Naturschutz

Sie strickt Pullover für die Zwergpinguine

Foto: Susanne Tamm / Tamm

Glinde. Angelika Regenstein strickt Pullis für Zwergpinguine - und sie ist nicht allein. Fast 10.000 kleine selbstgestrickte Pullunder hat die Glinderin aus ganz Deutschland zugeschickt bekommen. Falls auf Phillip Island in Australien nun eine Ölpest ausbricht, ist schnelle Hilfe für die dort lebenden Pinguine garantiert.

Wie viel Wolle braucht man wohl für einen Pinguin-Pullover? Das sie mit dieser Frage im Handarbeitsgeschäft schräge Blicke ernten würde, war der Glinderin Angelika Regenstein auch klar. Deshalb hatte die Inhaberin eines Reisebüros vorgesorgt und den Newsletter eines Fachmagazins ausgedruckt. Der rief dazu auf, kleine Pullunder für die Zwergpinguine im Naturschutzgebiet auf Phillip Island in Australien zu stricken, um sie im Ernstfall vor einer Ölpest zu schützen.

„Bei einer Ölpest wie schon einmal 2001 vor Phillip Island werden die verölten Zwergpinguine schnell von Naturschützern in die Pullover gesteckt, damit sie nicht versuchen, sich das giftige Zeug aus dem Gefieder zu picken“, erläutert Regenstein. „Dann werden die Tiere nach und nach gereinigt und wieder in Pullover gesteckt, bis sich ihre natürliche Fettschicht wieder aufgebaut hat. Sicher haben sie dann einige Tage Stress, aber das ist besser, als wenn sie alle eingehen.“

Regenstein war sofort berührt, als sie den Aufruf las. „Seitdem sich 2004 während einer Kreuzfahrt zur Antarktis einmal ein Pinguin zwischen meine Füße gesetzt hatte, habe ich ein großes Herz für diese Vögel“, erzählt die Geschäftsfrau. Deshalb setzte sie sich noch am selben Abend vor den Fernseher und ließ die Nadeln klappern: Das Ergebnis war ein kleiner, halber Pullover. Angelika Regenstein musste nicht lange rechnen, um festzustellen, dass sie allein 60.000 Pinguinen nicht viel helfen konnte. „Da wäre ich ja 329 Jahre beschäftigt gewesen“, stellt sie fest. Deshalb wandte sie sich an die Medien und bat um Hilfe. Mit den Folgen hat sie nicht gerechnet: Sie wird überrollt von einer Lawine von Pinguin-Pullovern. Mittlerweile will das halbe Land ihr helfen, diese Pullis für die nur ein Kilogramm schweren Tiere zu stricken. Regenstein ist überzeugt, noch in diesem Monat auf 10.000 Stück zu kommen. „Unglaublich: Vergangenen Montag trafen 843 Pullover ein! Das war bisher der Rekord“, erzählt Regenstein. Sie selbst kommt kaum noch zum Stricken: „Morgens fahre ich eine Stunde früher ins Büro, um alles auszupacken und die E-Mails und Briefe abzulegen. Es sind so rührende Geschichten darunter.“ Beispielsweise schrieb ihr ein Neunjähriger, dass er Pinguine liebt und sich deshalb jetzt von seiner Mutter das Stricken zeigen lässt. Viele Helferinnen geben sich unendliche Mühe: „Die Muster sind ja eigentlich völlig gleichgültig, aber wir haben schwarz-rot-goldene bekommen und einige mit aufgestickten Pinguinen.“

Angelika Regenstein ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft ihrer „Stricklieseln“, wie sie sie liebevoll nennt. Sie bittet aber um Verständnis dafür, dass sie die Einsendungen mittlerweile nicht mehr bestätigen und viele E-Mails nicht mehr beantworten kann: „Dafür sind es einfach zu viele.“

Irgendwann hat sie einmal erklärt, wenn sie 5000 Pullover gesammelt hat, würde sie die Umzugskartons selbst nach Phillip Island bringen. „Damals habe ich nicht geglaubt, dass das so schnell gehen würde“, sagt die Glinderin. Jetzt mit fast 10.000 Pinguin-Pullis sucht sie einen Sponsor, der die Transportkosten übernimmt. „Selbstverständlich will ich immer noch nach Phillip Island reisen“, stellt sie klar. „Wegen meines Geschäfts kann ich eine solche längere Reise allerdings erst für Herbst 2013 organisieren. Und dann werde ich auch drei Tage im Naturschutzgebiet arbeiten.“

Wer Angelika Regenstein unterstützen will, erreicht sie per E-Mail unter info@horner-reisebuero.de.