Havighorst

Altes erstrahlt in neuem Glanz

Geschickte Hände arbeiten Möbel auf

Havighorst.  Einen solchen Barockschrank bekommt auch Torsten Rautenkrantz nicht so oft unter die Finger. Gut 2,20 Meter hoch und mindestens ebenso breit. Nicht nur das Schloss ist original erhalten und damit wie die anderen Beschläge und die Schnitzereien an die 280 Jahre alt. „Schon toll“, sagt der 53-Jährige, der am Krähenberg in Havighorst die „Möbelkiste“ betreibt. „Nicht so toll ist der Restzustand. Das wird eine Menge Arbeit“, sagt er und zeigt auf eine Spalte zwischen den einzelnen Schrankelementen und Lücken in den barocken Holzteilen. „Das muss der Eigentümer entscheiden, ob alles, was fehlt, auch ersetzt werden soll“, erläutert er. Eigentlich seien alle Teile nachgebaut erhältlich. Nach intensiver Restaurierung soll der alte norddeutsche Schrank ein herrschaftliches Haus der Gegend zieren, mehr mag Rautenkrantz nicht verraten.

Wenn er und sein Mitarbeiter Michal Cybulski sich nicht gerade um alte Schätze kümmern, liegt der Fokus der Möbelkiste auf gut 100 Jahre jüngeren Möbeln. Ihnen ebnen sie den Weg in moderne Stuben. So wird das Louis- Philippe-Vertiko, in desolatem Zustand auf dem Sperrmüll gefunden, schließlich in „Shabby-Chic“, also kreidefarben geweißt, eine neue Heimat finden. Oder die Mahagoni-Anrichte, deren Marmorplatte durch eine alte Kiefernplatte ersetzt wurde. Auf ihr thront nun ein historisches Keramik-Waschbecken samt Armaturen. Damit der Anschluss funktioniert, hat Rautenkrantz die oberen Schubladen angepasst.

Auch die dänische Gründerzeit-Kommode erstrahlt in Weiß mit schönen Messingbeschlägen. Sie wird mit einem Aufsatz aus massivem, ebenfalls weiß lackiertem Kiefernholz zur dekorativen Wickelkommode für den Nachwuchs.

Manchmal trauert Rautenkrantz ein bisschen, wenn er altes Holz weiß oder hellgrau lackieren soll. „Aber Nussbaum will wirklich keiner mehr zu Hause haben. Die Formen der Möbel sind aber trotzdem schön und dekorativ“, sagt der Liebhaber alter Dinge. Aus der Liebhaberei ist übrigens 1999 auch seine Selbstständigkeit entstanden. „Ich habe damals viele Möbel für die Familie aufgearbeitet und damit nicht mehr aufgehört“, sagt der Vater zweier erwachsener Kinder, der einst Kfz-Mechaniker gelernt hat.

Wer also einen alten, modern überholten Tisch, eine Gesindebank, eine Anrichte, einen Sekretär, auch einen Kronleuchter, die alte Saftpresse, Emaillewaren, altes Steingut sucht oder ein eigenes Möbel vor dem Sperrmüll retten möchte, sollte bei Torsten Rautenkrantz vorbeischauen. Mehr unter www.happy shabby.de.