haben wollen.

Die drei Rentnerinnen freuen sich sehr über den männlichen Zuzug in ihre Gemeinschaft und buhlen um Johanns Gunst. „Resturlaub im Ladyhort“ lautet der vielsagende Titel der Komödie von Bernd Spehling im hochdeutschen Original. Die niederdeutsche Fassung stammt von Wolfgang Binder. „Das Stück ist an manchen Stellen ganz schön frivol“, sagt Maik Höper. Aber in einer Komödie darf es ja auch mal etwas heftiger zugehen.

Was in der WG passiert, bekommt im Laufe des Stückes auch Johanns Ehefrau Sylvia spitz. Sie will den Umschwärmten wieder für sich gewinnen und schleicht sich inkognito in die Senioren-WG. Ein turbulenter Abend.

Dree niege Froons för Johann Karten für 10 Euro gibt es im Gasthaus Pampilo, Möllner Landstraße 22. Der Vorhang hebt sich um 18 Uhr im Bürgersaal nebenan, weitere Termine unter www.laienspielgruppe-oststeinbek.de.