Konkurrenz der Generationen

Kritik von Jüngeren: Seniorenwohnungen mit Ausblick

Am Wohnpark an der Brückenstraße wird es eine Aussichtsplattform an der Glinder Au geben.

Am Wohnpark an der Brückenstraße wird es eine Aussichtsplattform an der Glinder Au geben.

Foto: Semmelhaack / BGZ

Oststeinbek. Viel zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt es in der Gemeinde. Das wird sich in Kürze ändern: Vornämlich für Senioren.

Oststeinbek.  Wären die Oststeinbeker Politiker entscheidungsfreudiger gewesen, hätten Manuela Waller (64) und Sabine Schmidt (74) nach über 30 Jahren nicht aus der Gemeinde wegziehen müssen. Die beiden Havighorsterinnen haben vor zwei Jahren ihre Häuser verkauft und sind in kleinere seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen in Glinde gezogen. „Am liebsten wäre ich hier geblieben. Es gab aber keine Angebote“, sagt Sabine Schmidt. Das Problem kennt Dieter Schlenz vom Seniorenbeirat nur zu gut: „Seit sieben Jahren bemühen wir uns um Seniorenwohnungen. Doch die Politik hat den Ball nur hin- und hergeschoben.“

Jetzt, kurz vor der Kommunalwahl, kommt Bewegung in die Sache, sind die Bebauungsplanverfahren für zwei größere Projekte an der Brückenstraße und am Willinghusener Weg kurz vor dem Abschluss. Auf Einladung der SPD haben die Entwickler ihre Projekte am Mittwochabend im Bürgersaal vorgestellt.

„Die Lage zwischen Glinder Au und Forellenbach ist ein Traum“, sagt Helmut Thede von der Firma Semmelhaack, die das Projekt an der Brückensttraße realisiert. Von der Lage werden die Bewohner der 80 barrierefreien Wohnungen profitieren, so soll ein geschwungener Steg mit Aussichtspunkt zur Glinder Au führen. Die sieben dreigeschossigen Gebäude samt Staffelgeschoss werden um einen Wohnhof gruppiert.

Zehn bis 13,50 Euro kostet der Quadratmeter

Es wird einen Gemeinschaftsbereich geben, der für Ausstellungen oder Lesungen geöffnet werden soll. Durchschnittlich 62 bis 65 Quadratmeter sind die Wohnungen groß, kosten auf dem freien Wohnungsmarkt zwischen zehn und 13,50 Euro für den Quadratmeter. Wer möchte, kann einen Pflegedienst dazubuchen.

Das können die Bewohner im „Servicewohnen Willipark“ auch. Am Willinghusener Weg plant Christoph Stölken auf der Fläche seines Schwiegervaters 90 Wohnungen in zwölf Häusern. Jeweils drei Häuserblöcke mit bis zu drei Geschossen und einem Staffelgeschoss bilden eine Einheit. „Sie sind durch Laubengänge miteinander verbunden. Das soll den offenen Charakter unterstreichen, hier sollen sich die Menschen begegnen“, sagt Stölken. Das beauftragte Hamburger Architekturbüro ist spezialisiert auf geförderten Wohnraum. Die Förderung ermöglicht, dass sich ein Drittel der Wohnungen auch Senioren mit einer geringen Rente leisten können. 5,80 Euro soll hier der Quadratmeter kosten. 30 der 50 bis 80 Quadratmeter großen Wohnungen stehen zum Verkauf. Die restlichen 30 werden für zehn bis zwölf Euro kalt pro Quadratmeter vermietet. „Viel zu viel“, raunt es durch die Reihen des gut gefüllten Bürgersaals.

Jugend nicht ausschließen

Angesichts der gestiegenen Baukosten sei das anders nicht wirtschaftlich, sagt Christoph Kostka. Der Geschäftsführer des Verbandes Wohnungswirtschaft Norddeutschland war kurzfristig für den Verbandsdirektor und einstigen Innenminister Andreas Breitner eingesprungen. Der Verband hat 300 Wohnungsbauunternehmer als Mitglied, die wiederum 1,5 Milliarden Euro jährlich in Neubau und Instandhaltung ihrer 760 000 Wohnungen stecken. „Allein in den vergangenen sieben Jahren haben sich die Baukosten um 55 Prozent verteuert“, berichtet Kostka. Abgesehen von dem Problem, dass viele keine Baufirmen mehr finden.

Helmut Thede ist dennoch zuversichtlich, dass mit dem Aufstellungsbeschluss am 26. Februar der Realisierung nichts mehr im Weg steht: „Anfang 2019 kann der Bau beginnen, Mitte 2020 sollen die ersten Bewohner einziehen.“ Schon jetzt stehen 18 Interessenten auf seiner Liste. Christoph Stölken rechnet damit, dass der „Willipark“ ein Jahr später, Mitte 2020, fertig ist.

Doch bei längst nicht allen Zuhörern fanden die beiden Projekte Zustimmung. „Wo bleiben die Jungen? Warum werden die ausgeschlossen? Warum gibt es kein Mehrgenerationenprojekt, wo Jung und Alt voneinander profitieren?“, fragt ein Jugendlicher.

Dafür hatten sich SPD und FDP stark gemacht, wurden aber von CDU und OWG überstimmt. „Die Senioren haben eine stärkere Lobby, es gibt keinen Jugendbeirat“, sagt SPD-Fraktionschef Christian Höft. Der 38-Jährige bedauert, dass immer mehr junge Menschen mangels bezahlbarer Wohnungen abwandern. „Auf das Problem weise ich schon seit Jahren hin“, sagt Jörg Gramann. Der ehemalige Wehrführer sorgt sich um die Überalterung und den Nachwuchs in der Wehr.

Schon jetzt liegt der Altersdurchschnitt der Oststeinbeker bei 47,3 Jahren und damit 2,2 Jahre höher als im Kreis. Knapp die Hälfte der Oststeinbeker sind 50 Jahre und älter.