Glinde/Bad Oldelsoe

„Stormarn ist ausverkauft“

Preise für Immobilien und Grundstücke 2017 explodiert – Markt ist leer gefegt – Druck auf Kommunen steigt

Glinde/Bad Oldelsoe. . Glücklich können sich diejenigen schätzen, die keine Wohnung oder ein Haus in Stormarn suchen. Alle anderen müssen tief in die Tasche greifen oder Geduld beweisen. Nicht nur, dass die Preise in den vergangenen sieben Jahren explodiert sind – sowohl für Miet- als auch für Kaufobjekte – auch ist der Immobilienmarkt wie leer gefegt. Das geht aus dem aktuellen Bericht des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Stormarn hervor.

Der Ausschuss – bestehend aus Maklern, Sachverständigen, Ingenieuren und Finanzexperten – hat seinen aktuellen Bericht vorgelegt und Verkäufe von bebauten und unbebauten Grundstücken in 2017 analysiert sowie Miet- und Pachtverträge ausgewertet. „So wenig Verkäufe wie in 2017 gab es in den vergangenen 35 Jahren nicht“, weiß Stefan Leutelt, Vorsitzender des Ausschusses. Gerade einmal 1417 Grundstücke wechselten im vergangenen Jahr ihren Eigentümer. Das sind 27 Prozent weniger als noch vor sieben Jahren.

Immer mehr Menschen, aber weniger Flächen

„Im Grunde ist Stormarn ausverkauft“, weiß Leutelt. Doch die Zahl derjenigen, die in den wirtschaftstarken Kreis ziehen wollen, reißt nicht ab. „Die Menschen wollen dort leben, wo sie auch arbeiten“, so Leutelt. In den vergangenen 32 Jahren stieg die Zahl der Einwohner um 46 000 Menschen auf derzeit 241 000.

„Insbesondere Gemeinden entlang der Bahnlinie wie Rheinfeld und Ahrensburg sowie Gemeinden um Hamburg herum wie Oststeinbek, Barsbüttel, Reinbek und Glinde sind begehrt“, sagt Leutelt.

Auch in Glinde werden Grundstücke knapp: „Freie Flächen in öffentlicher Hand gibt es keine mehr“, sagt Bürgermeister Rainhard Zug. Er gehe davon aus, dass der Druck auf den Wohnungsmarkt noch weiter zunehmen wird. Darum plädiere er für Lückenschlussbebauung und den Bau in die Höhe. Auch werde künftig immer öfter Altbestand abgerissen und mit größeren Häusern und mehr Wohnungen ersetzt. Dass sich diese dann auch Geringverdiener und sozialschwache Familien leisten können, dafür müssten Stadt und Politik sorgen.

Denn derzeit sind Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt für Sozialschwache immer weniger bezahlbar: Durchschnittlich 8,70 Euro pro Quadratmeter müssen Glinder für die Nettokaltmiete einer 70 Quadratmeter großen Wohnung aufbringen. Das sind 1,40 Euro mehr als noch 2010. In Reinbek ist das Wohnen zur Miete mit 8,90 Euro pro Quadratmeter noch teurer. Am meisten aber zahlen Mieter in Ahrensburg mit durchschnittlich 9,40 Euro pro Quadratmeter. Günstiger ist es lediglich in Reinfeld mit 7,50 Euro pro Quadratmeter.

Quadratmeter verteuerte sich um 73 Prozent

„Es ist dramatisch, wenn Glinder nach 40 Jahren aus der Stadt wegziehen müssen, weil die Mietpreisbindung ausgelaufen ist und sie sich das Wohnen in Glinde nicht mehr leisten können“, sagt Zug. Dieser Fehlentwicklung steuert die Stadt entgegen: In den nächsten Jahren entstehen über 100 öffentlich geförderte Wohnungen, unter anderem am alten Gleisdreieck, am Holstenkamp sowie am Weg an der Gutsmauer. Der Bedarf ist groß, die Liste der Interessenten länger als die Zahl der Wohnungen.

Was des einen Leid ist, ist des anderen Freud: Für Wohnungsverkäufer sind goldene Zeiten angebrochen. Sie können derzeit 2060 Euro für den Quadratmeter verlangen. Wer vor sieben Jahren gekauft hat, kam wesentlich günstiger weg: Da kostete der Quadratmeter noch 1210 Euro. In Stormarn verteuerte sich der Preis um durchschnittlich 73 Prozent in nur sieben Jahren.

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