Glinde

Tanzen über Grenzen hinweg

50 Jahre Europa-Union Verband kämpft gegen Überalterung – Jubiläumsfeier am 24. Juni im Bürgerhaus

Glinde. . Ohne die Europa-Union hätte Glinde ein paar Freunde weniger. Der Verband hat sich die vergangenen fünf Jahrzehnte maßgeblich für die Städtepartnerschaften Glindes mit St. Sébastien in Frankreich und Kaposvár in Ungarn eingesetzt. Ihre Mitglieder haben sie mit Leben gefüllt und 50 Jahre lebendig gehalten. „Ohne uns wäre das in dieser Form nicht möglich gewesen“, sagt Hans Meier nicht ohne Stolz.

Der 92-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern, hat viel Freizeit und noch mehr Herzblut in den Verband gesteckt. Nicht umsonst heißt er mit Spitznamen „Europa-Meier“, wurde er mehrfach für sein Engagement unter anderem vom damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel mit dem Verdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.

Am 20. Juni 1968 wurde der Ortsverband Glinde mit etwa 40 Mitgliedern gegründet. Noch im gleichen Jahr fuhren Jugendliche mit Bus und Bahn zu Gastfamilien nach Frankreich. Auch Meiers Tochter, Sabine König, erinnert sich mit einem Strahlen in den Augen an diese und spätere Reisen. „Wir haben viel getanzt und gefeiert.“ Es kam, wie es kommen musste: König hat sich verliebt, unzählige Liebesbriefe geschrieben und ihr Französisch perfektioniert. Die junge Liebe hat der großen Distanz nicht standgehalten, bei anderen hingegen schon: Zwei deutsch-französische Ehen wurden geschlossen. „Das war ein lebendiger Austausch“, sagt Meier – sowohl Richtung Westen als auch in den kommunistischen Osten. Kein Wunder, dass die Zahl der Mitglieder schnell auf bis zu 487 in den 1980er-Jahren anstieg. „Wir waren deutschlandweit der stärkste Verband“, sagt Meier. Hamburg zählte da nur 200 Mitglieder.

Doch schon eine Generation weiter ließ das Interesse nach, konnte Europa-Meier seine Enkelkinder für Reisen nach Frankreich oder Ungarn nicht mehr gewinnen.

Ein Phänomen, das der heutige Vorsitzende Gerd Mucha mit Sorge beobachtet: Der Verband kämpft sowohl mit der Überalterung (das Durchschnittsalter der 100 Mitglieder liegt derzeit bei 65 Jahren) und gegen das Desinteresse an der Europa-Union. TSV-Fußballer erteilten ihm jüngst eine Absage für eine Reise nach Kaposvár, nur eine Schule beteiligt sich aktuell am Wettbewerb zum Thema Europa.

Wie er sich das geringe Interesse erklärt? Mucha ist ratlos: „Viele meinen, dass Europa läuft.“ Doch wie der Brexit zeigt, sei das Gegenteil der Fall. Mit 42 Euro für den Mitgliedsbeitrag im Jahr kann jeder etwas für ein starkes Europa tun. Der Verband hilft bei der Suche nach einem Praktikumsplatz im Ausland, organisiert Reisen und europäische Kochnachmittage in der Spinosa. Das nächste Mal wird hier französisch gekocht.

Am Sonntag, 24. Juni, soll in einer Feierstunde von 12 bis 15 Uhr auf die vergangenen 50 Jahre im Festsaal des Bürgerhauses zurückgeblickt werden. Schleswig-Holsteins Europaministerin Dr. Sabine Sütterlin-Wack wird ein Grußwort sprechen. Gerd Mucha will über das Vorhaben des Verbandes berichten, sich für einheitliche Porto- und Paketgebühren in Europa einzusetzen. Aussichtslos ist das nicht, wie Franz Kubelke, Vorsitzender des Schwarzenbeker Verbandes weiß. Aus seinem Ort ging 2005 die Initiative aus, die Roaminggebühren in Europa abzuschaffen. Kubelke brauchte zwar einen langen Atem, aber 2017 fielen die Gebühren.