BUND

Forellenbach teils stark mit Nitrat belastet

Dr. Volker Sokollek  schöpft Wasser aus dem Forellenbach an der Fußgängerbrücke nahe dem Musischen Forum, um den Nitratgehalt zu überprüfen.

Dr. Volker Sokollek schöpft Wasser aus dem Forellenbach an der Fußgängerbrücke nahe dem Musischen Forum, um den Nitratgehalt zu überprüfen.

Foto: Susanne Tamm

Oststeinbek. BUND prüft Wasserqualität in Bächen und Flüssen. Hintergrund: Die EU-Wasserrahmenrichtlinie soll endlich erfüllt werden.

Oststeinbek.  Die BUND-Ortsgruppe hat örtliche Gewässer auf Nitratbelastung untersucht. Ergebnis: Forellenbach und Glinder Au sind mit zehn Milligramm pro Liter meist gering belastet. Doch hinter der Fußgängerbrücke nahe dem MuFo stießen Jochen Bloch, Leiter des BUND Stormarn, und Hydrologe Dr. Volker Sokollek im Forellenbach auf eine Konzentration von 30 Milligramm pro Liter.

Damit gilt diese Stelle als kritisch belastet. „Mit bloßem Auge ist die Verunreinigung nicht zu erkennen“, sagt Bloch. „Das Wasser wirkt klar.“ Die Ursache für den Ausreißer kennen beide bisher nicht. „Das ist völlig inakzeptabel“, sagt Jochen Bloch. „Wir werden diesen Teil des Forellenbachs jetzt öfter untersuchen um festzustellen, ob dieser Wert ein Ausrutscher ist oder regelmäßig auftritt.“ Gewöhnlich gebe es Nitrateinspülungen etwa durch Dünger der Landwirtschaft oder auch durch die Industrie, was an dieser Stelle nicht infrage komme.

Umsetzung von 2015 auf 2027 verschoben

Hintergrund der aktuellen Untersuchungen ist die bundesweite BUND-Kampagne „Rette unser Wasser“ des BUND. Denn am 20. und 21. September, während der internationalen Wasserkonferenz in Wien, rückt die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wieder in den Fokus. Der BUND fürchtet eine Verwässerung der Gesetze oder eine erneute Frist-Verschiebung.

Ursprünglich sollten laut WRRL aus dem Jahr 2000 alle europäischen Gewässer bis 2015 in einen „guten Zustand“ versetzt werden. Mehr als 90 Prozent der deutschen Gewässer aber seien nach Ansicht der Umweltverbände in einem „erbärmlichen Zustand“. Die Frist habe Deutschland mittlerweile auf 2027 hinausgeschoben. Sämtliche europäischen Länder haben sich auf maximale Schadstoffkonzentrationen, den Erhalt eines natürlichen Pflanzen- und Tierbestands, der Durchgängigkeit der Fließgewässer für alle Lebewesen sowie auf eine naturnahe Uferzone, etwa durch Gewässerrandstreifen von mindestens zehn Metern zwischen Äckern und Gewässern, geeinigt. „Auch der wird in Oststeinbek bei Weitem nicht eingehalten“, moniert Bloch.

Ministerin soll sich für WRRL einsetzen

Die Ergebnisse der Untersuchungen, die die Umweltschützer mithilfe von Katalysatoren und einer Farbvergleichstabelle gewonnen haben, haben sie noch am selben Tag an die BUND-Zentrale nach Berlin gemeldet. Sie sollen mit den Ergebnissen aus vielen anderen deutschen Orten samt einer Unterschriftenliste (Stand gestern: 95 740) als Argumentationshilfe an Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) gehen, damit sie sich für den Erhalt der WRRL und gegen eine Lockerung einsetzt.

Schulze hatte dem BUND bereits nach der Übergabe der ersten 36 000 Unterschriften bestätigt, dass Bund und Länder klar zur WRRL stünden. Joschka Knuth, Sprecher des Umweltministeriums in Kiel, sagte gestern: „Die Wasserrahmenrichtlinie hat sich als wichtiges Instrument für den Gewässerschutz bewährt.“ Eine Fortsetzung nach 2027 unter Beibehaltung des Zielniveaus sei unverzichtbar, um Verbesserungen zu erreichen. Die BUND-Mitglieder glauben dies erst, wenn die Vereinbarung endlich erfüllt wird.