Oststeinbek (kb).

Kur fürs Schätzchen der 1960er-Jahre

Pastorat der Auferstehungsgemeinde wird jetzt stilgerecht saniert

Oststeinbek (kb).  „Wertvoll muss nicht immer neugotisch sein. Auch dieses Pastorat aus den 1960er-Jahren ist ein durchdesigntes Haus, das im Kontext zum Gemeindehaus und der Kirche steht“, sagt Christian Baus, Architekt und Denkmalpfleger in der Bauabteilung des Kirchenkreises Hamburg-Ost. Und damit spricht er eine Art Segen über das Gebäude der Auferstehungsgemeinde in Oststeinbek. Denn nun ist es zwischen Kirchengemeinderat (KGR) und Kirchenkreis abgemacht, dass das sachliche Pastorat mit seinen vielen unaufgeregten Details getreu den 1960er-Jahren saniert wird. „Es ist doch auch ein schönes Haus“, betont Baus.

Er freut sich über die Solnhofer Platten im Flur, das Stäbchenparkett im großen Wohnzimmer, ist begeistert vom schmiedeeisernen Treppengeländer, in das Messing eingelegt wurde. Auch für die mit Kupferblech verkleidete Haustür, die markanten Gauben und das mit Schieferschindeln gedeckte Dach findet er nur lobende Worte. Kein Wunder, ist der geistige Vater von Kirche und Pastorat doch kein geringerer als der norwegische Kirchen-Baumeister Olaf Andreas Gulbransson. Sein Entwurf für Oststeinbek im Jahr 1961 war tatsächlich sein letzter. Im Juli des Jahres verunglückte er im Alter von nur 45 Jahren. Umgesetzt wurden die Pläne dann von seinem engsten Mitarbeiter Karl-Heinz Schwabenbauer.

Außenlampen und Briefkästen müssen weichen

Baus sieht bei allem Lob auch „Störungen“. So sind die Außenlampen mit sichtbaren Elektro-Zuleitungen, die unterschiedlichen, weißen Briefkästen und auch die Vordächer allesamt Stilbrüche. „Auch die Stufen auf dem Weg vor dem Pastorat stören. Die können weg“, sagt er und findet die Unterstützung von Pastor Thorsten Kelm und Rüdiger Grünthal (KGR). „Wenn die Außenleuchten wegkommen, muss auch ein neues Beleuchtungskonzept her“, kündigt Baus an. „Damit einher könnte die Überarbeitung der Grünanlage gehen“, sagt Kelm.

Zudem muss der Keller trockengelegt und das Haus generell energetisch ertüchtigt werden. Nachdem die Fenster im Parterre erneuert sind, sind nun die im Obergeschoss dran. „Das Stockwerk wird von innen, genauso wie die Gauben, gedämmt“, sagt Baus. Die Außenhülle bleibe bis auf kleine Reparaturen unangetastet.

Der KGR ist erleichtert. „Wir befassen uns schon lange mit der Zukunft des Pastorats. 2015 gab es erste Entwürfe. Die Ideen reichten vom Abriss mit Neu-Bebauung über die Entkernung bis zur Sanierung“, berichtet Rüdiger Grünthal.

Pastor Kelm, der im Haus Büro und Wohnung hat, ergänzt: „Wir haben uns der Herausforderung gestellt. Wir haben hier nicht die Situation, eines Einfamilienhauses, bei dem man nur an die nächsten Generationen denkt. Wir wollen unsere Kirche zukunftsfähig machen und denken weiter. Wir sind ja kein Museumsverein. Das bedeutet, dass das Haus gut genutzt werden kann, auch vor dem Hintergrund eines Stellenabbaus.“ Kelm sagt das, weil er davon ausgeht, dass er der letzte Pastor sein wird, der in Oststeinbek wohnt. Denn die Auferstehungsgemeinde bildet gemeinsam mit Mümmelmannsberg und Kirchsteinbek die Gemeinde Kirche in Steinbek und alle drei Kirchen haben Priorität A auf der Bestandsskala des Kirchenkreises. Bei einem Stellenabbau kann es auch sein, dass der Pastor in Mümmelmannsberg wohnt. In dem Fall könnte das Haus vermietet werden. „Ich könnte mir hier auch ein Zentrum für Oststeinbek vorstellen“, sagt er. Doch das ist ein anderes Thema, davon will Rüdiger Grünthal noch nichts hören.

Erstmal hat die Gemeinde viel vor: Das Abwassersystem im Gemeindehaus ist just saniert. Nun ist das Pastorat dran. 245 000 Euro darf das höchstens kosten. Und im Sommer soll noch die Orgel „optimiert“ werden, so Kelm.