Kunst

Großvater und Enkel stellen zusammen im Gutshaus aus

Dieter (85) und Tom (16) Simon mit jeweils einem ihrer Ausstellungsbilder.

Dieter (85) und Tom (16) Simon mit jeweils einem ihrer Ausstellungsbilder.

Foto: Tim Schreiber / BGZ / Tim Schreiber

Glinde. Kreativität ist wohl vererbbar: Wenn Großvater Dieter Simon und Enkel Tom ihre Werke ausstellen, trifft Foto- auf Graffitikunst.

Glinde.  Zwischen ihnen liegen nicht nur fast 70 Jahre – auch ihre Bilder entstehen in einer ganz unterschiedlichen Herangehensweise. Trotzdem, oder gerade weil in diesen Kontrasten ein Reiz liegt, stellen die beiden Harburger Dieter Simon und sein Enkel Tom vom 7. Februar an ihre Werke gemeinsam im Gutshaus Glinde aus.

„Ich war ein bisschen überrascht, als wir das Angebot dafür bekommen haben. Wir haben uns aber sehr darüber gefreut“, sagt Dieter Simon. Der 85-Jährige hat, seit er in den Ruhestand gegangen ist, mit seinen auf Leinwand gedruckten Fotos Dutzende Ausstellungen gefüllt, 2013 sogar auf Mallorca. Schon im vergangenen Jahr präsentierte er
45 Fotos im Guthaus. Über den schon bestehenden Kontakt zum Kunstverein Glinde und zur Stiftung Sönke-Nissen-Park kam die neuerliche Ausstellung zu Stande.

Die Kamera immer mir dabei

Viel fotografiert hat Dieter Simon aber schon immer. Als der heute 85-Jährige noch als Professor an der Hamburger Fachhochschule junge Architekten ausbildete, nutze er seine Fotos, um die Wahrnehmung seiner Studenten zu schärfen und ihnen beizubringen, genau hinzusehen und auch mal einen anderen Blickwinkel einzunehmen.

Auch heute trägt Simon seine kleine Kompaktkamera oft mit sich herum, wartet auf Inspiration und ein lohnenswertes Motiv. Um Kameratechnik, Belichtungszeiten und Blendenwerte kümmert er sich dabei kaum: „Ich benutze bei meinen Fotos nicht einmal ein Stativ“, so der 85-Järige, der seine Bilder auch nicht am Computer nachbearbeitet, sondern höchstens mal den Bildausschnitt anpasst. Seine eher abstrakten Fotos zeigen Strukturen und Oberflächen von ganz verschiedenen Materialien. Dabei spielt er mit Perspektiven, Farben und Proportionen: „Mich springen meine Motive förmlich an. Das ist der Unterschied zu Tom, dessen Inspiration von innen kommt“, sagt Dieter Simon.

Immer viel „gekritzelt“

Denn was für den Großvater die Kamera, ist für den Enkel der Stift und ein Stück Papier: „Ich habe eigentlich immer schon sehr viel gekritzelt“, sagt Tom Simon. Das sei für ihn wie eine Art Meditieren, egal, ob er Figuren Charaktere, Formen oder Buchstaben zeichne.

Irgendwann hätten die ersten Leute aber zu ihm gesagt, dass das mehr sei als „Gekritzel“. Der Berufsschüler sprühte Graffiti in der Garage und beschäftigte sich auch in der Schule viel mit dem Thema, hielt Referate und bekam in Kunst immer eine Eins. „Hinter jedem Bild, das ich gemacht habe, stecken Emotionen und Eindrücke sowie eine Geschichte“ – darunter die eigene Herkunft, aber auch Depressionen und Drogenrausch, sagt der 16-Jährige.

Die Ausstellung „Kontraste – Zwei-Generationen-Treffen“ ist bis zum 31. März im Gutshaus Glinde (Möllner Landstraße 53) zu sehen. Die Vernissage, samt Gespräch mit den Künstlern, steigt am Donnerstag um 19.30 Uhr.