Kinderbetreuung

Wütende Eltern protestieren für Kinder

Foto: Tamm

Glinde. Stundenausfall, hoher Krankenstand und die Bedrohung durch weitere Kürzungen machen der Kita "Wirbelwind" zu schaffen. 40 Eltern haben sich jetzt mit ihren Sorgen an den Sozialausschuss gewandt.

40 aufgebrachte Mütter und Väter stiegen am Donnerstagabend den Mitgliedern des Sozialausschusses aufs Dach: „Wir wollen auf die Missstände in der Kita Wirbelwind aufmerksam machen“, sagte Bernd Böttger. „In der letzten Zeit haben wir eher das Gefühl von Kinderaufbewahrung statt Kinderbetreuung!“ Dies zeige der Ausfall von Vorschulstunden, Sprachförderung, Turnstunden sowie kaum Zeit für Integrationskinder und Bewegung an der frischen Luft. Außerdem sorgten sich die Eltern, dass sich die Betreuung ihrer Kinder durch die neuen Förderrichtlinien des Kreises weiter verschlechtern könnte.

Die Eltern forderten, dass die Stadt Glinde als Trägerin der Kita Wirbelwind weitere Erzieher einstellt und einen Anreiz schafft, damit sich neue bewerben. Hintergrund der ausgefallenen Angebote war offenbar ein hoher Krankenstand unter den Erziehern. Etwa zwei Monate lang gab es für die neun Gruppen mit bis zu 22 Kindern jeweils nur einen Erzieher. „Die Situation ist bescheiden“, bemängelte Böttger.

Sachgebietsleiter Ole Jönsson bestätigte, dass es zwei Langzeiterkrankungen, aber auch Weggänge und Umbesetzungen gegeben habe. Ab Dezember sollen diese personellen Engpässe aber behoben sein. „Wir haben so schnell ausgeschrieben, wie es uns möglich war“, sagt Jönsson.

Sorge mache der Stadt jedoch das neue Fördersystem: „Wir haben dicke Bedenken damit.“ Die habe die Stadt auch bereits kritisch beim Kreis angemerkt. Denn rückwirkend zum 1. Januar 2011 hat der Kreis Stormarn sein Fördersystem in der Kinderbetreuung umgestellt. Der Termin ist nicht ungewöhnlich, weil mit dem Kreis immer nachträglich abgerechnet wird. Bezuschusst wird jetzt aber nicht mehr ein bestimmter Anteil der Personalkosten, sondern ein Anteil pro Betreuungsplatz. Der Kreis erhoffe sich weniger Verwaltungsaufwand. Doch viele Kostenfaktoren, beispielsweise der Hintergrund des Kindes, wie ein höherer Bedarf an Sprachförderung, würden bei dem neuen System nicht berücksichtigt, kritisierte Jönsson. Für die Geesthachter Kitas beispielsweise macht das unter dem Strich ein sattes Minus von 150.000 Euro aus.

Hinzu kommt, dass mittlerweile aus demselben Topf wesentlich mehr Betreuungsplätze finanziert werden müssen. Denn der Kita-Ausbau wurde in den vergangenen zwei Jahren durch den Rechtsanspruch der Eltern auf einen Krippenplatz ab August 2013 stark forciert. 2010 wurden für ganz Schleswig-Holstein 60 Millionen Euro an Fördermitteln gezahlt. Kritiker rechnen nicht damit, dass diese Fördersumme in dem Maße steigt, wie benötigt.

Wie hoch der Zuschuss für Glindes Kitas tatsächlich sein wird, steht derzeit noch nicht fest. Er wird nach einem Punktesystem berechnet, dessen Gegenwert gerade in der Kreisverwaltung ermittelt wird. Eines stellte Bürgermeister Rainhard Zug klar: „Wir können unseren Erzieherinnen weder mehr als Tarif bezahlen, noch können wir mehr einstellen als es der Personalschlüssel zulässt.“ Die Kostenschraube würde Glinde sonst gegen wohlhabendere Kommunen irgendwann leer ausgehen lassen.

Sabine Schmidt, Mutter zweier Kinder, wollte wissen: „Können wir uns denn auf die Höhe der Beiträge verlassen?“ Auch die Gebühren, die die Eltern zahlen, sind vom Kreis festgeschrieben und dürfen 37,5 Prozent nicht überschreiten, sagte Jönsson. Letztlich eine politische Entscheidung.

Die Fraktionen waren sich einig, dass sie den Standard – auch in Sachen Sprachförderung – halten wollen. In einigen Gruppen der Kita Wirbelwind haben 66 Prozent der Kinder einen Sprachförderbedarf. „Wir haben damals für diese Förderung gekämpft“, sagte Marietta Exner (SPD). „Wir legen mit der Kita den Grundstock für das Leben.“