DaZ-Zentrum

Umzug bringt Integration voran

Ministerin Karin Prien besuchte das an die Gemeinschaftsschule Wiesenfeld verlegte DaZ-Zentrum, unterhielt sich mit der Schülerin Aya Khadar aus Syrien.

Ministerin Karin Prien besuchte das an die Gemeinschaftsschule Wiesenfeld verlegte DaZ-Zentrum, unterhielt sich mit der Schülerin Aya Khadar aus Syrien.

Foto: BGZ / Undine Gerullis

Die Verlegung des DaZ-Zentrums von der einen Gemeinschaftsschule an die andere , war nicht unumstritten. Doch es hat geklappt.

Glinde.  Aya Khadar kam vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland. „Ich bin dankbar, dass ich in Sicherheit lebe und zur Schule gehen darf“, sagt die 15-Jährige. Aya Khadar ist eine von derzeit 33 Schülern aus 14 Nationen, die im Glinder DaZ-Zentrum (Deutsch als Zweitsprache) intensiv Deutsch lernen, bevor sie in Regelklassen wechseln.

Seit neun Jahren bewährt sich die Praxis in Glinde. Über lange Jahre war das DaZ-Zentrum an der deutlich kleineren Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule angesiedelt. In den Sommerferien musste es an die Gemeinschaftsschule Wiesenfeld umziehen – eine Entscheidung, die ganz oben im Kieler Bildungsministerium gefällt wurde, nachdem die Fusion der beiden Gemeinschaftsschulen mit dem Bürgerentscheid gescheitert war.

Die Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule sollte gestärkt werden. Die Schule am Oher Weg hatte die vergangenen Jahren eine enorme Integrationsarbeit zu stemmen, war damit teils überlastet. Kein Wunder, hat doch über die Hälfte der Schüler (51 Prozent) ausländische Wurzeln. Die politische Entscheidung war nicht unumstritten. Das weiß auch Bildungsministerin Karin Prien (CDU). „Um so wichtiger war es mir, mir vor Ort anzusehen, ob alle Beteiligte zu einer guten Lösung gekommen sind“, sagte Prien Mittwoch während eines Schulbesuchs.

Schule kam an ihren Grenzen

Und das sind sie: „Ich mag die neue Schule. Wir wurden sehr gut aufgenommen“, sagt Aya Khadar. Das kann Daniel Meier, Leiter des DaZ-Zentrums, mit derzeit zwei Lerngruppen bestätigen. Was ihm besonders gut gefällt ist, dass die Schüler hier von Anfang an teilintegriert sind, sie je nach Vermögen in spracharmen Fächern wie Sport oder Kunst in Regelklassen mitlaufen. „Dort lernen sie viel besser Deutsch als bei mir“, ist Meier überzeugt. An der Sönke-Nissen-Schule war eine Teilintegration, gerade auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise vor drei Jahren, kaum mehr möglich, kam die Schule an ihre Grenzen. „Wohin auch integrieren, wenn die Mehrheit kein Deutsch spricht“, hatte der damalige Schulleiter Sascha Plaumann gefragt.

Der Anteil ausländischer Schüler an der Gemeinschaftsschule Wiesenfeld hingegen betrug vor dem Wechsel des DaZ-Zentrums nur 16 Prozent, stieg nun auf rund 19 Prozent. Für Schüler und Lehrer ist das kein Problem. „Menschlich läuft es sehr gut, nehmen unsere Schüler die neuen an die Hand “, sagt Schulleiter Johannes Haarbeck. Noch kann die Schule den Anstieg an Kindern aus Flüchtlingsgebieten und Einwandererländern gut verkraften. „Langfristig aber“, sagt Haarbeck, „müssen Schülerströme organisiert werden.“

Gremium entscheidet über Schule für DaZ-Schüler

Er meint damit, dass die DaZ-Schüler aus Syrien und Afghanistan, aus Thailand und der Ukraine spätestens nach zwei bis drei Jahren für die Aufbaustufe an eine andere Schule wechseln sollten. An die, die ihrem Wohnort am nächsten ist oder solche, die freie Kapazitäten hat. Wohin soll künftig ein Gremium aus Schulleitungen und Schulaufsicht entscheiden. In der Vergangenheit waren die Schüler weniger flexibel, blieb die Mehrheit an der Sönke-Nissen-Gemeinschaftsschule, wo sie bereits teilintegriert waren.

Vorerst auf zwei Jahre ist das DaZ-Zentrum am Holstenkamp angesiedelt. „Wie es dann weitergeht, wird evaluiert“, sagt Karin Prien. Sie bedankte sich für das große Engagement der Lehrkräfte und Schüler und will einige ihrer Verbesserungsvorschläge mit nach Kiel nehmen – unter anderem, dass das Lehrmaterial in den Regelklassen vereinfacht werden soll. „Viele meiner Schüler könnten die Matheaufgabe lösen, verstehen die kompliziert gestellte Frage aber nicht“, sagt Meier.

Derzeit lernen insgesamt 5185 Schüler in 385 DaZ-Klassen in ganz Schleswig-Holstein, 298 davon an 15 Zentren in Stormarn. Karin Prien ist davon überzeugt, dass „in einer globalisierten Welt DaZ-Zentren weiter gebraucht werden“. Darum stattet sie diese trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen personell weiterhin gut aus.

„Je besser die Schüler im Vorfeld Deutsch lernen, desto weniger wird der Lernfluss in den Regelklassen unterbrochen“, lobt Stormarns Schulrat Michael Rebling diese Entscheidung. „Und davon profitieren dann alle.“