Demonstration

Bunt statt braun: Glinde kehrt aus

Glinde. Rund 400 Menschen haben am Sonnabend in Glinde friedlich gegen Rechtsextremismus demonstriert. Ziel war das Geschäft "Tonsberg", in dem die bei Rechtsextremen beliebte "Thor-Steinar"-Mode verkauft wird. Zahlreiche Demonstranten hatten Besen mitgebracht, um den „braunen Dreck aus der Stadt zu kehren".

Einige hatten sich schillernde Westen übergestreift. Andere ließen sich geringelte Schals um den Hals drapieren. Wieder andere, wie Hans Berger, brachten mehrfarbige Regenschirme mit. Bunt musste es sein. Nur eine Farbe war am Wochenende bei der Demonstration durch die Innenstadt verpönt: Braun. „Glinde, Glinde, das sind wir, wir wollen keine Nazis hier!“, riefen rund 400 Bürger bei ihrem Marsch auf den Glinder Berg. Unter dem Motto „Glinde kehrt aus“ hatten sie sich auch viele Teilnehmer mit Besen „bewaffnet“, um den „brauen Dreck aus der Stadt zu kehren“. Denn „Tonsberg“, das Klamottengeschäft an der Möllner Straße mit dem neonazilastigen Modelabel „Thor Steinar“, ist nun ein Jahr lang in Glinde ansässig.

Das breite Aktionsbündnis "Glinde gegen Rechts - Runder Tisch" protestierte gemeinsam gegen den Laden. „Nazis beim Shoppen stoppen“, forderte die federführende Bürgerinitiative „No Tonsberg“. Seite an Seite zogen vom Marktplatz aus auch die Parteien (CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, Piraten-Partei) los. Vereine und Kirchen schlossen sich an. Bürgermeister Rainhard Zug hatte sich von der städtischen Stadtreinigung Kehrgeräte ausgeborgt und ging im Demo-Zug mit. Die Awo-Kindertagesstätte erinnerte mit einem riesigen Transparent daran, dass in der Kita zahlreiche Kinder der verschiedensten Nationen zusammenfinden. Die Lütten hatten sich mit ihren Namen und ihren Händeabdrücken auf dem Transparent verewigt.

„Noch verteilen die hier keine Handzettel, noch organisiert der rechte Mob hier keine Veranstaltungen. Aber wir wollen es auch gar nicht soweit kommen lassen“, begründete Brigitte Berger ihre Teilnahme an der Demonstration. „Allein schon der Verkauf von Nazi-Klamotten ist zu viel. Wir wollen keine rechtsradikale Szene hier", bekräftigte ihr Ehemann und Schirmträger Hans, der seinen Anti-Nazi-Regenschutz mittlerweile aufgespannt hatte. Immer wieder bezeugten vorbeifahrende Autofahrer ihre Sympathie mit den Demonstranten durch Hupkonzerte. Vor dem geschlossenen „Tonsberg“-Geschäft legten die Protestierenden dann ihre Transparente nieder. Wütend kehrten sie mit ihren Besen drauflos. „Weg mit dem rechten Dreck“, konstatierten sie.

Der Sprecher des Aktionsbündnisses, Johannes Ratzek, freute sich, dass trotz durchwachsenem Wetter so viele zur Möllner Landstraße gefunden hatten. „Ein Jahr Bestehen des Ladens können wir nicht feiern“, sagte er. „Deshalb bieten wir heute ein Katerfrühstück an“. Die Einnahmen aus der Beköstigung verwende die Initiative für weitere Protestaktionen wie die Mahnwache, die nun bereits seit 307 Tagen vor „Tonsberg“ ausharre. „Wir können alle Arten von Spenden gebrauchen. Solange wie das Geschäft hier ist, werden auch wir hier sein, egal wie lange die Räumungsklage dauert“, versprach Ratzek. Die Protestler vor dem Laden seien während der vergangenen zwölf Monate von Rechtsextremen bedroht, beleidigt und mit Steinen beworfen worden. Ein Ladenbesucher habe ihnen den Hitlergruß gezeigt.

„Wir wissen nicht, was in dem Laden passiert. Autokennzeichen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern zeigen aber, dass das Geschäft einen überregionalen Anziehungspunkt darstellt“, sagte Ratzek. Auch Glindes Bürgermeister Zug kritisierte die Existenz des "Thor-Steinar"-Ladens als Imgageschaden für seine Stadt: „Dieser Laden schadet Glinde!“ Er lobte seine Bürger, die sich beharrlich und engagiert gegen den rechten Mob zur Wehr setzten. Niels Brock und Anna Grosse von der Bürgerinitiative erinnerten dann daran, was gegen Rechts im vergangenen Jahr schon alles auf die Beine gestellt wurde: Beispielsweise Lichterketten, Podiumsdiskussionen, ökumenische Andachten. Brock und Grosse erhoffen sich auch regen Zuspruch am Sonnabend, 22. September, wenn es im Bürgerhaus „Rock gegen Rechts“ heißt. Ab 18 Uhr werden mehrere Bands auftreten, unter anderem „Break Stuff“, „Dr.Ella“, „Red Shox“ und Dominik Beseler. Mehr Infos im Netz unter www.notonsberg.de .