Kandidat

Bürgerpreis: Dieser Flüchtlingshelfer steht für Kontinuität

Jakob Rohde (51) ist Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Oststeinbek.

Jakob Rohde (51) ist Vorsitzender der Flüchtlingshilfe Oststeinbek.

Foto: Katrin Bluhm

Oststeinbek: Jakob Rohde ist als Vorsitzender der Flüchtlingshilfe ein Netzwerkbauer. Mit 40 Ehrenamtlichen kümmert er sich um 60 Flüchtlinge.

Oststeinbek.  Jakob Rohde engagiert sich, sehr sogar. Aber der 51-Jährige steht nicht gern im Mittelpunkt. So sieht sich der Bürgerpreiskandidat und Vorsitzende der Flüchtlingshilfe Oststeinbek lieber nur als Vertreter der gut 40 Ehrenamtlichen, die sich seit 2015 kontinuierlich bemühen, geflüchteten Menschen das Leben in Oststeinbek so freundlich wie möglich zu gestalten und ihre Integration zu fördern.

Er ist heute noch ein wenig irritiert, dass Europa mit seinen vielen Experten damals so von der großen Flüchtlingszahl überrascht wurde. „Das war abzusehen. Auch, dass die Ziele liberale Länder wie Deutschland, Schweden und die Niederlande sein würden. Dort haben viele Flüchtlinge Verwandte“, sagt er.

„Ich habe früh mit Bürgermeister Hettwer gesprochen, dass wir uns auf Flüchtlinge vorbereiten müssen“, erinnert er sich. „2014/15 sind die Menschen gekommen. Land und Kommunen waren total überfordert. Es gab in Oststeinbek schnell einen runden Tisch. Die Verwaltung hat gesehen, dass es ohne Ehrenamt nicht geht. Im Januar 2015 haben wir die Flüchtlingshilfe gegründet“, sagt Rohde, der selbst als Elfjähriger mit seiner Familie aus der Nähe von Damaskus nach Deutschland floh, heute mit einer Deutschen verheiratet ist.. „Allerdings hatte unsere Flucht mit den heutigen Flüchtlinge nichts zu tun. Wir kamen als Touristen mit dem Flugzeug und bekamen als aramäische Christen in Deutschland Asyl und eine neue Heimat.“

Kinder unterstützten Engagement des Vaters

Als 2015 jede Woche etwa 20 Flüchtlinge „in sein Dorf“ kamen, wurde gehandelt. Die Verwaltung mietete Wohnraum an. Die Flüchtlingshilfe kümmerte sich um die Menschen. „Mit Deutschkursen, denn die Sprache ist der Schlüssel für alles“, sagt Rohde. Hinzu kamen Nähgruppen, die Kleiderkammer für die erste Ausstattung, Sportangebote, der wöchentliche internationalen Männertreff und das Frauencafé: „Die Leute mussten raus aus den Unterkünften und Kontakt bekommen. Mit der Fahrradwerkstatt für Mobilität, den Lesepaten für die Schulkinder und mit viel Begleitung nach Oldesloe oder Neumünster“, zählt er weiter auf. „Glücklicherweise konnte und kann ich mich auf meine Kinder verlassen, die in unserer Kfz-Werkstatt arbeiten. So hatte und habe ich Zeit, mich zu engagieren.“ Genauso wie die Mitstreiter, auf die er stolz ist, weil ihr Engagement nicht aufhört, obwohl wegen der geschlossenen Grenzen kaum noch Flüchtlinge kommen.

Alle Gruppen bestehen bis heute und Jakob Rohdes Flüchtlingshilfe ist im sozialen Netzwerk der Gemeinde verankert. So kann sich Oststeinbeks Jugendberaterin Ellen Marx mit einem gespendeten Rad an die Fahrradwerkstatt wenden und es dort verkehrssicher machen lassen. Wer mag, ist beim internationalen Café (Sonntag, 18. März, ab 14 Uhr in der BeGe, Möllner Landstraße 24) willkommen.

Zudem kann sich jeder Bedürftige an die Kleiderkammer wenden. „Sie ist, wie das Café, zu einem wichtigen Treff geworden“, betont Rohde. Wer sich selbst engagieren will, findet Infos unter www. fluecht lingshilfe-oststeinbek.de.