Katholische Kirche

Bewegende Kirchweihe in Glinde mit uralter Zeremonie

Erzbischof Dr. Stefan Heße weiht und segnet die sanierte katholische Kirche Zu den Heiligen Engeln in Glinde.

Erzbischof Dr. Stefan Heße weiht und segnet die sanierte katholische Kirche Zu den Heiligen Engeln in Glinde.

Foto: Louisa Rascher / BGZ

Glinde. Nach ihrer Sanierung wurde die katholische Kirche Zu den Heiligen Engeln nun geweiht. Auch für den Erzbischof eine Premiere.

Glinde.  Eine Kirche wird nur einmal geweiht, so wie ein Mensch nur einmal getauft wird. Das sagte der Hamburger Erzbischof Dr. Stefan Heße am Sonntag bei der feierlichen Weihe der katholischen Kirche Zu den Heiligen Engeln.

Nach Jahrzehnten, in denen die Gemeinde auf einen Umbau der Kirche gewartet hatte, wurde es womöglich zu einer überfälligen, vor allem aber zu einer überaus bewegenden Zeremonie.

Traditionsbruch gleich zu Beginn

Zumal es auch für den angereisten Erzbischof die erste Kirchweihe im Amt war. „Wir wollen sie deshalb nicht abspulen, sondern aus vollem Herzen feiern“, sagte er zur Eröffnung. Kleine Fehler sollten keine Rolle spielen. Weniger fatal war dann auch ein vermutlich ungeplanter Traditionsbruch gleich zu Beginn der Feier.

Mehr als 100 Gläubige hatten sich bereits in der Kirche eingefunden, als Erzbischof Heße vor die Tür des Gotteshauses trat. Eigentlich beginne bereits hier die Liturgie, sagte Heße. Nach einem Klopfen mit dem bischöflichen Krummstab, ziehe man in die Kirche ein. „Das gestaltet sich natürlich schwierig, wenn schon alle drin sind“, sagte er – und lachte.

Uralte Zeremonien und bewegende Zwischentöne

Schließlich hatte der kleine Patzer auch sein Gutes: Stimmungsvoll begannen die Gläubigen zu singen, während Erzbischof Heße, Pfarrer Gerhard Gerding und Messdiener gefolgt von einer Kindergartengruppe einzogen. Dann folgten jahrtausendealte zeremonielle Traditionen: Die Segnung des Weihwassers, die Segnung des Ambo – des Pults für die Predigten –, Weihe und schließlich Salbung des Altares und der Kirche. Begleitet von Gesängen und Gebeten trieb die fast zweistündige Weihe dem ein oder anderen Gläubigen Tränen in die Augen.

Eindrucksvoller als die streng durchgeführte Zeremonie aber waren wohl die kleinen Zwischentöne. So sangen die Gläubigen bei jedem Lied ein bisschen lauter, am Ende begeisterte der portugiesische Chor mit bewegender Inbrunst.

Erzbischof Heße würdigte nach der Weihe auch einen besonderen Gast. Denn während der langen Umbauphase gewährte die evangelische Kirchengemeinde der katholischen nicht nur Obdach, sie ließ auch den Ambo in ihr Gemeindehaus bringen. „Das ist alles andere als selbstverständlich“, lobte der Erzbischof und schloss mit einem Applaus für den anwesenden evangelischen Pastor Sören Neumann-Holbeck, in den die mehr als 150 Gäste tosend einstimmten.

Live-Übertragung der Kirchweihe ins Autohaus

Erzbischof Heße bat darum, das Gotteshaus möge häufiger so voll sein. Viele Gläubige hatten sich in der hellen Kirche eingefunden, waren auf den Bänken zusammengerückt oder standen stundenlang im Eingangsbereich. Sogar im Gemeindehaus und im Autohaus gegenüber wohnten dank Live-Übertragung diejenigen der Zeremonie bei, die nicht mehr in die Kirche hineinpassten. Eine Kirchweihe erlebe man schließlich inzwischen nicht mehr alle Tage, sagte Erzbischof Heße.