Glinde

Kahlschlag im Kampf gegen Borkenkäfer

Mit 24 starken Strahlern leuchtet der Harvester das Areal des Stadtwaldes aus. Er fällt befallene und bereits abgestorbene Fichten, entastet sie und schneidet Stämme in transportable Längen.

Mit 24 starken Strahlern leuchtet der Harvester das Areal des Stadtwaldes aus. Er fällt befallene und bereits abgestorbene Fichten, entastet sie und schneidet Stämme in transportable Längen.

Foto: Katrin Bluhm / Bluhm

Glinde. Tabula Rasa auf der Aufforstungsfläche Willinghusener Weg: Forstarbeiter bekämpfen Borkenkäfer, der sich hier ausgebreitet hat.

Glinde.  Ein geradezu gespenstisches Szenario präsentiert sich am Mittwochabend Anwohnern und Passanten am Willinghusener Weg. Grelle Strahler leuchten den Wald nahe dem Parkplatz aus. Eine hohe Fichte nach der anderen fällt, wird entastet und in lange Stammstücke zersägt. Garten- und Forstunternehmer Leonid Wilms und sein Mitarbeiter sind mit dem Harvester unterwegs und machen auf der Fläche, die in Teilen im vergangenen Jahr aufgeforstet wurde, tabula rasa.

Hier haben die Borkenkäfer, genau „Buchdrucker“ und „Kupferstecher“, im heißen Sommer 2018 zugeschlagen und vielen alten Fichten den Rest gegeben. Ausgerechnet auf der Fläche, auf der Revierförster Jens Lübbers 2017 an die 7000 Jungbäume hat pflanzen lassen. Zwischen den wenigen, gut 30 Meter hohen Fichten, die den Sturm 2014 überlebt hatten, fanden junge Douglasien, Buchen und Traubeneichen einen neuen Standort, auf der übrigen Fläche wurden Eichen gesetzt.

Bis zu 180 Festmeter Holz müssen raus

„Der trockene, heiße Sommer hat die Entwicklung der wärmeliebenden Borkenkäfer sehr begünstigt“, erläutert Lübbers, der für den Stadtwald zuständig ist. „Die Bäume müssen entnommen, das Holz muss abtransportiert werden.“

Das bringt Leonid Wilms und den Harvester auf den Plan. „Wir gehen sehr vorsichtig vor, damit möglichst viele der Jungbäume erhalten bleiben. Deshalb schaffen wir alle 20 Meter Rückegassen. In denen wird das Baumkronenmaterial gelagert. Darüber fährt später der Vorwarder, der das bereits zugeschnittene Stammholz aus der Fläche holt“, erläutert Wilms.

Hoffentlich schaffen es viele Jungbäume

Er rechnet mit etwa 130 bis 180 Festmeter Holz unterschiedlicher Qualität. „Es gibt gute Stämme, die der Harvester auf fünf Meter Länge zuschneidet. Die werden im Sägewerk zu Bauholz verarbeitet. Das minderwertige Holz wird zu Kisten, Paletten oder Sperrholz gemacht.“

Der Förster freut sich über das Frostwetter. „So hinterlassen die Maschinen keinen großen Schaden auf dem Boden“, sagt Lübbers. Er rechnet damit, dass viele Jungbäume die Fällarbeiten überstehen. Endgültig bewerten, ob nachgepflanzt werden müsse, könne er aber erst im Frühjahr oder Sommer.

Auch Areal des Wasserwerks ist befallen

Dann wird auch erst offenbar, ob die Fällaktion erfolgreich war oder ob die Käfer sich bereits weiter auf andere Bäume ausgebreitet haben. „Wir werden streng kontrollieren müssen, was in den umliegenden Beständen passiert“, kündigt Lübbers an. „Normalerweise können gesunde Fichten mit den Käferattacken umgehen. Die Bohrlöcher verharzen. Aber wenn der Befall so massiv ist, bringen die Käfer die Bäume um.“

Parallel zu den Arbeiten im Stadtwald läuft auch auf dem Gelände des Wasserwerks der Kampf gegen Borkenkäfer. „Hier ist Gefahr im Verzug. Unsere Fachfirma ist bereits unterwegs und fällt die Bäume, von denen Gefahr ausgeht. Schließlich müssen wir für Verkehrssicherheit sorgen“, sagt Wassermeister Horst Wempen. Er hat noch keine Rückmeldung der Firmen und weiß noch nicht, wie lang die Arbeiten dauern werden.