blüte

Zauberhafter Quälgeist

Glinde (kb).  Dass aus diesen winzigen Rotschöpfchen einmal anständige Haselnüsse werden können, ist kaum vorstellbar. Und trotzdem: Wer zurzeit an einem Knick entlang stromert, dem werden an den bis zu sechs Meter hohen Gemeinen Haseln (Corylus avellana) neben den Kätzchen, die sich sanft im Wind wiegen, auch die Knospen mit dem roten Gefussel auffallen. Die Kätzchen sind die männlichen Blütenstände. Sie geben dem Wind die Pollen mit. Diese weiblichen Blüten bleiben in der Knospe geschützt, lediglich die rote Narbe reckt sich heraus, fängt die Pollen aus dem Wind auf und leitet sie weiter zum Fruchtknoten. Der Wind ist also bei den Haseln das „Bienchen“. Und obwohl die fleißigen Tiere in diesem Fall der Pflanze keinen Dienst erweisen, ist sie großzügig und spendiert den Insekten, die so früh im Jahr unterwegs sind, jede Menge Pollen für den Start ins neue Jahr.

Durch den diesjährigen, eher lauen Winter hatten die meisten Haselsträucher einen Frühstart hingelegt. Was speziell den Allergikern nicht verborgen blieb. Warnstufe 1 von 3 sagt, dass derzeit schon reichlich Hasel- und Erlenpollen unterwegs sind. Schon im Januar, teils im Dezember hatten sich die Kätzchen geöffnet und ihre Pollen freigelassen. Ihnen machte die jüngste Frostperiode kaum etwas aus. Die roten Narben der weiblichen Blüten hingegen verfroren. Doch es gibt genügend Nachschub, sodass wohl kein Nussmangel zu erwarten ist.

Das wäre auch schwierig für Mäuse, Eichhörnchen, Bilche, Kleiber und Eichelhäher. Die Nüsse sorgen mit ihren gut 60 Prozent Fettanteil, Vitaminen und Mineralien dafür, dass die Tiere den Winter überleben. Für unseren Naschbedarf kommen die Haselnüsse zumeist aus Italien und der Türkei. Die Lambertshasel und ihre Kreuzungen bringen große, wohlschmeckende Früchte hervor. Größter Abnehmer der türkischen Nüsse ist die italienische Firma Ferrero-Rocher, die sie zu Nutella verarbeitet. Die größten Haselnuss-Liebhaber sind die Schweizer. Sie vernaschen jährlich gut zwei Kilogramm pro Kopf.