Vorstoss

Glinde: Wohnen auf dem TSV-Gelände?

Drei Hektar ist die Fläche des TSV groß. Sie ist teils von Wohnbebauung umgeben und liegt unweit des Zentrums.

Drei Hektar ist die Fläche des TSV groß. Sie ist teils von Wohnbebauung umgeben und liegt unweit des Zentrums.

Foto: aufwind-luftbilder, Holger Weitzel / aufwind-luftbilder

Glinde. Der Vorstoß ist mutig, die Umsetzung teuer: Der TSV sollte umziehen. Dann könnten seine Flächen bebaut werden.

Glinde.  Bezahlbarer Wohnraum ist auch in Glinde ein großes Problem. Mittlerweile fehlt es auch an städtischen unbebauten Grundstücken, auf denen Mehr- und Einfamilienhäuser errichtet werden könnten. Bei einer Bauausschusssitzung hat Bürgermeister Rainhard Zug nun unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine besonders attraktive Fläche ins Spiel gebracht – das Gelände des TSV an der Straße Am Sportplatz.

Das 30.000 Quadratmeter große Areal gehört der Stadt, der TSV hat es per Erbbaurechtsvertrag gepachtet. Wie und ob der vorzeitig aufgelöst werden kann, ist bislang nicht geklärt. Statt Wohnbebauung wären auch weitere dringend benötigte Gewerbeflächen laut Zug eine Option.

Tatsächlich befindet sich hinter dem Sporthotel auf dem TSV-Areal eine Fläche, für die ebenfalls eine Bebauung im Gespräch ist, eine ehemalige Mülldeponie.

Neuer TSV-Standort auf Friedhofsausgleichsfläche

Für den TSV hat der Bürgermeister schon eine Lösung parat: Der Verein könne auf die freie Fläche zwischen Willunghusener Weg und Kupfermühlenweg schräg gegenüber vom Friedhof umziehen. Das sechs Hektar große Gelände ist bislang im Flächennutzungsplan Erweiterungsfläche für den Friedhof. „Das jüngst erstellte Friedhofskonzept hat ergeben, dass die Fläche in Zukunft nicht mehr benötigt wird, der Friedhof in seiner derzeitigen Form sogar noch zu groß ist“, sagt Zug. Andere Nutzungen wären also sinnvoll. Einzig das alte, private Forsthaus auf dem Gelände könnte ein Hindernis werden.

Bislang sei der Vorschlag aber nicht mehr als eine Idee, so Zug. Er habe sie als eine Möglichkeit, die Stadt weiter zu entwickeln, zur Diskussion gestellt. Weder gebe es einen politischen Beschluss noch einen gültigen Bebauungsplan.

Dennoch hat der Vorstoß hinter den Kulissen für Wirbel gesorgt, war TSV-Geschäftsführer Joachim Lehmann zuerst „sprachlos“. „Doch je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Vorteile sehe ich“, sagt er. Mit einem Schlag wäre der Sportverein einen Großteil seiner Probleme los und Anwohner gegenüber der TSV-Anlage ihre. Die ärgern sich seit Längerem über Lärm bei größeren Sportveranstaltungen. Ihre Beschwerden haben vor zwei Jahren sogar dazu geführt, dass die unter Jugendlichen beliebte Beach-Volleyball-Anlage wieder abgebaut wurde. Seitdem parken auf der Fläche Autos.

Neue Sportstätten würden Millionen kosten

Stellplätze sind ein weiteres Dauerärgernis: Es gibt für die Sportstätte samt Restaurantbetrieb sowie die Kita nebenan zu wenige. „Der Fehler liegt Jahrzehnte zurück, die Stadt hat zu wenig gebaut“, weiß Lehmann aus alten Unterlagen. Das kommt dem TSV heute teuer zu stehen, denn er wird jetzt sechs weitere Stellflächen für jeweils bis zu 8000 Euro bauen müssen. Solche Probleme hätte der TSV nach einem Umzug nicht, meint Lehmann: „Ein Parkhaus über zwei Ebenen sowie eine gute Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr wären Voraussetzungen.“ Auch sonst hat der Vereinschef viele Ideen: neun Tennisplätze, ein Tanzsportzentrum, ein kleines Hallenbad samt Sauna, eine Vereinsgaststätte, zwei Kunstrasenplätze sowie eine Kleinfeldanlage, um nur einige zu nennen. Mehrere Millionen Euro würde das Ganze kosten.

„Fragt sich nur, wer das alles bezahlt“, sagt Rainhard Zug. Am Ende müssten die Politiker entscheiden, ob sie die Idee mittragen. Zuvor müssten sie aber die Frage klären, ob Glinde weiter wachsen soll. Bislang war politischer Konsens, dass bei 20.000 Einwohnern die Grenze erreicht ist. Derzeit zählt die Stadt bereits 18.700 Einwohner.